Die WTO bestätigt das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte

Robbenprodukte bleiben in der EU verboten
Donnerstag, 22 Mai, 2014

Das Berufungsgremium der Welthandelsorganisation (WTO) hat soeben entschieden, dass das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte den WTO-Richtlinien entspricht. Wie bereits in der ersten Instanz befand die WTO, dass moralische Erwägungen, auch Bedenken im Tierschutz, Handelsbeschränkungen rechtfertigen können. Kanada und Norwegen hatten das Handelsverbot angefochten.

„Wir begrüßen diese Entscheidung der WTO, da sie klar macht: Ethische Bedenken sind ein legitimer Grund für Handelseinschränkungen“, so Dr. Ralf Sonntag, Direktor des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) Deutschland. „Außerdem beglückwünschen wir die EU, die an ihrer klaren Haltung gegen das grausame Abschlachten von Robbenjungen festgehalten hat. Kanadas Regierung hat alles versucht, um ihre Produkte der grausamen und unnötigen Jagd auf den europäischen Markt zu bringen. Aber Vernunft und Mitgefühl haben gesiegt! Ein wunderbarer Tag für die Robben!“

Das Handelsverbot ist das Resultat einer jahrzehntelangen zivilen Opposition gegen die kommerzielle Robbenjagd und wird gestützt von gründlichen wissenschaftlichen und sozio-ökonomischen Untersuchungen zum Thema Robbenjagd.

„Die Anerkennung des Tierschutzes als legitimen ethischen Wert betont auch die Relevanz der WTO für solche Handelsentscheidungen, wie sie immer häufiger auf uns zukommen werden“, so Sonntag weiter.

Der IFAW wird weiterhin eng mit der EU zusammenarbeiten, um notwendige Änderungen in der Gesetzgebung vorzunehmen. Die Kenntnisse des IFAW über die kommerzielle Robbenjagd sowie die jahrzehntelange Dokumentation der Jagd ermöglichten, zwei Stellungnahmen als Referenz für die Verhandlungen beizutragen. Der IFAW hat zudem daran gearbeitet, die öffentliche Empörung über die kommerzielle Robbenjagd gegenüber den Entscheidungsträgern zur Kenntnis zu bringen.

Fakten:

  • Auch wenn die EU selbst nur einen kleinen Markt für Robbenprodukte bot, hatte das EU-Handelsverbot globale Auswirkungen und führte zu einem weltweiten Rückgang der Nachfrage.
  • Heute gibt es 34 Länder, die den Handel mit Robbenprodukten verbieten. Zuletzt hat Taiwan diesen Schritt unternommen, weitere Länder sind die 28 EU-Mitgliedsstaaten, Russland, Kasachstan, Weißrussland, Kroatien, Mexiko, und die USA, Kanadas engster Handelspartner.
  • Momentan ist der Betrag, den die kanadische Regierung für die Unterstützung der kommerziellen Robbenjagd ausgibt, höher als der Ertrag der Jagd.
  • Über 98% der für die kommerzielle Jagd getöteten Robben sind zwischen zwei Wochen und drei Monaten alt.
  • Der IFAW spricht sich nicht gegen die Robbenjagd der Inuit oder die private Jagd auf Robben in Neufundland aus.

 

Chronik des EU-Handelsverbots & der WTO-Anfechtung

  • 1983: Europa verbietet die Einfuhr der Produkte von „Whitecoats“ und „Bluebacks“, die Jungen der Sattel-  bzw. Mützenrobben.
  • 2009: Die EU beschließt ein Import- und Verkaufsverbot aller Robbenprodukte, mit Ausnahme von persönlichen Gegenständen sowie der Produkte aus der Jagd der Inuit und vom „Meeresressourcenmanagement“.
  • 2. November 2009: Kanada und Norwegen fechten das EU-Handelsverbot vor der WTO an.
  • 20. August 2010: Das EU-Handelsverbot tritt in Kraft.
  • 18.-20. Februar 2013: Ein Gremium der WTO hört die Argumente von Kanada, Norwegen und der EU an.
  • 25. November 2013: Ein WTO-Gremium veröffentlicht seine Entscheidung, die das EU-Handelsverbot im Prinzip auf einer moralischen Grundlage bestätigt, aber einige Ausnahmeregelungen kritisiert. Diese müssen angepasst werden.
  • 25. Januar 2014: Kanada und Norwegen geben bekannt, dass sie gegen die Entscheidung des WTO-Gremiums in Berufung gehen werden. Die EU-geht in Gegen-Berufung.
  • 17.-19. März 2014: Das WTO-Berufungsgremium hört die Argumente von Kanada, Norwegen und der EU an.
  • 22. Mai 2014: Das WTO-Berufungsgremium gibt die endgültige Entscheidung bekannt.

Link zur offiziellen Timeline der WTO:
http://www.wto.org/english/tratop_e/dispu_e/cases_e/ds400_e.htm

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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
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Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
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