Die gute Nachricht: Ich sehe den Tiger nicht! Besuch in einer Auswilderungsstation für Tiger im Fernen Osten Russlands.

Von der Aussichtsplatform hat man einen guten Blick in die AuswilderungsstationIch stehe auf einer Aussichtsplattform, verborgen hinter einem Tarnzelt. Ich bewege mich nicht, wage kaum zu atmen. Äußerste Stille ist notwendig. Mein Blick schweift über das Gelände, in das Dickicht und Gebüsch. Aber ich sehe keinen Tiger – und das ist eine gute Nachricht. Denn ich befinde mich in einer Auffang- und Auswilderungsstation für Tiger in der Nähe von Vladivostok. Und für eine erfolgreiche Auswilderung ist es grundlegend wichtig, dass der Tiger sich nicht an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und ein Wildtier bleibt.

Später in der Baracke der Station kann ich mich dann doch von der Anwesenheit des jungen Tigers überzeugen. Auf einem Monitor des Überwachungssystems sehe ich, wie der Tiger am Zaun des weitläufigen und naturnahen Geheges entlang schleicht.

Dieses sechs bis sieben Monate alte Tigerjunge wurde Anfang 2012 von Jägern im Wald gefunden, alleine und in einem erbärmlichen Zustand. Es ist gut möglich, dass seine Mutter von Wilderern erschossen wurde. Zum Glück brachten die Jäger das hilflose Tigerweibchen in die Auffangstation. Hier wird es nun tierärztlich betreut und wieder hochgepäppelt, mit finanziellen Mitteln des IFAW. Das Ziel ist, “Cinderella“, wie ihre Pfleger sie nannten, nach dem kommenden Winter wieder in die Wildnis zu entlassen.

Das Überleben jedes einzelnen Tigers ist äußerst wichtig, denn der Sibirische Tiger ist aufgrund von Lebensraumzerstörung und Wilderei äußerst selten geworden und somit stark vom Aussterben bedroht. Lediglich im Fernen Osten Russlands, in der Primorsky und Khabarovsk-Region, leben noch weniger als 400 Tiere dieser Unterart. Letzte Schätzungen bestätigen einen Rückgang der Population.

Somit leistet diese Auswilderungsstation einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz. Die Einrichtung dieser Station wurde von den Russischen Behörden veranlasst, aber der IFAW war bereits früh an der Planung und konzeptionellen Ausrichtung intensiv beteiligt. Cinderella ist das erste Tigerjunge, das in der Station aufgezogen wird.

So drücke ich nun auch diesem jungen Tiger die Daumen für seine hoffentlich bevorstehende Entlassung in die Natur. Und ich bin überhaupt nicht traurig darüber, dass ich ihn nicht mit eigenen Augen sehen konnte.

--RK

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien