Dicht auf den Fersen der Zwergwale im Atlantik

Das Team verfolgt Zwergwale manchmal mit und manchmal ohne Whalewatching-Schiffe.Das nächste Projekt auf unserer Atlantik-Tour 2012 ist die Videoverfolgung in Echtzeit von isländischen Zwergwalen.

Der Doktorand Fredrik Cristiansen untersucht die These, dass Whalewatching-Schiffe das Verhalten von Zwergwalen in der Bucht von Flaxaflói, einem wichtigen Whalewatching-Gebiet in der Nähe von Reykjavik, beeinflussen.

Im Rahmen dieser Untersuchung verfolgen wir einzelne Tiere mit und ohne Anwesenheit von Whalewatching-Schiffen, zeichnen ihr Oberflächenverhalten auf und messen genaue Positionen und Entfernungen. 

Fredrik und seine Kollegin Michelle sind für zwei Wochen an Bord gekommen, und führen hier seine Forschungsarbeit fort, nachdem er zuvor von Whalewatching-Schiffen aus Untersuchungen durchgeführt hat.

Die Verfolgung machen wir nun seit einer Woche und wir sind sehr glücklich darüber, wie erfolgreich die Aufnahmen bislang verlaufen. Vor dem Projekt wussten wir ja nicht, wie viele Wale wir finden würden oder wie lange wir sie erfolgreich filmen können. Der Zwergwal ist bekannt dafür, schwer fassbar zu sein, er hat ein komplexes Oberflächenverhalten und zeigt generell sehr wenig von sich an der Oberfläche.

Wir hatten jedoch unheimlich viel Glück mit einer extrem ruhigen See und erwischten ein paar sehr kooperative Tiere. Im Ergebnis gelang es uns, einzelne Tiere über mehrere Stunden zu verfolgen – unser Rekord liegt derzeit bei sechs Stunden – und ihre Habitatnutzung und die Veränderungen in ihrem Oberflächenverhalten über Zeitfenster hinweg zu beobachten, die wir vorher niemals für möglich gehalten hätten.

Einige Teammitglieder hatten im Vorfeld des Projekts (fast schon beschämt) zugegeben, dass sich der Charme der Zwergwale ihnen bislang nicht wirklich erschlossen habe: Wie oft ist es bei Untersuchungen der Fall, dass man gerade mal einen kurzen Blick auf Schwanz- und Rückenflosse erhaschen kann, bevor das Tier wieder untertaucht und aus dem Blickfeld verschwindet.

Doch dadurch, dass wir jetzt einmal die Gelegenheit bekamen, einem gemächlich dahinschwimmenden Zwergwal ganz entspannt zu folgen oder in Begleitung der Eissturmvögel dahinzutreiben, während ein Wal um unser Schiff kreist, haben wir ihre sonderbaren Gewohnheiten und ihr eigenwilliges Verhalten ganz neu schätzen gelernt.

Allerdings hatten wir im Laufe der letzten Woche auch so oft wie nie die Gelegenheit, ihren fauligen, kohlähnlichen Atem aus der Nähe zu riechen. Manche Dinge ändern sich nicht; diese Art von Charme hat sich uns bis heute nicht ganz erschlossen…

--SC

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
IFAW Japan Representative
Repräsentantin IFAW Japan
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale