Deutschland verpflichtet sich zu besserem Elefantenschutz

Der Zug kommt pünktlich in Berlin Hauptbahnhof an. Durch das große Glasdach kann ich bereits das Reichstagsgebäude und die weitläufigen Gebäude der Abgeordneten sehen. Sogar zu Fuß komme ich rechtzeitig zu meinen Terminen.

Ich möchte mit Politikern aus verschiedenen Parteien über Elefanten sprechen. Darüber wie groß die aktuelle Bedrohung für Elefanten in vielen afrikanischen Ländern ist, wie viele Elefanten wegen der unermesslichen Gier nach Elfenbein abgeschlachtet werden und darüber, dass der Schutz der Elefanten schleunigst verbessert werden muss. Und hierbei könnte Deutschland bei den Schutzbemühungen eine wichtige Vorreiterrolle einnehmen.

Das Ziel meiner Gespräche ist, dass mit einem parteienübergreifenden Antrag der Deutsche Bundestag die Bundesregierung verpflichtet, konkrete Maßnahmen und Schritte für einen verbesserten Elefantenschutz zu unternehmen.

Aber noch muss ich Überzeugungsarbeit leisten. Manche Politiker kennen offensichtlich die Dimension der aktuellen Krise bezüglich der massiv angestiegenen Elefantenwilderei nicht. So berichte ich über die Erlebnisse und Erfahrungen meiner Kollegin Céline Sissler-Bienvenu (Leiterin des IFAW-Frankreich und der Projekte in West- und Zentralafrika), die Anfang diesen Jahres sich selbst ein Bild von den grausamen Ereignissen in Kamerun machte: Wilderer metzelten im Bouba Njida Nationalpark innerhalb weniger Wochen bis zu 650 Elefanten ab. Ich nenne Zahlen über die jüngsten Beschlagnahmungen von illegal gehandeltem Elfenbein und erzähle über die großen Probleme, die manche afrikanische Elefanten-Länder in ihren Schutzbemühungen für ihre letzten Elefanten haben. Auch räume ich mit dem immer noch verbreiteten Vorurteil auf, dass es in manchen Regionen zu viele Elefanten gibt, die durch bestandsregulierende Maßnahmen kontrolliert werden müssten.

Meine Schilderungen zeigen Wirkung. Dies und regelmäßige Berichte in den Medien über immer neue Massaker von Wilderern an Elefanten und zahlreiche Beschlagnahmungen riesige Mengen an Elfenbein lassen die Dinge in Bewegung kommen.

Ende November ist es dann schließlich soweit: Ohne Gegenstimme verabschiedet der Bundestag einen für die Regierung verbindlichen interfraktionellen Antrag für einen besseren Elefantenschutz. Dieser sieht unter anderem vor, dass die Bundesregierung die afrikanischen Länder mit Elefantenpopulationen bei ihrem Kampf gegen die Wilderei und den illegalen Elfenbeinhandel unterstützt. Auch die Beteiligung Deutschlands an internationalen Maßnahmen, z. B. gemeinsame Operationen mit Europol und Interpol, sowie die Verbesserung des behördlichen Vollzugs, besonders in Abnehmer- und Transitländern, sind wichtiger Bestandteil des Antrags. Außerdem soll die Regierung Projekte für einen besseren Lebensraumschutz für Elefanten unterstützen.

Dieser parteiübergreifende Beschluss  ist ein wichtiges Signal an die EU für einen besseren Elefantenschutz. Dies ist wichtig, gerade auch im Hinblick auf die im März stattfindende Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), auf der wichtige Entscheidungen zu Elefanten getroffen werden.

Leider konnten sich die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP nicht dazu durchringen, in den an sich guten interfraktionellen Antrag auch die Forderung nach einer Ablehnung von weiteren Elfenbeinverkäufen aus afrikanischen Ländern im Rahmen der kommenden CITES-Konferenz aufzunehmen. Das ist schade. So ist zu hoffen, dass bei dieser Konferenz keine derartigen Anträge vorliegen, und falls doch, diese mit großer Mehrheit abgelehnt werden. Dafür sollte sich die Bundesregierung sowohl in den nächsten Monaten innerhalb der EU, als auch im März kommenden Jahres bei der nächsten CITES-Konferenz einsetzen.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien