Der Weg zum Ende des Walfangs: Kein Sprint, sondern ein Marathon

 

Die Arbeit in Sydney macht in den ersten Wochen des Jahres unheimlich viel Spaß, das ist mein völliger Ernst. Es ist die Zeit, in der die Karten neu gemischt werden, in der man sich sammelt und neue Ziele setzt. Auch ich trat meine Arbeit mit neuer Energie an – diese Woche hatte ich mehr als 500 neue Artikel über den Walfang in meinem Posteingang. Der altbekannte gefährliche und kostspielige Kampf, der alljährlich zwischen Walfangbefürwortern und -gegnern ausgetragen wird, geht in die nächste Runde.

Es ist also wieder das alte Spiel: Japanische Walfänger sind entschlossen, im Walschutzgebiet des Südlichen Ozeans ihre jährlich selbst auferlegten Quoten zu erfüllen; und das aller internationalen Gesetze und weltweiter Kritik zum Trotz. Der Walfang läuft bereits auf Hochtouren und zum Saisonende kehrt die Flotte dann wieder nach Japan zurück und verwahrt das Fleisch in Lagern, weil es keiner isst. In einem Land, das es sich eigentlich gar nicht leisten kann, eine archaische, längst dem Untergang geweihte Industrie weiter zu finanzieren, erscheint das wie reiner Wahnsinn.

Wir könnten uns natürlich vergeblich den Kopf darüber zermartern, was das Ganze eigentlich soll, aber stattdessen profitieren wir lieber von unserer Neujahrsenergie. Unsere Arbeit bekommt vielleicht nicht die gleiche Aufmerksamkeit von den Medien wie andere Organisationen, aber davon völlig unbeirrt arbeiten wir unermüdlich auf ein Ziel hin: das Ende des grausamen und völlig veralteten kommerziellen Walfangs.

Dieser Marathon dauert schon Jahre, aber die Ziellinie rückt hoffentlich doch immer näher. Beharrlicher internationaler Druck von vielen Seiten und der immer weiter abnehmende Appetit auf Walfleisch geben uns zusätzlichen Aufwind.

Wir glauben, dass der Beschluss für eine Beendigung des Walfangs letztendlich unter Japans Entscheidungsträgern gefällt wird. Damit Japan sich auf dem Weg zu diesem Beschluss leichter tut, arbeiten wir vor Ort mit Einwohnern genauso wie mit Entscheidungsträgern zusammen. Wir sorgen stets für eine klare, wissenschaftlich und ökonomisch fundierte Faktenlage, um zu beweisen, dass der kommerzielle Walfang eine grausame und aussterbende Industrie ist, die in einer modernen Gesellschaft keinen Platz hat. Außerdem unterstützen wir Einwohner dabei, ihre Meeresgebiete zu schützen und fördern verantwortliches Whalewatching in den jeweiligen Regionen. Dies ist eine humane und nachhaltige Alternative zum grausamen Walfang und stellt für Bewohner von Küstenregionen eine wertvolle (und dringend nötige) Einkommensquelle dar.

Die australische Regierung ist weltweit nach wie vor der härteste Kritiker des Walfangs und wir sind zuversichtlich, dass die Anfechtung des japanischen Walfangprogramms durch Australien vor dem Internationalen Gerichtshof erfolgreich sein wird. Es ist ein langsamer Prozess, aber wir hoffen, dass ein baldiges Urteil vom Internationalen Gerichtshof in Zukunft dem blutigen, kostspieligen und gefährlichen Walfang ein Ende bereitet.

Langfristige Lösungen finden sich nicht über Nacht, aber wir verzeichnen stetig Fortschritte und das ist für uns schon genug Anlass zu hoffen, dass wir, bzw. die Wale, irgendwann den Sieg davontragen. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Monaten von unserer Arbeit in Japan zu berichten, die ohne unsere Unterstützer überhaupt nicht möglich wäre. Und wir freuen uns darauf, bald mit Ihnen zusammen die Ziellinie zu überqueren.

--MC

Kommentare: 1

 
Marina Koroljow
2 Jahre ago

I was badly astonished with the report about the savage mass murder of dolphins in Denmark.
Here there's some more information in English:
http://blog.tsemtulku.com/tsem-tulku-rinpoche/current-affairs/dolphin-ki...
and in Russian:
http://www.unionstoday.info/1074-pozor-vsey-evrope-ubiystvo-delfinov-rad...

I myself live in Europe and I cannot understand how it may happen in a civilized society. I ask you for taking it into consideration without remaining indifferent to it. If this tradition originates from the primitive barbaric society, how can it be tolerated nowadays? For instance, in Germany not all the fish species are allowed to be caught. But even legal fishing is possible not everywhere but in specialy marked places only. In order to catch fish, a fisher needs a special licence, for which s/he must pay a special fee. If a fish (its size or weight) does not meet standard requirements, it must be released back into the water. But here it is intelligent mammals, not fish, which are so savagely murdered by people in civilized Europe. Please, help the dolphins in Denmark!

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