Der Tag deines Lebens – eigentlich ein Tag der Tiere

Während ich heute Morgen den PC hochfuhr, kam mir der Gedanke: Das müsste doch eigentlich der Tag deines Lebens sein. Wenn das so ist, dann müsste dieser Tag eigentlich auch der Tag der Tiere sein! Ein Tag der Wölfe, Elefanten, Tiger, Haie und Wale, kurz, für alle, für deren Schutz ich mich schon jahrzehntelang engagiere. Aber so wenig, wie sich die Vögel vor dem Fenster heute anders verhalten als gestern, so wenig scheinen sich die Radio-Nachrichten von denen in den letzten Tagen oder Wochen zu unterscheiden.

Dabei soll sich heute doch eigentlich die Welt um Schönheit, Großartigkeit und Schutz der Vielfalt des Lebens drehen, … eigentlich, denn heute ist der „internationale Tag der biologischen Vielfalt“, an dem in vielfältigen Aktionen daran erinnert werden soll, wie wichtig der Erhalt der „biologischen Vielfalt“ für eine „nachhaltige Entwicklung“ ist. Dieser Tag wurde im Namen der zuständigen Konvention der Vereinten Nationen (CBD) von Herrn Braulio Ferreira de Souza Dias ausgerufen, dem neuen Generalsekretär der CBD. Auch wenn er und ich nicht immer einer Meinung sind, so diskutieren und arbeiten wir zusammen und er schätzt die Arbeit des IFAW sehr, mit der wir uns bemühen, mehr für Tier- und Naturschutz zu ereichen.

„Tag der biologischen Vielfalt“ klingt nicht gerade aufregend, umso mehr freue ich mich, wenigstens einen guten Bericht in meiner Zeitung zu entdecken. Im Internet sehe ich weitere Hintergrundberichte und eine Menge Informationen zirkulieren zu diesem Thema in meinem Kollegen- und Freundeskreis.  Immerhin!

Das BMU, also das Bundesministerium für Umwelt informiert dazu: „Die biologische Vielfalt ist der Reichtum der gesamten Menschheit. Trotz vielfacher nationaler und internationaler Gegenmaßnahmen schwindet die Biodiversität weltweit in dramatischem Ausmaß. Der Verlust … besorgniserregend, … Für uns Menschen ist die Natur die Grundlage unserer Existenz: sie liefert Nahrung, Trinkwasser, Medikamente, fruchtbare Böden und Brennstoffe.“ Stimmt. Bei der biologischen Vielfalt geht es um nichts Geringeres als die natürliche Vielfalt des Lebens, also das Leben als solches und unsere Lebensgrundlage.

Wenn ich für den IFAW an internationalen Konferenzen teilnehmen darf und mich dort für die Tiere einsetze, freue ich mich über die wachsende Einigkeit darüber, wie wichtig es ist, die biologische Vielfalt der Natur zu schützen. Angesichts dieser Einigkeit verstehe ich allerdings nicht, wieso die Regierungen nicht mehr tun, um die Wildtiere zu schützen. Sie sind doch die eigentlichen Botschafter ihrer Lebensräume und Beschützer der biologischen Vielfalt – eigentlich und ganz natürlich, wenn wir sie respektieren und leben lassen. Wenn die Regierungen es mit ihren Verlautbarungen ehrlich meinen, dann müsste es doch gemeinsam gelingen, wenigstens die noch existierenden Urwälder zu schützen, den Walfang einzustellen und zum Beispiel die tödliche Jagd nach Elfenbein in den Griff zu bekommen, oder?

Und trotz meiner Zweifel bin ich hoffnungsvoll, dass wir in den nächsten Jahren viel erreichen können. In den letzten Jahren habe ich erlebt, wie selbst manch hartgesottener Umweltgegner weich geworden ist und Schutzmaßnahmen unterstützt. Ein wichtiger Schritt, selbst wenn der Sinneswandel (noch) nicht aus Tierschutzgründen zustande kam, sondern angesichts der wirtschaftlich düsteren Perspektiven. Die weltweiten Kosten des Biodiversitätsverlustes durch Naturzerstörung werden heute bereits auf mehrere Billionen Euro pro Jahr geschätzt, was zunehmend Märkte und Profite beeinflusst. Es wird immer klarer, nicht die Naturzerstörung, sondern die Naturerhaltung ist ein gewinnbringendes Geschäft für alle - zumindest volkswirtschaftlich.

Nun bin ich kein Ökonom. Für mich hat die Natur, haben Tiere einen besonderen Eigenwert, der sich nie erschöpfend in monetären Zahlen erfassen lassen wird. Trotzdem freue ich mich sehr, dass bedeutende Wirtschaftexperten erkannt haben, dass die intakte Natur uns rein wirtschaftlich bereits Gewinne einbringt, die um das hundertfache die Investitionen übersteigen, die benötigt werden um die biologische Vielfalt zu erhalten. Mit diesen wirtschaftlichen Argumenten fällt es leichter, Regierungsvertreter zu überzeugen die Natur zu erhalten. Sind wir uns erst einmal in diesem Punk einig, können wir darüber sprechen, wie wir unser nun gemeinsames Ziel eigentlich erreichen. Dann erzähle ich gerne von pragmatischen Lösungsansätzen in erfolgreichen IFAW Projekten und habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind. Bei unserem nächsten Treffen werde ich sicher mit Braulio Ferreira weiter darüber diskutieren.

Und jetzt sieht es so aus, als freuten sich die Vögel vor meinem Fenster über diesen Tag. Eigentlich nun doch ein Tag für die Tiere…

-- PP

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
Programmdirektor Wildtierhandel
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien