Der spanische König Juan Carlos tritt mit Trophäenjagd gründlich ins Fettnäpfchen

Der spanische König Juan Carlos ist wegen eines angeblich 56.000 US-Dollar teuren Jagdtrips nach Botswana, bei dem er sich die Hüfte brach und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, heftig in die Kritik geraten. Durch die gesamte spanische Medienlandschaft schwappte eine Welle der Empörung, da das Land mit der Schuldenkrise, der steigenden Arbeitslosigkeit und einer strengen Sparpolitik eigentlich ganz andere Sorgen hat. Juan Carlos, zufällig auch noch Ehrenvorsitzender des spanischen WWF (World Wildlife Fund), wurde auch von Seiten der Naturschützer scharf kritisiert und viele fordern seinen Ausschluss aus der Organisation.

Leider spiegelt sich in Juan Carlos’ Fauxpas nur der noch viel weiter führende und noch besorgniserregende aktuelle Trend unter Wohlhabenden wider, auf kostspielige Trophäenjagden zu gehen. Letzten Monat erst sorgten die zwei Söhne Donald Trumps für Kontroversen, als Fotos, die sie auf einer afrikanischen Jagdsafari zeigen, im Internet auftauchten. Und im Jahr 2011 sorgte GoDaddy-Geschäftsführer Bob Parsons für Aufruhr, als ein Video von seiner Elefantenjagd im Netz erschien.

Durch Wilderei, Lebensraumverlust, Klimawandel, Tötungen durch Menschen in Mensch-Tier-Konflikten und den Handel mit exotischen Haustieren sind wildlebende Tiere auch so bereits zahllosen Bedrohungen ausgesetzt. Jedes Jahr werden immer noch Tausende gefährdete Afrikanische Löwen als Sport getötet und in die USA importiert. Die fundiertesten und neuesten wissenschaftlichen Studien sagen außerdem voraus, dass der Eisbärenbestand in den nächsten 45 Jahren um zwei Drittel schrumpfen wird.

Juan Carlos wird sich seinerseits mit dem alten Argument rechtfertigen, dass die Trophäenjagd schließlich im Rahmen der Populationskontrolle stattfindet, damit sogar zur Verbesserung der Lebensräume beiträgt und gleichzeitig sogar die afrikanische Wirtschaft fördert – diese Behauptung ist jedoch weit übertrieben. Die meisten subsaharischen Länder Afrikas profitieren wenig bis gar nicht von der Trophäenjagd. Das Geld für die Jagden sickert in den seltensten Fällen zu den Einheimischen durch – ein Großteil davon wird von ausländischen Jagdveranstaltern eingesackt.

Milliardenschwere Jungs wie Juan Carlos und Donald Trump könnten es sich dabei durchaus leisten, wirklich etwas auszurichten und positive Veränderungen für die Menschen vor Ort herbeizuführen, ohne grausame und unnachhaltige Praktiken wie die Trophäenjagd zu unterstützen. Mit ihrer Ignoranz und Überheblichkeit sollten sie nicht länger durchkommen.

-JF

Kommentare: 1

 
Sissi Stümpke
2 Jahre ago

Ich kann diesem Artikel nur vollinhaltlich zustimmen. Als ich die Nachricht hörte, war ich mehr als entsetzt. Ja, es stimmt schon, dass das spanische Volk zurzeit mit der Wirtschaftskrise andere Sorgen hat und sich durch diese kostspielige Art der Freizeitgestaltung ihres Königs mehr als verhöhnt vorkommen muss.
Aber viel schlimmer ist das Signal, welches er als sog. Ehrenpräsident des WWF gesetzt hat.
Er muss doch wissen, wie es um die Lage der Elefanten steht. Was geht nur in solch einem Menschen vor? Kann er sich tatsächlich noch selbst in den Spiegel schauen? Und wenn ich dann sehe, wie er mit Tränen in den Augen sich bei seinem Volk entschuldigt?! Es ist nicht zu fassen. Er sollte sich bei den Elefanten entschuldigen, bei den vielen Tierschützern, die alles tun, um diese herrlichen Tiere zu retten. Und vor allem sollte er jetzt aktiv werden: dies ist die einzige Chance, um noch etwas gut zu machen. Er sollte sich schleunigst für den Schutz der Elefanten einsetzen und alles in seiner Macht stehende dafür unternehmen!
Er sollte seine "Kontakte" zu den Schwerreichen nutzen, um endlich diesem Massaker ein Ende zu machen. Es gibt so viele prominente wunderbare Menschen, die sich unermüdlich für die Tiere einsetzen. Daran kann er sich ein Beispiel nehmen! Das würde ihm jetzt anstehen. Wäre schön, wenn er das endlich verstehen würde und danach handelt.
Sissi Stümpke

Post a comment

Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien