Dem illegalen Elfenbeinhandel durch Kriminelle muss ein Ende gesetzt werden

Ivory figurines and trinkets on sale at an illegal market.Haben die Elfenbeinkriege der achtziger Jahre die afrikanische Elefantenpopulation in einer knappen Dekade um mehr als die Hälfte dezimiert, so stehen wir heute vor einem Wiederaufflammen der Wilderei von nie gekanntem Ausmaß. Der illegale Elfenbeinhandel droht, die Ausrottungskampagne von vor 30 Jahren mit Hilfe moderner Technologie, Transportmittel und Handelsmethoden zu wiederholen, um die explodierende Nachfrage in Asien zu befriedigen. 

Laut einer jüngst vom Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) unter dem englischen Titel Making a Killing: A 2011 Survey of Ivory Markets in China herausgegebenen Studie über den Elfenbeinmarkt in China hat sich von Elefanten stammendes Elfenbein, oder "weißes Gold", wie es von chinesischen Geschäftemachern und Sammlern landläufig genannt wird, in kürzester Zeit zu einer neuen Geldquelle für Kriminelle entwickelt, die in jedem Segment der globalen Handelskette – angefangen bei der Wilderei bis hin zum Schmuggel und Verkauf am Markt – mitverdienen.

Die IFAW-Studie enthüllt, wie die chinesischen Kontrollen gewohnheitsmäßig umgangen werden und welch unglaublichen Mengen an illegalem Elfenbein in Läden, Werkstätten und online umgesetzt werden. Der immer schwerer zu kontrollierende Markt, der hochprofitable und risikoarme Charakter des Elfenbeinhandels und die wachsende Nachfrage nach Elfenbeinprodukten in China sind die wesentlichen Triebkräfte der Elefantenwilderei in Afrika.

In diesem Jahr war am Ende eines tragischen Gemetzels im kamerunischen Bouba-Ndjida-Nationalpark die Hälfte der in Kamerun beheimateten Elefanten tot. Sie waren wegen ihres Elfenbeins abgeschlachtet worden. Im vergangenen Monat beschlagnahmten srilankische Behörden im Hafen von Colombo ca. 350 illegal gehandelte Stoßzähne mit einem Gesamtgewicht von fast 1,5 Tonnen, die größte Menge, die jemals auf dem Inselstaat eingezogen wurde. Dies geschah nach einem beispiellosen Anwachsen von Elfenbeinbeschlagnahmungen im Jahr 2011. Insgesamt wurden der Studie zufolge weltweit alleine im vergangenen Jahr 5.259 Elefantenstoßzähne mit einem Gewicht von zusammen genommen mehr als 23 Tonnen konfisziert, für die mindestens 2.629 Elefanten ihr Leben lassen mussten.

Auch wenn dieses zügellose Abschlachten von Elefanten im Ausland stattfindet, so geht es doch auch die Amerikaner an. Elefanten sind in Amerika aus Unterhaltung, Kultur, ja sogar aus der Politik nicht wegzudenken, aber den meisten Leuten ist nicht bewusst, dass die Vereinigten Staaten vermutlich auch der zweitgrößte Elfenbeinmarkt der Welt sind. Eine IFAW-Studie von 2008 mit dem Titel Killing with Keystrokes (Tod per Mausklick) deckte im Rahmen einer Untersuchung über den Handel mit Wildtieren im Internet auf, dass 4.000 Elfenbeinprodukte online zum Verkauf standen, die meisten davon auf der US-Internetseite von eBay. eBay unterband daraufhin freiwillig den Handel mit Elfenbeinprodukten, und das nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Diese erschütternde Tragödie darf nicht länger geduldet werden, sondern muss als globales Problem erkannt werden, das auch nur auf globaler Ebene gelöst werden kann. Die Vereinigten Staaten gingen dieses Problem am 24. Mai direkt an, als der Ausschuss für Auswärtige Beziehungen des US-Senats unter dem Vorsitz von Senator John Kerry eine Anhörung abhielt, die die Auswirkungen der Elefantenwilderei in Afrika auf die globale Sicherheit zum Gegenstand hatte.

Die Anhörung – auf der unter anderem der bekannte Elefantenschützer Iain Douglas-Hamilton und John Scanlon, der Generalsekretär des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES), aus erster Hand berichteten – erbrachte die Erkenntnis, dass der illegale Handel mit Wildtieren nicht nur ein globales Verbrechen an der Umwelt mit ernsthaften negativen Auswirkungen auf den Schutz gefährdeter Arten, die Stabilität der Ökosysteme und die Erhaltung der Biodiversität darstellt, sondern auch eine reelle und wachsende Gefahr für die nationale und internationale Sicherheit.

Im Namen des IFAW fordere ich alle Menschen auf, die sich um das Wohlergehen der Elefanten sorgen, von ihren Regierungen zu verlangen, gegen den internationalen Elfenbeinhandel vorzugehen, die die Elfenbeinmärkte betreffenden Gesetze zu verschärfen und ihre Einhaltung besser zu kontrollieren, und die Staaten, in denen Elefanten heimisch sind, beim Elefantenschutz zu unterstützen.

Außerdem sollten wir als Verbraucher "nein" zu allen Elfenbeinprodukten sagen.

Wie Senator John Kerry während der Anhörung richtig bemerkte: "Man sagt, dass Elefanten nie vergessen. Das sollte auch uns ein Leitsatz sein."

--FO

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien