Das Amboseli-Projekt: Auf der Suche nach dem raren Gut Wasser

Ziegen und Schafe drängeln sich im spärlichen Schatten einer blattlosen Akazie und warten auf Wasser. Foto IFAW-E.MkalaEs ist 5.30 morgens in Amboseli, die Sicht ist schlecht und die Sonne noch nicht aufgegangen. Aus der Ferne ertönt das Geheul der Hyänen, die gerade in ihre Höhlen zurückkehren. Doch das hält eine Massai-Mutter nicht davon ab, sich ihr Baby auf den Rücken zu binden, einen leeren 20-Liter-Plastikkanister zu nehmen und sich auf die Suche nach Wasser zu begeben.

Sie weiß nur zu gut, dass ohne dieses Wasser in ihrem Haushalt niemand essen oder trinken wird. Sie wird viele Kilometer zurücklegen und sich auf der Suche nach dem raren Gut weder von der eisigen Morgenluft beirren lassen, noch von dem Risiko, einem Rudel hungriger Hyänen vor die Nase zu laufen.

Stundenlang wird sie verschiedene Wasserstellen abklappern.

Und wenn kein Wasser da ist, wartet sie entweder, bis es endlich kommt oder geht weiter zu einer anderen Wasserstelle.

Zu diesem Zeitpunkt brennt die Sonne schon gnadenlos, aber sie weiß, dass sie nicht viel Zeit hat und auch nicht unverrichteter Dinge zurückkehren kann.

Denn dann würde sie sowohl ihr eigenes Leben als auch das der restlichen Familienmitglieder gefährden.

Lang, lang ist’s her. Weit und breit keine Spur von Wasser oder Vieh. Die Wassertränke in Olchakitai steht ausgetrocknet und von Gras überwachsen verlassen in der Landschaft. Foto IFAW-E.mkala

Und so plagt sie sich am Ende sechs Stunden lang ab, kehrt hungrig und müde nach Hause zurück und weiß, dass es am nächsten Tag und auch an allen darauffolgenden Tagen immer das Gleiche sein wird.

Es sind zwar bloß 20 Liter Wasser, doch für sie und ihre Familie könnte es genauso gut der gesamte Ozean sein, denn es ist alles, was sie haben.

Wasser ist Leben, das ist eine unumstrittene universelle Tatsache, denn wo kein Wasser ist, gehen sowohl Tiere als auch Menschen zugrunde.

Bis heute gibt es ein unerfülltes Versprechen an die lokale Massai-Gemeinde auf der Olgulului-Ololorashi-Gruppen-Ranch (OOGR) in Amboseli, auf deren Land das weltberühmte UNESCO-Biosphärereservat, der Amboseli-Nationalpark geschaffen wurde.

Im Tausch gegen sauberes Leitungswasser außerhalb des Parks hatten sich die Massai bereiterklärt, sich aus dem 392 Quadratkilometer großen Amboseli-Nationalreservat zurückzuziehen und im Jahr 1974 den Weg für die Gründung des Nationalparks freigemacht.

Mit einer Fläche von 133.000 Hektar, die 90% des Amboseli-Parks umschließen, und 11.485 gemeldeten Bewohnern, ist die Olgulului-Ololorashi-Gruppen-Ranch ein integraler Bestandteil des Amboseli-Ökosystems.

Leider kämpfen die Massai aber seit Jahren mit unzureichender oder nicht vorhandener Versorgung mit sauberem Trinkwasser für sie selbst und ihr Vieh. 

Ein Funke Hoffnung. Junge Massai, so genannte morani, öffnen den Hahn an der Viehtränke in Inkiito, um Schafe und Ziegen zu tränken. Foto IFAW-E.MkalaDas unerfüllte Versprechen an die Massai sowie die grundlegende Bedeutung der Wasserversorgung für das Weiterbestehen des gesamten Ökosystems sollten genug Anlass sein, das Problem nun endlich anzugehen.

Vor einigen Monaten versuchten wir herauszufinden, wo es Wasser geben könnte. 

Bei der Wasserquelle in der Amboseli Serena Lodge erfuhren wir, dass der Wasserpegel gesunken war und deshalb ein neuer Wasserzugang geschaffen werden müsste.

Das war also die Situation?

Es gab vielleicht keinen ausreichenden Wasserzufluss.

Wir fassten daraufhin eine alternative Wasserquelle, die Nolturesh-Wasserpipeline, ins Auge.

Allerdings befindet sich diese Quelle außerhalb des OOGR-Lands, die Nachfrage dort ist sehr hoch, ihre Verwaltung äußerst komplex und so blieb uns nichts, als weiterzusuchen.

Wir kamen schließlich zum nordwestlich des Parks gelegenen Risa-Wasserreservoir, wo leere Wassertanks, Viehtränken, und die Kanister, die stumm da sitzende Frauen und Kinder mit niedergeschlagenem Gesichtsausdruck in der Hand hielten, darauf warteten, endlich gefüllt zu werden.

Falls das nicht bald geschah, hätten sie mehr als zehn Kilometer Fußweg ganz umsonst zurückgelegt.

Sie durften auf keinen Fall ohne Wasser nach Hause kommen.

Und so warteten sie geduldig, und alle, einschließlich der umgeschnürten Kleinkinder, weigerten sich, die Hoffnung aufzugeben.

Das exakt gleiche Szenario spielte sich in der nördlichen Ecke des Parks, in Inchakita, Olchakitai und im Nordosten in Emurua Oloioborr, ganz am Ende der 90 km langen Nordpipeline, ab.

Erst in Inkiito, ganz oben im Norden des Parks, konnten wir erleichtert aufatmen. Hier trafen wir auf junge Massai, so genannte morani, die ihr Vieh bewachten, während dieses gierig seinen Durst stillte, bis der zuvor viertelvolle Tank ebenfalls leer war.

Wir können also ganz klar festhalten, dass

  • Menschen und Tiere auf dem OOGR-Land unter unzureichender oder nicht vorhandener Trinkwasserversorgung leiden;
  • dieses Problem weiter bestehen wird;
  • dass sich das Problem verschlimmern wird;
  • und dass dringend etwas unternommen werden muss.

Ohne eine Trinkwasserversorgung außerhalb des Parks werden Menschen und Tiere weiterhin die Wasserstellen im Amboseli-Nationalpark aufsuchen, wodurch der ohnehin schon schwelende Konflikt zwischen Menschen und Elefanten weiter eskaliert – insbesondere während der Trockenzeit.

Da die Massai-Gemeinde im Einklang mit ihren uralten Traditionen Verständnis für die Schaffung von Lebensräumen für Elefanten auf ihrem Land aufbringt, sollten wir im Gegenzug auch Verständnis für ihr Bedürfnis nach sauberem Trinkwasser haben und das 38 Jahre alte Versprechen endlich einlösen.

Mit Ihrer Hilfe können wir eine Situation schaffen, die die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt.

Lassen Sie uns also endlich etwas unternehmen.

-- EM

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien