CITES-Konferenz in Bangkok: Einsatz für die Wildtiere im gefährlichen Fahrwasser der Artenschutzpolitik

Das IFAW-Team fordert Regierungen auf, ihre Entscheidungen gemäß dem „Vorsorgeprinzip“ zu treffen und stets das Wohl der Wildtiere zu berücksichtigen.Die 16. Vertragsstaaten-Konferenz (Conference of the Parties, CoP16) des Abkommens über den Internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES) findet vom 3. bis 14. März in Bangkok statt. Bei der CoP16 werden 177 Staaten darüber entscheiden, welche Tier- und Pflanzenarten mehr und welche weniger Schutz vor der Bedrohung durch den internationalen Handel gewährt bekommen sollen. Siebzig Anträge auf Listung sowie zahlreiche damit zusammenhängende Themen werden bei der 16. Vertragsstaatenkonferenz zur Debatte stehen. Der Internationale Tierschutz-Fonds wird an der Konferenz teilnehmen und sich dafür einsetzen, dass Entscheidungen zugunsten der ökologischen Nachhaltigkeit sowie des Wohls der Tiere ausfallen. Als Experten in Sachen Tier- und Artenschutz werden unsere IFAW-Delegierten Regierungen dazu auffordern, ihre Entscheidungen gemäß dem „Vorsorgeprinzip“ zu treffen und stets das Wohl der Tiere zu berücksichtigen.

Es folgt ein kleiner Überblick der für unser Team wichtigsten Themen bei der Konferenz. Dazu gehören so genannte Anträge auf Listung (Haie und Eisbären), einige anderweitige Schutzmaßnahmen in Bezug auf bestimmte Arten (z.B. Elefanten, Tiger) sowie Themen von globalem Belang (z.B. Wildtierhandel im Internet, Durchsetzung von Gesetzen für Wildtierhandel oder das grundlegende Selbstverständnis des CITES-Abkommens).

Elefanten

Glücklicherweise liegen keine Anträge auf Herabsetzung der Schutzstufe für Elefanten vor, die dem internationalen Elfenbeinhandel den Weg ebnen könnten. Es ist das erste Mal seit 20 Jahren, dass kein derartiger Antrag auf der Tagesordnung steht. Es bleibt uns also mehr Zeit, uns auf andere wichtige Artenschutzfragen zu konzentrieren. In diese günstige Lage sind wir allerdings erst dank Tansanias Zurücknahme seines Antrags vergangenen Dezember versetzt worden.

Es wird trotzdem einige wichtige Punkte zu diskutieren geben, die die Elefanten betreffen, wie beispielsweise die Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Elfenbeinhandels sowie die Rahmenbedingungen für die künftige Legalisierung des Elfenbeinhandels.

Dabei ist es vor allem wichtig, dass jegliche Entscheidung hinsichtlich des Elfenbeinhandels aufgeschoben wird, bis die Elefanten-Verbreitungsstaaten einen effektiven Plan zum Schutz der wilden Elefanten umsetzen. Besonders muss die Wilderei von Elefanten für den illegalen Elfenbeinhandel beendet werden. Die CITES-Vertragsstaaten müssen außerdem verstärkt Maßnahmen zur Reduzierung der wachsenden Nachfrage für Elfenbein in China und in anderen Teilen Asiens treffen, anstatt sich bloß in erhitzte Debatten darüber zu verlieren, wie man aus dem Elfenbein schnell Profit schlagen kann.

Haie

Eine erschreckende Anzahl von etwa 100 Millionen Haien wird jährlich aus den Meeren gefischt. Vielen davon werden einfach die Flossen abgeschnitten und dann werden sie wieder zurück ins Meer geworfen, um dort qualvoll zu sterben. Der große ökologische Schaden der dadurch entstanden ist, dass die Haie ihre wichtige Funktion in der Nahrungskette nicht mehr erfüllen können, muss behoben werden.

Glücklicherweise werden einige Vertragsstaaten wieder eine höhere Schutzstufe für einige der am meisten bedrohten Haiarten beantragen, darunter auch Hammerhaie, der Weißspitzen-Hochseehai und der Heringshai. Wir können nur hoffen, dass wissenschaftliche Fakten, gesunder Menschenverstand und der Sinn für den Schutz unserer Umwelt diesmal den Sieg davon tragen.

Eisbären

Bei der CoP15 vor drei Jahren ist der Antrag der USA auf besseren Schutz des Eisbären durch eine Heraufstufung auf Anhang I gescheitert.

Einige Vertragsstaaten schoben den Klimawandel als größte Bedrohung und damit auch als einzige zu bekämpfende Bedrohung für den Eisbären vor. Dabei wurde ignoriert, dass auch die Bejagung der wundervollen Tiere eine große Gefahr darstellt. Die Argumentation taugt aber nicht als Ausrede, um die Listung auf CITES-Anhang I zu verhindern, ganz im Gegenteil: Ein Verbot des internationalen Handels mit Eisbärprodukten ist die effektivste Maßnahme überhaupt, um schnell etwas für die Eisbären zu tun.

Tiger

Bei der CoP16 werden wir auch wieder die dringend benötigten nationalen Pläne zur Abschaffung von Tigerfarmen in Erinnerung rufen.

Das IFAW-Team wird außerdem beim CITES-Sekretariat anfragen, ein Treffen der zuständigen Vollzugsbehörden in die Wege zu leiten, damit diese Informationen über bekannte oder mutmaßliche in Tiger- oder Leopardenhandel verstrickte Straftäter abgleichen können. Nationale und internationale Operationen gegen den Handel mit Tigerteilen können so leichter in Angriff genommen werden. Außerdem werden wir die Vertragsstaaten dazu auffordern, angeforderte Berichte abzuliefern und die Einhaltung der CITES-Bestimmungen voranzutreiben.

Online-Wildtierhandel

Das Internet ist der größte Marktplatz der Welt. Kaum reguliert, weitgehend anonym und mit buchstäblich unbegrenzter Reichweite bietet es sich für kriminelle Aktivitäten geradezu an. Zahlreiche IFAW-Studien haben gezeigt, dass das Internet ein beliebter Ort für den illegalen Handel mit Wildtierprodukten ist.

Der IFAW begrüßt den Antrag auf Weiterführung der Arbeitsgruppe für Online-Handel, die im Rahmen des Ständigen CITES-Ausschusses tagen wird, genauso wie die Maßnahmen zur Bekämpfung des Online-Handels, die bereits von einigen Vertragsstaaten ergriffen wurden.

Auch wenn bislang unklar ist, welche Schritte die CITES-Vertragsstaaten eingeleitet haben, um die Resolution Conf. 11.3 hinsichtlich des Online-Wildtierhandels umzusetzen, wird das IFAW-Team angesichts des großen Ausmaßes des Online-Wildtierhandels und der enormen Bedrohung, die davon für durch CITES geschützte Arten ausgeht, die Vertragsstaaten vehement dazu drängen, mit ihren lokalen Vollzugsbehörden die Resolution Conf.11.3 umzusetzen. In diesem Sinne rufen wir die Vertragsstaaten dazu auf, die in CoP16 Doc. 45 unterbreiteten Empfehlungen zu berücksichtigen und ihre Umsetzung voranzutreiben.

Für viele von ihnen, die diesen Beitrag lesen, ist die Bewertung dieser Themen moralisch gesehen wahrscheinlich glasklar, doch darf man nicht vergessen, dass sich dahinter sehr komplexe politische Verhältnisse verbergen, die durch althergebrachtes nationalistisches Gebaren, das taktische Geplänkel von Regierungen und tief verankerte kulturelle Eigenheiten bedingt sind.

Schnelle Veränderungen sind also nicht selbstverständlich, aber unser Team wird sein Bestes geben! Wir werden uns auch mit einigen Themen beschäftigen, die nicht unbedingt große Schlagzeilen machen, aber nichtsdestotrotz für den Schutz der Wildtiere sehr wichtig sind.

Um mehr über die einzelnen Themen zu erfahren, können Sie unsere Dokumente mit Hintergrundinformationen herunterladen.

--PP

Mehr Informationen finden Sie auf unserer CITES-Seite.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien