Chinesische Tierschützer retten über 2.000 gestohlene Hunde, Regierung muss trotzdem handeln

Der Diebstahl von Hunden zur Gewinnung von Hundefleisch gehört mittlerweile zum organisierten Verbrechen.Am 2. März wurde in Chongqing, China ein LKW mit 900 Hunden auf dem Weg zur Schlachtung von Tierschützern gestoppt.

Die Tierschützer hatten den LKW der Polizei gemeldet und sie zum Eingreifen gedrängt. Bei der Kontrolle zogen die LKW-Fahrer, bei denen es sich um Hundehändler handelte, ein Sammelgesundheitszertifikat hervor, das die Legalität des Transports belegte. Die Polizei konnten sie damit beschwichtigen, die Tierschützer jedoch nicht. Sie bestanden darauf, die Tiere im Laderaum des LKWs begutachten zu dürfen. Dort fanden sie in Käfigen zusammengepferchte Hunde vor. Die Tiere hatten keinen Platz, saßen in verrenkter Körperhaltung aufeinander und hatten weder Wasser noch Futter noch Luft zum Atmen.

Unter derartigen Bedingungen können Hunde durch Ersticken, Dehydrierung, Hitzeschläge, Verletzungen oder alle möglichen Arten von Krankheiten sterben.

Die Tierschützer fanden später heraus, dass das Gesundheitszertifikat in der Tat gefälscht war.

Das IFAW-Büro in China reagierte auf der Stelle, nachdem es von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden war und machte den Vorfall unter seinen Unterstützern in China publik. Eine gute Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie grausam und skrupellos das Geschäft mit dem Hundefleisch ist.

Am 5. März wurde in der Provinz Guizhou ein weiterer LKW mit 1.300 Hunden von Tierschützern gestoppt. Es stellte sich bald heraus, dass auch diesmal die Zertifikate gefälscht waren. Die zwei unmittelbar aufeinander folgenden Vorfälle illegaler Hundetransporte bestätigten unseren Verdacht, dass der Diebstahl von Hunden zur Gewinnung von Hundefleisch mittlerweile zum organisierten Verbrechen gehört.

Auch wenn der Verkauf und Erwerb von Hundefleisch an sich legal ist, werden in der Praxis sehr oft illegale Methoden angewandt. Dem chinesischen Gesetz zufolge muss jedes Tier, das zur Schlachtung transportiert wird, ein eigenes Gesundheitszertifikat haben. Gesundheitszertifikate dienen als Beleg dafür, dass das Fleisch sicher für den menschlichen Verzehr ist und sollen nur für Tiere ausgestellt werden, deren Gesundheit und Herkunft nachgewiesen werden kann. Gestohlene Hunde verfügen folglich über kein gültiges Gesundheitszertifikat. Genau wie jede andere offizielle Bescheinigung können jedoch auch Gesundheitszertifikate gefälscht werden und Hundehändler kaufen sehr oft gefälschte Zertifikate oder stellen sie selbst her.

Viele Hunde, die für Hundefleisch geschlachtet werden, wurden legal erworben, aber viele werden auch einfach gestohlen. Schon wenn man bei Google "Hund stehlen" auf Chinesisch eingibt, findet man 135.000 veröffentlichte Berichte.

Hundediebe setzen verschiedene Methoden ein, um wehrlose Haustiere einzufangen: Sie mischen Betäubungsmittel ins Futter, benutzen Betäubungspfeile oder stellen Käfigfallen auf. Manchmal werden sogar die Besitzer durch Pfeile betäubt, wenn sie versuchen, ihre Hunde zu beschützen.

Die Hunde werden dann oft einfach in enge Käfige gepfercht, wo sie aufeinander stehen oder liegen müssen und bleiben so oft tagelang ohne Futter, Wasser, Platz oder Zuspruch. Die Käfige sind vielleicht schon zum Transport bereit in LKWs übereinander gestapelt. Wenn der Verkauf nicht gut läuft, bleiben die Hunde oft tage- oder sogar wochenlang in den Käfigen.

Nur mit viel Glück werden die Tiere gefunden und aus diesen grausamen Bedingungen befreit, so wie es in Chingqong und Guizhou geschehen ist. Doch nicht alle Hunde haben so viel Glück, und direkt nach den beiden Rettungsaktionen kündigte der IFAW China an, all seine Unterstützer in China von den Vorfällen in Kenntnis zu setzen und die Regierung zum Durchgreifen gegen solche Verbrechen aufzufordern.

Viele Bürger taten es uns gleich und forderten ein härteres Durchgreifen der Behörden gegen derartige Grausamkeiten.

Bislang wurden etwa 2.200 Hunde aus den beiden Rettungsaktionen von der Polizei an Tierschützer übergeben. Die geretteten Hunde wurden auf vier Unterkünfte verteilt - zwei in Chengdu, eine in Kunming und eine in Nanjing. Obwohl die Unterkünfte bereits überbelegt sind, wurden für die Hunde teilweise provisorische Behausungen gebaut.

Die Versorgung der Hunde wird schwierig, teuer und zeitaufwändig sein. Momentan brauchen sie ganz dringend Impfungen. Der IFAW wird die Bereitstellung von Impfungen in allen vier Unterkünften koordinieren, die Versorgung der Tiere fachgerecht begleiten und Impfprotokolle anlegen. Die Firma Zoetis hat freundlicherweise angeboten, etwa 2.200 Impfungen für alle in Chongqing und Guizhou geretteten Hunde zu spenden.

Das Engagement des IFAW für Hunde in China ist groß, er leistet wichtige Aufklärungsarbeit, weist die Öffentlichkeit auf den Zertifikatsbetrug und auf die Tatsache hin, dass die Behörden gegen diese grausamen Zustände viel härter durchgreifen müssten. Leider wird durch die Rettung der Tiere vor der Schlachtung nur das oberflächliche Symptom des Verbrechens bekämpft und sie bekämpft das Problem dieses grausamen Handels nicht wirklich von der Wurzel her.

Rettungsaktionen machen die Grausamkeit zwar publik und rütteln die internationale Öffentlichkeit auf, aber damit das Schlachten ein Ende hat, muss letztendlich die Regierung tätig werden und der Verzehr von Hundefleisch zurückgehen.

--GGG

Mehr Informationen über die Arbeit des IFAW in China finden Sie hier.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe