China schließt ein Drittel seiner Verkaufsstellen für Elfenbein

Mit den beiden Elfenbeinzerstörungen kündigte China bereits an, dass es dem Land mit dem Elfenbeinhandelsverbot ernst ist.

Mehr als ein Drittel der lizenzierten Verkaufsstellen für Elfenbein in China, darunter auch ein Dutzend Elfenbeinfabriken, dürfen ab sofort kein Elfenbein mehr vertreiben. Dies ist eine erfreuliche Nachricht und ein Vorbote des bald in Kraft tretenden kompletten  Elfenbeinhandelsverbots in China.

Bei der zweiten Elfenbeinzerstörung im Mai 2015 in Peking erfuhr ich zum ersten Mal von der Absicht Chinas, den Elfenbeinhandel komplett zu verbieten. Als der Forstwirtschaftsminister damals verkündete, dass China "langfristig jegliche Verarbeitung und jeglichen Handel von Elfenbein zu kommerziellen Zwecken unterbinden wolle", traute ich meinen Ohren kaum.  

"Haben Sie das gehört?", fragte ich ungläubig einen Vollzugsbeamten, der neben mir stand. Mit einem Nicken bestätigte er mir das eben Verkündete. "Was hat das zu bedeuten?" fragte ich. Er antwortete: "Das wird unsere Arbeit  viel einfacher machen."

Seine kurze Antwort brachte es auf den Punkt. Sie bestätigt, was wir schon seit Jahren angemahnt haben: Der legale Markt für Elfenbein dient seit langer Zeit als Deckmantel für Kriminelle, die dort illegal gewildertes Elfenbein "waschen". Durch das Vorhandensein legaler Vertriebskanäle  ist es kein Problem, das illegale Elfenbein auf den legalen Märkten zu platzieren und so die Strafverfolgung stark zu erschweren.

Das komplette Verbot des Elfenbeinhandels ist folglich der einzige Weg, den Kriminellen das Handwerk zu legen, die durch Ausnutzung der Schlupflöcher des legalen Marktes riesige Umsätze machen konnten.

Die Polizei kann durch das Verbot des Elfenbeinhandels endlich wesentlich  effektiver durchgreifen.

Vier Monate nach der Elfenbeinzerstörung in Peking gaben Präsident Xi Jinping und Obama im September 2015 gemeinsam die Zusage ab, den Binnenmarkt für Elfenbein in ihren jeweiligen Ländern zu schließen.

Ende 2016 gab der chinesische Staatsrat einen stufenweisen Plan zur Entziehung einiger Lizenzen bis März 2017 bekannt und kündigte das endgültige Verbot aller kommerziellen Elfenbeinschnitzereien und Einzelhandelsverkäufe bis Ende 2017 an.

Vergangene Woche veröffentlichte das chinesische Forstwirtschaftsministerium eine Liste mit Namen und Adressen von 67 Elfenbeinverkaufsstellen, die bis Ende März schließen müssen, und weiteren 105, die bis Ende des Jahres ihr Geschäft aufgeben müssen.

Über jede lizenzierte Verkaufsstelle können zahllose illegale Aktivitäten abgewickelt werden. Bei einer Untersuchung im Jahr 2011 stießen wir auf 22 Geschäfte, die Elfenbein in einem Einkaufszentrum verkauften. Nur eines davon hatte eine Lizenz.

Der Elfenbeinfabrikbesitzer Chen schmuggelte in einem Jahr sieben Tonnen Elfenbein aus Afrika nach China. Dies geschah unter dem Deckmantel seiner offiziellen Handelslizenz. Dank der guten Arbeit mit dem chinesischen Zoll sitzt er inzwischen im Gefängnis.

Doch das Wichtigste ist natürlich, dass dank des Elfenbeinverbots Elefanten besser geschützt sind.

Schon beim Verbot von Elfenbein, Rhinozeros-Horn und Tigerknochen über Auktionen im Jahr 2012 konnte die Menge der Auktionsverkäufe auf dem chinesischen Festland innerhalb eines Jahres um 40 Prozent reduziert werden. Studien belegen, dass der 90-prozentige Rückgang von Elfenbeinauktionsverkäufen einen Rückgang der Wilderei in Afrika zur Folge hatte.

Auch ein kürzlich erschienener Bericht der Organisation „Save The Elephants“, der zeigt, dass in China die Preise für Elfenbein kontinuierlich fallen, untermauert dies. Um Elefanten zu schützen, müssen wir sowohl das Angebot, als auch die Nachfrage für Elfenbein reduzieren.

Wenn das Verbot nur eines einzigen Vertriebskanals, nämlich der Auktionsverkäufe, schon einen so unmittelbaren Effekt erzielt hat, kann man sich ausmalen, welche Auswirkungen eine komplette Schließung des Elfenbeinmarktes auf das Konsumverhalten und gesellschaftliche Werte haben kann.

Eindeutige Gesetze, die Elfenbeinhandel unter jeglichen Umständen für illegal erklären, kombiniert mit einer konsequenten Durchsetzung und angemessenen Strafen tragen zu  einer Senkung der Nachfrage bei, indem sie Elfenbeinhandel und Wilderei stigmatisieren. Damit wird die eindeutige  Botschaft ausgesandt: Elfenbeinhandel bedroht Elefanten weltweit – egal, wo er stattfindet.

Grace Ge Gabriel

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zur Bekämpfung der Wilderei.

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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Faye Cuevas, Esq., Strategische Beraterin und Leiterin tenBoma
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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