Britisches Parlament lässt Strafverfolgung von Wildtierhandel prüfen

 

Video Umweltausschuss des britischen Parlaments – Quelle: Parliament.co.uk

Das Elefantenmassaker, das sich vor kurzem in Kamerun zugetragen hat, sowie der tragische Tod einiger Personen, die dort eingeschritten sind, zeigen sehr anschaulich, wie horrend der Preis ist, den wir für den illegalen Elfenbeinhandel zahlen.

Meine Kollegen vom Internationalen Tierschutzfonds waren vor Ort in Kamerun und hielten uns mit schockierenden Nachrichten über die Geschehnisse auf dem Laufenden. Es wurde auch davon berichtet, dass man einigen Elefanten bei lebendigem Leib die Stoßzähne entfernte.

Der Schrecken über diese Augenzeugenberichte saß mir noch in den Knochen, als ich kürzlich vor einem Parlamentsausschuss sprechen sollte, der die Praxis der Strafverfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit Wildtieren in Großbritannien auf den Prüfstand stellt.

Die letzte Prüfung durch diesen Ausschuss fand im Jahr 2004 statt und trotz einiger Forschritte, wie etwa die Gründung des National Wildlife Crime Unit (eine Spezialeinheit für illegalen Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten), bleibt noch jede Menge zu tun.

Im Rahmen der Präsentation konnte ich zusammen mit Kollegen von der Environmental Investigation Agency (EIA), der World Society for the Protection of Animals (WSPA) und TRAFFIC Politikern ausführlich darlegen, wie riesig die Umsätze sind, die mit dem illegalen Wildtierhandel jedes Jahr generiert werden – sie werden auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Und es ist offensichtlich, dass der Wildtierhandel nicht nur Tieren schadet, sondern auch uns Menschen.

INTERPOL und der Leiter des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) brachten dann auch noch den engen Zusammenhang zwischen Wildtierhandel und organisiertem Verbrechen zur Sprache. Profite aus dem Wildtierhandel fließen nicht selten in die Finanzierung von Milizen oder terroristischen Aktivitäten.

Die Zahlen klingen recht abstrakt und so erläuterte ich dem Ausschuss auch, wie sich diese Zahlen in der konkreten Realität manifestieren – nämlich im permanenten Schrumpfen der Populationen von Tigern, Elefanten und Nashörnern.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ca. 100.000 wild lebende Tiger, mittlerweile sind davon noch 3000 übrig. Mehr als 800 Nashörner wurden in den vergangenen drei Jahren allein in Südafrika getötet und das Western Black Rhino wurde vor kurzem als ausgestorben erklärt.

Noch nie wurde so oft Elfenbein in großen Mengen beschlagnahmt wie im Jahr 2011 und Elefantenpopulationen in einigen zentral- und westafrikanischen Ländern werden durch Wilderei noch weiter dezimiert.

Auch wenn die Lage sehr prekär ist, sollten wir uns jedoch darauf besinnen, dass Großbritannien im Kampf gegen den Wildtierhandel gut aufgestellt ist. Es bestehen im Land sehr gut ausgebildete Strukturen zur Strafverfolgung solcher Verbrechen, die aber weiter gefestigt und ausgebaut werden müssen.

Bereits kleine Änderungen können eine große Wirkung zeigen. Ein Beispiel wäre, dass man Richtern Verurteilungsrichtlinien zur Verfügung stellt, damit die verhängten Strafen für Verbrechen im Zusammenhang mit Wildtierhandel hoch genug angesetzt werden, um als Abschreckung zu dienen.

Leider kommen derzeit noch viel zu viele Kriminelle immer wieder mit vergleichsweise milden Strafen davon, wodurch der Wildtierhandel gemeinhin als Geschäft mit kleinem Risiko und großem Profit gilt. Das National Wildlife Crime Unit und unser landesweites Netzwerk von Wildschutzbeamten sind allzu oft die stillen Helden, die aus ihrer Leidenschaft für den Tierschutz heraus mehr tun als ihr Job von ihnen eigentlich verlangt.

Sie müssen mehr Unterstützung und Anerkennung für ihre harte Arbeit erfahren. Die Finanzierung für das National Wildlife Crime Unit läuft nur noch bis März 2013. Sie muss auf jeden Fall weiterlaufen, damit die Arbeit im Kampf gegen den Wildtierhandel fortgesetzt werden kann.

Der IFAW setzt sich auch gegen die immer größer werdende Bedrohung des Online-Handels ein. Das Internet ist eine vergleichsweise neue Plattform für den Verkauf von Wildtierprodukten. Mit unserer Kampagne „Think Twice“ machen wir darauf aufmerksam, dass der Handel auch durch die Verbrauchernachfrage angeheizt wird. In wichtigen Flughäfen auf der ganzen Welt haben wir dazu Informationstafeln ausgestellt. Auf internationaler Ebene finanziert der IFAW außerdem INTERPOL-Operationen gegen den Handel mit Elfenbein, Nashörnern und Tigerteilen.

Ich bin stolz darauf, dass Großbritannien beim Kampf gegen den Online-Handel eine Vorreiterrolle spielt und INTERPOL-Projekte mitgestaltet und sie finanziell unterstützt. Und ich bin zuversichtlich, dass der Parlamentsausschuss die Regierung davon überzeugen wird, sein Engagement in diesem Bereich weiterzuführen und auszubauen.

-- TMC

Unterstützen Sie den Internationalen Tierschutzfonds beim Schutz von Elefantenpopulationen und sagen Sie jetzt „Nein“ zum Elfenbeinhandel.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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