Blickpunkt Peru: Rätselhafter Tod von Tieren – eine Spurensuche

Toter Pelikan an einem peruanischen Strand. IFAW/S.HerediaWie die meisten begeisterten Vogelbeobachter fühle auch ich mich von den in Peru beheimateten Pinguinen, Pelikanen, Tölpeln und den vielen Kormoranarten magisch angezogen. Deshalb war ich besorgt, als ich von dem Massensterben hörte, dem seit Anfang 2012 Tausende von Seevögeln zum Opfer gefallen sind, die meisten davon Pelikane. Das Ereignis machte viele Peruaner betroffen und tauchte auch international in den Nachrichten auf. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte der Grund dafür jedoch nicht geklärt werden. Offizielle Berichte führen natürliche Ursachen als wahrscheinlichen Auslöser an.

Nach dem Massensterben kamen Mitarbeiter des Zoologischen Gartens von Huachipa in der peruanischen Hauptstadt Lima zu dem Schluss, dass man sich auf die Wiederholung eines solchen Notfalls vorbereiten sollte.

Deshalb wurde ein lokales Bündnis namens SOS Salva un Ave (SOS – Rette einen Vogel) ins Leben gerufen, das von der Biologin Lizette Bermudez koordiniert wird. Sie sandte einen Hilferuf aus, der auf meiner Mailbox landete, denn der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) hat Erfahrung mit in Not geratenen Tieren. SOS Salva un Ave möchte ein Rehabiltations- und Aufklärungszentrum für im und vom Meer lebende Tiere errichten, und das ist genau eine unserer Spezialitäten.

Vor ein paar Tagen bin ich also mit einem Kollegen, dem Biologen Sergio Rodriguez Heredia, der schon lange dem IFAW-Tierrettungsteam der Stiftung Fundación Mundo Marino in Argentinien angehört, nach Lima gereist. Unser erster Tag in Peru war vollgestopft mit Gesprächen mit Mitarbeitern des Zoos, in denen wir Näheres über die Pläne für das Rehabilitationszentrum erfuhren und man uns mitteilte, welche Vorträge wir halten sollten.

Pelikane im Paracas-Nationalpark in Peru. IFAW/S.Heredia

Für die nächsten Tage wurde eine Reihe von Terminen anberaumt, auf denen wir zusammen mit Mitgliedern von SOS Salva un Ave Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums, des Umweltministeriums und zweier Schulen für Tiermedizin treffen sollten. Diese Veterinärsschulen stellen gerne Räumlichkeiten für unsere Zwecke zur Verfügung – die marine Tierwelt ist Teil ihrer Studienprogramme. Das Umweltministerium steht mit lokalen Interessengruppen in Verbindung, um ein Netzwerk für gestrandete Tiere aufzubauen. IFAW hat im Laufe der Zeit in den USA und Brasilien viel Erfahrung mit diesen sogenannten "stranding networks" gesammelt, und so wurden wir gebeten, bei der Gründung des Netzwerks beratend tätig zu werden. 

Dr. Catalina Hermoza, eine Tierärztin des Zoos und Präsidentin des peruanischen Verbands der Wildtierveterinäre (APEVEFAS), nahm uns mit in den Paracas-Nationalpark. Wir haben an den Stränden viele tote Vögel vorgefunden, aber auch viele Tausende, die lebten! Ein spektakulärer Anblick: Vögel,  soweit das Auge reichte. Peru ist das Epizentrum von El-Niño-Ereignissen, und die Anzahl der Tiere variiert von Periode zu Periode. 

Unsere Vorträge an der Universidad Científica del Sur und im Museum für Naturgeschichte waren ein voller Erfolg und mit mehr als 100 Zuhörern gut besucht. Darunter befanden sich Veterinäre, Biologen, Schüler, Studenten und Privatpersonen, die am Aufbau eines Freiwilligen-Netzwerks interessiert sind.

Unter den Zuhörerinnen war eine örtliche Tierärztin, die Kragen-Wellenläufer (Oceanodroma hornbyi) versorgt, die an verschiedenen Stellen in Lima unsanfte Landungen machen. Die Ursache dieser Bruchlandungen ist unbekannt, aber sehr wahrscheinlich darin zu suchen,  dass die Vögel durch das Stadtlicht verwirrt werden, wie das auch bei anderen Sturmvögeln in anderen Teilen der Welt der Fall ist. Dr. Yovana Murillo nimmt sich der von Helfern aufgefundenen Tiere in ihrer Tierklinik an, verbindet sie und entlässt sie ein paar Tage später wieder in die Freiheit. Wir helfen ihr dabei, ihre Probenahme- und Behandlungsprotokolle weiter zu verbessern.

Jetzt, wo ich auf dem Rückflug bin, nehme ich das gute Gefühl mit, dass ich durch meine Reise Starthilfe für schlagkräftige regionale Kooperationsprojekte geleistet habe und der IFAW auf diese Weise in den kommenden Jahren vielen Tieren in Not helfen können wird.

--VR

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
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Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
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Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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