Blickpunkt Panama: Tag eins der IWC-Jahrestagung

Patrick Ramage, Leiter der Walkampagne des Internationalen Tierschutz-Fonds gibt eine kurze Zusammenfassung von der Abstimmung über das Südatlantische Walschutzgebiet.

Ich grüße Sie am ersten Tag der IWC-Tagung aus dem schwülheißen Panama.

Heute erlebten wir zunächst einen vielversprechenden Einstieg und später einen historischen Moment.

Zur Eröffnung zeigten unsere Gastgeber Panama einen beeindruckenden Film mit Luftaufnahmen von einer Walschule. Es hatte fast den Anschein, als wäre dies eine Tagung, bei der es um den Schutz der Wale geht... Doch als dann zum Tagesgeschäft übergegangen wurde, sahen die Dinge gleich ein wenig anders aus.

Der erste bedeutende Punkt auf der Tagesordnung war der Antrag auf Statutenänderung zur Einrichtung eines Walschutzgebiets im Südatlantik.

Bei der letztjährigen IWC-Tagung in Jersey hatte dieser umstrittene Antrag dazu geführt, dass seine Gegner, allen voran Japan, die Tagung aus Protest verließen.

Rein gar nichts deutete in diesem Jahr auf eine solche Kontroverse hin…

Zehn Länder sprachen sich entweder für oder gegen den Antrag aus und dann eröffnete der Vorsitzende ruhig und zügig die Abstimmung. Ein historischer Moment – denn es war tatsächlich das erste Mal in vier Jahren, dass eine Abstimmung stattfinden konnte. Bei dieser Art von Abstimmung bedarf es einer Dreiviertelmehrheit und während die Stimmen eine nach der anderen abgegeben wurde, zeichnete sich bereits ab, dass es zu einer einfachen Mehrheit kommen würde, jedoch nicht zur erforderlichen Dreiviertelmehrheit. Letztendlich gab es 38 Stimmen für den Antrag, 21 dagegen und zwei Enthaltungen. Brasilien, einer der Hauptinitiatoren des Antrags, erkannte das demokratische Ergebnis an und verkündete gleichzeitig, dass der Kampf für das Schutzgebiet hiermit noch nicht zu Ende war.

Die Sachlage war schließlich klar…

Die Mehrheit im Raum befand sich auf der Seite des Walschutzes.

Resolutionen wie beispielsweise die, die Monaco beantragt hat und die der Internationale Tierschutz-Fonds ebenfalls unterstützt, benötigen lediglich eine einfache Mehrheit, um verabschiedet zu werden. Die Frage ist: Werden die Kommissionsmitglieder die Gelegenheit bekommen, über diese Resolution abzustimmen, die den Vereinten Nationen eine Befugnis einräumen würde, ein Ende des kommerziellen Walfangs zu unterstützen?

Das wird sich im Laufe der Woche herausstellen.

Nach der Abstimmung über das Schutzgebiet waren die Kommissionsmitglieder zunächst einmal damit beschäftigt, zu debattieren, ob der Tagesordnungspunkt „Zukunft der IWC“ nun denn noch relevant sei oder ob er sich erledigt habe.

Kein Wunder, dass kurz darauf schon darüber diskutiert wurde, ob Abstimmungen generell denn überhaupt eine gute Sache seien.

Und gleich darauf ergingen dann auch die ersten Tiraden gegen Abstimmungen.

Glücklicherweise sah der Vorsitzende in Abstimmungen kein Problem und schloss sich mit seiner Meinung dem Kommissionsmitglied aus Monaco an, der angemerkt hatte, dass „der Aufruf zur Abstimmung schließlich keine Kriegshandlung“ sei.

Wir werden sehen…

Der Tag endete dann mit der Eröffnung einer Debatte über indigenen Subsistenz-Walfang, die sich wahrscheinlich noch recht lang gezogen hat. Mehr davon demnächst.

Falls Sie die heutigen Verhandlungen im Detail kommentiert nachlesen wollen, schauen Sie doch mal in unseren Twitter-Feed - Action4IFAW

--RM

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