Blickpunkt Kanada: Auf Toronto Island werden Straßenhunde in Haustiere verzaubert

„Pudding“ – ist wieder ganz gesund und genießt das Leben.

Mark Twain hat einmal gesagt, „Wenn du einen ausgehungerten Hund aufliest und ihn satt machst, dann wird er dich nicht beißen. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Hund und Mensch.“

Nachdem ich nun schon sechs Jahre im Tierschutz arbeite, kann ich diese Worte nur bestätigen. Hunde verfügen über unerschöpfliche Reserven an Treue, Dankbarkeit und Liebe, selbst wenn sie all das nicht zurückbekommen.

Ich habe unzählige Hunde kennengelernt, deren Geschichten einem das Herz brechen, aber die trotz allem auf erstaunlichste Weise noch vergeben und lieben können. In unserem kleinen Haus auf Toronto Island fanden ein paar solche Exemplare zeitweise ein Zuhause.

Toronto Island ist eine kleine Gemeinde am Ontariosee mit nur 262 Haushalten, zu der man vom Stadtzentrum von Toronto in einer zehnminütigen Fährfahrt gelangt. Toronto Island ist die größte städtische autofreie Gemeinde in Nordamerika.

Benny, der hübsche Bouvier-Mischling, Pudding, die lebhafte Terrier-Mischlingsdame und zuletzt der süße Cyrano mit seiner einzigartigen Nase gehören zu den ersten Pflegekindern, die auf der Insel bei meiner Familie Obhut fanden.

Diese wundervollen Hunde haben Leidensgeschichten hinter sich, die für die meisten von uns kaum vorstellbar sind.

Benny und Cyrano wurden durch den Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) gerettet und ich empfinde es als großes Glück, dass ich den IFAW-Tieren so nah sein kann.

Benny verbrachte fast sein gesamtes erstes Lebensjahr angekettet im Freien und Cyrano wurde unter einem Haufen Bierflaschen gefunden und war so scheu, dass er nicht einmal seinen Kopf heben wollte.

Ohne die Hilfe des IFAW wären sie draußen sich selbst überlassen geblieben, Wind und Wetter ausgesetzt, streunend und ohne Futter.

Die kleine Pudding wurde in unserem lokalen Tierheim in Toronto abgegeben. Sie war von dem Leben im Tierheim traumatisiert und so ungenießbar, dass niemand sie aufnehmen wollte. 

Als wir sie zum ersten Mal sahen, jagte ihr panisches Kläffen unserem Sohn und unserem eigenen Hund Katie solche Angst ein, dass sie sich in eine Ecke des Raums kauerten. Es ist ein Wunder, dass wir mutig und verrückt genug waren, sie mit nach Hause zu nehmen.

Toronto Island ist aber eine verzauberte Insel und entlockt jedem Hund nur seine allerbeste Seite.  Ich habe sie alle hierher gebracht, in unsere kleine Inselzuflucht, damit sie sich erholen können, mutig werden und verzeihen können.

Innerhalb nur weniger Stunden nach ihrer Ankunft hat Pudding aufgehört zu toben.

Ihre unzähmbare Energie ging nie ganz weg (sie kann 1,20 m hoch springen), aber sie lernte, dass man sich anderen Hunden nähern kann und dass Kinder die besten Spielgefährten sind, weil sie mit ihr mithalten können.

Ich fand sie jeden Morgen im Bett an meinen Sohn gekuschelt. Jetzt lebt sie in der Stadt und wenn sie nicht gerade springt, kuschelt und schleckt sie fleißig.

Benny hat schnell gemerkt, dass er hier seine eigene Ecke und ein warmes Bett hat und entschied, dass er nicht mehr von hier weg wollte. Ich musste ihn förmlich aus der Tür schieben, um mit ihm Gassi zu gehen.

Er dachte, dass er nicht mehr zurück hinein dürfte, wenn er einmal draußen war. Doch seine Sorge war natürlich unbegründet und schließlich verschwand sie auch. Er ist jetzt ein sanfter Riese, der auf meine Nachbarin und ihre zwei Kinder achtgibt.

Als Cyrano ankam, musste ich ihn zum Boot tragen, er wollte nicht einmal auf dem Bürgersteig laufen. Mein Mann musste ihn zum Spazierengehen die Treppe hinunter und bis zum Ende der Straße tragen, weil er so eingeschüchtert und verängstigt war. 

Sechs Wochen später ist das einst schüchterne Tier jetzt ein richtiger Halbstarker, der trotz seiner 20 Kilo immer auf den Schoß will. Jeden Tag, den er bei uns im Haus lebte, brachte er mich mit seiner tapsigen Sanftmut zum Schmunzeln

Cyranos Inselkur war in ein paar Wochen schon vorüber, er hat ein neues Zuhause auf 19 Hektar mit zwei weiteren vierbeinigen Gefährten und zwei Rentnern.

Von diesen Vierbeinern können wir weiß Gott noch so einiges Lernen, was Vergebung und Geben angeht.

Ich bin dankbar dafür, dass sie mich immer wieder daran erinnern und dass sie mir so viel geben.

--MC

Im Rahmen seines Northern Dogs-Projekts bringt der IFAW regelmäßig tierärztliche Versorgung, Aufklärung und Unterstützung bei der Unterbringung von Tieren in entlegene kanadische Ureinwohner-Gemeinden.

Das Northern Dogs-Projekt bietet Hilfe zur Selbsthilfe, mit dem Ziel, dass die Gemeinden die Probleme mit ihren Hunden langfristig selbstständig lösen können.

Mehr dazu erfahren Sie hier.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe