Blickpunkt IUCN: Es zählt der Wert der Natur und nicht ihr Preis

Der Autor bei der Konferenz der Internationalen Naturschutzunion (IUCN).Ich komme gerade vom alle vier Jahre stattfindenden Kongress der Weltnaturschutzunion (IUCN).

Sie gilt als „das weltweit größte Naturschutz-Netzwerk – eine demokratische Mitgliederunion aus über 1.200 staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen und fast 11.000 ehrenamtlichen Wissenschaftlern in über 160 Ländern.“

Unter dem Dach der IUCN ist in der Tat eine enorme Menge an Wissen und Sachverstand zum Zustand der Natur, zum Artensterben, zur Biodiversität im Allgemeinen und deren Schutz gebündelt.

Die Zukunftsaussichten sind düster, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Der Klimawandel ist nur ein Aspekt neben übermäßigem Konsum und Lebensraumzerstörung. Wenn es uns jedoch gelingt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf „nur“ 2°C zu begrenzen, leider eher ein optimistisches als realistisches Ziel, dann gehen uns immer noch 20% der weltweiten Biodiversität verloren.

Stellen Sie sich vor: 20% für immer weg! Und ich sehe immer noch keine vereinte Anstrengung der Regierungen, damit 2° nicht überschritten werden….

Es ist aber noch nicht alles verloren.

Wir können den Schaden begrenzen, wenn wir diese Angelegenheit als Notfall behandeln.

Mein Eindruck hier beim IUCN-Kongress ist jedenfalls, dass immer mehr Delegierte zum gleichen Schluss kommen.

Dennoch macht es mir große Sorgen, dass so viele IUCN-Mitglieder lediglich den ökonomischen Wert der Natur und die Armutsbekämpfung im Blick haben und den Wert, den die Natur darüber hinaus besitzt, völlig ausblenden.

Was ist denn mit all den unentgeltlichen Dienstleistungen, die uns die Ökosysteme bereitstellen, wenn sie nur im Gleichgewicht gelassen werden, wie z.B. sauberes Wasser, Heilpflanzen und Nahrung?

Ganz zu schweigen von den Dienstleistungen, die für genau die Pflanzen und Tiere, deren Schutz wir und die IUCN uns verschrieben haben, so wichtig sind.

Ich sehe es als gutes Zeichen, dass wir Antragsteller überzeugen konnten, ihren wahnwitzigen Antrag auf die Aufhebung des EU-Importverbots für Robbenprodukte zurückzuziehen.

Statt die untragbare Grausamkeit der kommerziellen Robbenjagd anzuerkennen, argumentierten sie, dass Robben Schädlinge seien, nur weil der Marktwert gefallen war!

Es ist einfach unglaublich, dass die Robben immer noch als Sündenbock für Überfischung herhalten müssen. Jeder, der einen Kopf zum Denken hat, weiß, dass es die Menschen sind, die die Biodiversität unseres Planeten zerstören.

Ich musste Konferenzteilnehmer immer und immer wieder daran erinnern, dass die UN und die IUCN in der Vergangenheit den immanenten, kulturellen, ethischen, spirituellen, ökologischen Wert der Natur, eben genau den Wert, der sich nicht in ökonomische Parameter pressen lässt, anerkannt und gutgeheißen haben. 

Naturschutz kann nur erfolgreich sein, wenn wir dabei alle Werte der Natur achten – nicht nur ihren ökonomischen Wert.

Die Einbeziehung des Tierschutzgedanken in das Naturschutzverständnis der IUCN ist somit für den Erfolg von wesentlicher Bedeutung.

Ich freue mich, dass wir beim Kongress in dieser Hinsicht einen guten Schritt weitergekommen sind und dass mehr Delegierte ihr Engagement für den Naturschutz in Zukunft an anderen Werten als bloß an einem Marktwert ausrichten und dadurch den Weg für einen echten Wandel bereiten.

--PP

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