Blickpunkt Indien: Rettungsteam arbeitet bei erneuten Überschwemmungen auf Hochtouren

Das gerettete Elefantenkalb.Letzte Woche wurde der Kaziranga-Nationalpark im indischen Assam nun schon zum zweiten Mal Innerhalb von zwei Monaten von massiven Überschwemmungen heimgesucht – 90% des Geländes standen unter Wasser. Aufgrund der Schwere der Überschwemmungen waren die Mitarbeiter der Forstbehörde und Wildhüter in großer Sorge darüber, dass die Fluten im Park erneut große Verwüstungen anrichten würden.

Sogar als fünf verirrte Nashörner innerhalb von drei Tagen skrupellos von Wilderern getötet wurden, leisteten die Mitarbeiter unseres Rettungsteams unermüdliche Hilfe für die in Not geratenen Tiere.

Vor zwei Monaten erst hatten bei heftigen Fluten fast 600 Tiere im und um den Park ihr Leben verloren. Die zweite Flutwelle hat bislang 143 Tiere das Leben gekostet.

Vergangene Woche hat allein das IFAW-Rettungszentrum für Wildtiere 26 Tiere versorgt – davon 14 Schweinshirsche, 2 Barasinghas, ein Elefant, zwei Panzernashörner, ein Schweinsdachs, drei Büffel, eine Python, ein Pferdehirsch und ein Orienthornvogel.

Von 26 Tieren wurden vierzehn bereits wieder in die Freiheit entlassen, fünf befinden sich noch in der Rehabilitation im Zentrum. Ein Elefantenkalb, ein Nashornkalb und zwei Büffelkälber bedürfen einer längerfristigen Rehabilitation.

Das gerettete Nashorn am 2. Oktober 2012.

Mit dem derzeit sinkenden Wasserstand des Brahmaputra und seiner Nebenflüsse kehrt langsam der Normalzustand in den Park zurück. Obwohl die Anzahl der Rettungen sich wieder auf das normale Niveau eingependelt hat, versorgen unsere Tierärzte immer noch mit vollem Einsatz die ungewöhnlich hohe Anzahl an Patienten, und kümmern sich besonders sorgfältig um unsere „größeren Gäste“, den Elefanten, das Nashorn und die Büffelkälber.

Das Nashornkalb ist gleich gut auf die Betreuung der Pfleger angesprungen und hat angefangen Milch aus der Flasche zu trinken; die Büffelkälber taten sich damit zuerst schwer, denn selbstverständlich hatte keins der Tiere das je zuvor getan.

Aber mit der besonderen Fürsorge der Pfleger Prasanta, Lakhi und Ramen haben auch die beiden kleinen Büffel gelernt, aus der Flasche zu trinken. Es war wirklich rührend zu sehen, mit wieviel Liebe und Umsicht Prasanta die Jungtiere füttert, während Lakhi sie festhält und Ramen ihnen über das Hinterteil streichelt, damit sie sich genauso aufgehoben fühlen wie bei ihrer Mutter, die genau das Gleiche tun würde.

Das Elefantenkalb ist leider sehr geschwächt und wurde gestern in die Elefantenpflegestation gebracht. Da Elefanten sehr soziale Wesen sind, lassen wir sie niemals allein. Das bedeutet, dass Dr. Reetika Maheshwari nun damit betraut ist, das Kalb zu versorgen und ihm Gesellschaft zu leisten.

Dr. Reetika ist hinsichtlich der Genesung des Kalbs zuversichtlich und ist der Meinung, dass es bald wieder unter seinesgleichen weilen kann und seinen Artgenossen im Zentrum bei der Rehabilitation Gesellschaft leisten darf.

Es wurde mir klar, dass zur Arbeit als Tierarzt oder als Pfleger in der Wildtierrehabilitation viel mehr gehört als Intelligenz, Erfahrung und Tierliebe, auch wenn alle drei Eigenschaften zweifelsohne wichtig sind. Man braucht aber vor allem starke Nerven und viel Geduld.

Die Versorgung der jungen Tiere ist keine leichte Aufgabe. 24 Stunden am Tag brauchen sie Betreuung, Futter, medizinische Behandlung. Ich bin unseren wunderbaren und engagierten Mitarbeitern wie immer unendlich dankbar dafür, dass sie sich so toll um die Tiere kümmern.

--SB

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien