Blickpunkt Indien: In der Sommerhitze regnet es Elefanten

Ein glückliches Kind mit seinen Etiketten.

Sommer in Indien heißt zwei Monate schulfrei. Die Kinder haben dann viel Freizeit, um ihre Eltern auf die Palme zu bringen. Sommer heißt für die Kinder aber auch, dass sie tun können, was sie wollen, dass sie Freunde treffen oder neue Dinge lernen können. Und welcher Ort würde sich zu diesem Zweck besser eignen als das National Bal Bhavan in Neu-Delhi, ein Kulturzentrum für Kinder, das in barrierefreien Örtlichkeiten viele Möglichkeiten bereithält, gemeinsam mit ausgebildeten Lehrern, neue Dinge auszuprobieren und zu erlernen?

Mein Vorschlag an den Leiter, unser Aufklärungsprogramm Animal Action Education für die Kinder einzubringen, die dort auf Ferienfreizeit sind, wurde mit großer Begeisterung angenommen; auch von den anderen Abteilungen im Zentrum. Das verleitete mich dazu, noch einen Schritt weiterzugehen und auch das Projekt „Kunst für Elefanten“ vorzuschlagen, ein Projekt im Rahmen der Regierungskampagne Haathi Mere Saathi (Mein Gefährte Elefant), die 2013 im internationalen Elefantenforum E 50:50 gipfeln wird. Wir bekamen am gleichen Tag noch die Erlaubnis dazu, und nach ein paar hektischen Vorbereitungen gelang es uns, die berühmte indische Künstlerin Bulbul Sharma für unser „Kunst für Elefanten“-Projekt zu gewinnen.

Es waren nur noch drei Tage bis zum Weltumwelttag, für den Start des Projekts hätte es wirklich keinen besseren Zeitpunkt geben können. Im Rahmen des Projekts setzen sich die Kinder auf spielerische und künstlerische Weise mit Themen wie der Wiederverwertung von Müll und Papier durch künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten, der Erneuerung des Waldbestands für Elefanten und der Wertschätzung des Elefanten als nationales Kulturgut Indiens auseinander.

Ein Kind mit einem Holzelefanten.

Unser Presseteam war bei seinem Eintreffen überwältigt, ein mit 2000 Kindern und 100 Lehrern vollgepacktes Amphitheater vorzufinden  Ich habe noch nie zuvor so viel geballte Energie auf einem Haufen erlebt und hatte so meine Sorgen, ob so viele Kinder mir überhaupt zuhören würden. Es folgten ein paar Vorführungen und Präsentationen zum Thema Umwelt. Danach wandte ich mich an die Menge und stellte meine Eröffnungsfrage: „Wer von euch hat noch nie einen Elefanten gesehen?“ Als klar war, dass alle Kinder schon einmal einen Elefanten, entweder in Gefangenschaft oder in freier Wildbahn oder auf einem Bild gesehen hatten, fragte ich, wo Elefanten denn leben. 2000 Stimmen riefen wie aus einer Kehle: „Urwald!“ Von da an war es ein leichtes Spiel. Ich fuhr fort mit meinem kleinen Vortrag darüber, wie Urwälder zugunsten von Bauprojekten zerstört oder zerstückelt werden und so die Lebensräume der Elefanten verloren gehen, wie das wiederum zu Konflikten zwischen Elefant und Mensch und auf beiden Seiten zum Tod führen kann. Danach war Bulbul Sharma dran. Sie widmete sich in ihrer Präsentation der Rolle des Elefanten in der indischen Kunst und Kultur und sprach darüber, wie wichtig die Wertschätzung von Elefanten ist. Dann kündigte sie an, dass die kommende Woche dazu genutzt würde, künstlerische Darstellungen von Elefanten in allen Formen und Farben herzustellen.

Alle 2000 Kinder bekamen zunächst als Geschenk 18 Buchetiketten mit einem Bild von Gafu, dem Maskottchen der Haathi Mere Saathi-Kampagne. Ein reges Treiben setzte in den verschiedenen Klassen ein, während Bulbul die Lehrer in die künstlerischen Arbeiten einwies. Unser Team arbeitete mit Kindern aus allen Klassen. Es gab Gruppen für Tonarbeit, Nähen, Schnitzen, Pappmaché, kreatives Schreiben, Tanzen, Malen etc. Durch alle Gruppen zog sich natürlich wie ein roter Faden das Elefantenthema.

Ein Elefant aus Pappmaché.Die 50 besten Elefanten aus Pappmaché werden beim E 50:50-Forum ausgestellt. Der Animal Action Education-Film „Elefanten vergessen nicht“ wird eine Woche lang im Auditorium gezeigt, so dass ihn alle Kinder der Ferienfreizeit zu sehen bekommen.

Das National Bal Bhavan betreibt auch 54 Bal Kendras, das sind Zentren für Kinder, die in abgelegenen Gegenden leben und an den Hauptworkshops nicht teilnehmen können. Animal Action Education-Pakete auf Hindi und der in Hindi synchronisierte Film wurden an die Koordinatoren dieser Zentren übergeben, damit auch die Kinder dort erreicht werden.

Die Bilder erzählen Ihnen den Rest der Geschichte davon, wie wir wieder in unsere eigene Kindheit zurückversetzt werden. Ich bin sicher, diese Kinder werden die Elefanten nicht vergessen!

--RG

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien