Blickpunkt China: Eröffnung von fortschrittlichem Tierheim in Guangzhou

Die Schlagworte "das Wohl des Hundes" und "Adoption" fielen wiederholte Male in den Reden der Eröffnungszeremonie und sind auch auf Plakaten und Schildern im ganzen Gebäude zu lesen.Hundehaltung ist in China in den letzten paar Jahren sehr populär geworden. Doch nur weil es mehr Hunde gibt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ihre Halter über verantwortungsbewusste Tierhaltung Bescheid wissen. Chinas drittgrößte Stadt Guangzhou hat zunehmend Probleme im Zusammenhang mit dem fehlenden Wissen ihrer Tierhalter.

Der Effekt eines fehlenden Bewusstseins und fehlender Aufklärung über verantwortungsvolle Hundehaltung sind Tierhalter, die ihre Haustiere nicht kastrieren oder impfen lassen, sie nicht anleinen oder ihren Schmutz nicht beseitigen. Das wiederum hat ungesunde Tiere und unglückliche Nachbarn zur Folge, die über den Schmutz, die die Tiere und ihre Besitzer Tag für Tag verursachen, erschrocken oder verärgert sind. Übernehmen Tierbesitzer keine Verantwortung für ihre Tiere, landen diese auch einfach häufig auf der Straße und streunen dann herrenlos durch die Stadt.  

Weltweit gelten Tierheime häufig als "Lösung" gegen Belästigung durch die Tiere und Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. In China werden staatliche Tierheime von der Behörde für öffentliche Sicherheit (Public Security Bureau, PSB) gebaut und betrieben, dem Pendant zur örtlichen Polizei, die in China in jeder Provinz und Gemeinde eine Vertretung hat.

Die PSB in Guangzhou hat sich entschieden, für den Bau ihres lokalen Tierheims einen ganz besonderen Weg einzuschlagen. Statt sich selbst um den Bau des Tierheims zu kümmern, nahm die Behörde für Planung und Bau die Hilfe lokaler Tierschutzgruppen in Anspruch und bezog dabei außerdem Tierschutzorganisationen wie IFAW und SPCA aus dem benachbarten Hongkong als Berater mit ein. 

Wir waren unglaublich gespannt darauf, am 20. April die Eröffnung des neuen Tierheims in Guangzhou mitzuerleben. Der IFAW weiß, dass Tierheime kein Patentrezept für die Lösung aller Probleme sind, die Gemeinden mit ihren Haustieren haben. Wenn man sie jedoch klug umsetzt, können sie eine sehr wertvolle Anlaufstelle sein.

Bei Eröffnungszeremonie stellten wir erfreut fest, dass viele von unseren Ideen und Informationsmaterialien im Gebäude aufgegriffen worden waren. Auf Informationstafeln wird in bunten Bildern unser Konzept der tiergerechten Haltung und die damit zusammenhängenden Vorteile illustriert. Das Tierheimgebäude ist hell und freundlich, mit vielen Fenstern und guter Durchlüftung. Das Gebäude ist in sieben Bereiche unterteilt: einen Bürobereich, einen Empfangsbereich, einen Quarantänebereich, einen Heimbereich, einen Adoptionsbereich, einen Informationsbereich und einen Bereich für Verhaltenstraining und Auslauf. Insgesamt hat das Asyl Kapazitäten für 500 Hunde, doch zurzeit sind dort nur 200 untergebracht, ebenfalls ein sehr begrüßenswerter Unterschied zu so vielen anderen Tierheimen in China, die oft hoffnungslos überfüllt sind.

Wenn ein Hund ins Heim kommt, wird er zunächst in die Computer-Datenbank aufgenommen. Es werden Informationen wie Ankunftsdatum, Rasse, Erkennungsmerkmale, Gesundheitszustand und Krankengeschichte des Hundes gespeichert. Danach kommt jeder Hund erst einmal in Quarantäne - eine sehr wichtige Maßnahme. Die Isolierung und Beobachtung der Hunde, wenn sie in eine Einrichtung kommen, ist notwendig, um die Übertragung von Krankheiten der Neuankömmlinge auf die alteingesessenen Bewohner zu verhindern. Nach der Beobachtungsphase werden gesunde Hunde in den Heimbereich geschickt und die kranken werden von einem der 40 Angestellten, unter denen sich sowohl Tierärzte als auch Hundetrainer befinden, behandelt und mit Medikamenten versorgt.

Alle Hunde werden geimpft und kastriert. Hunde mit Verhaltensstörungen bekommen Verhaltenstraining. Wir freuten uns auch sehr zu hören, dass jeder Hund drei Stunden Auslauf am Tag bekommt, eine wichtige Maßnahme für den Stressabbau, den alle Heimtiere dringend brauchen. Das Tierheim ließ sich sogar einfallsreiche Werbemaßnahmen für Hundeadoptionen einfallen. Im Internet warb das Heim für eine drei Jahre gültige kostenlose Hundelizenz im Fall einer Adoption. In Guangzhou scheint man außerdem auch das Thema Verwaltung sehr ernstzunehmen, die ohnehin der Schlüssel zum erfolgreichen Betrieb eines Tierheims ist. Die PSB hat ein lokales Tierkrankenhaus angeheuert, das die lokale Tierschutzgruppe unentgeltlich bei der Heimverwaltung unterstützt. 

Aber auch wenn das Tierheim von Guangzhou in vieler Hinsicht sehr fortschrittlich ist, wissen wir, dass kein Heim Perfekt ist. Ein sehr wichtiger Aspekt beim Betrieb eines Tierheims ist deshalb die Bereitschaft, die eigene Arbeit und alle Abläufe permanent zu überwachen, zu bewerten und auf dieser Grundlage zu optimieren. Unser Beratungsangebot endet nicht mit der Eröffnung des Heims. Wir werden unser Know-how sowohl der PSB in Guangzhou als auch den Tierheimbetreibern weiterhin zur Verfügung stellen.

Es ist offensichtlich, dass sowohl die PSB in Guangzhou als auch die Mitarbeiter Tiere lieben und stolz darauf sind, hier das vorbildlichste aller chinesischen Tierheime geschaffen zu haben.

Besonders ermutigend ist die Tatsache, dass die PSB bei diesem Tierheim endlich einmal das Augenmerk auf das Wohl der Tiere gelenkt hat. Die Schlagworte "das Wohl des Hundes" und "Adoption" fielen wiederholte Male bei den Reden der Eröffnungszeremonie und sind auch auf Plakaten und Schildern im gesamten Gebäude zu lesen. Direkt im Eingangsbereich des Tierheims sieht man ein Schild mit der Aufschrift "An diesem Ort wird auf das Wohl des Hundes Wert gelegt".

Auch wenn noch viel zu tun bleibt, sind die Leute von der PSB Guangzhou und die Heimangestellten guten Mutes und freuen sich, mit ihrem Projekt jetzt voll durchstarten zu können. Wir freuen uns darauf, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und mitzuverfolgen, wie sich das Tierheim von Guangzhou künftig weiterentwickelt!

--GGG

Mehr Informationen über unseren Einsatz für mehr Aufklärung über Tierschutzthemen finden Sie hier.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe