Blickpunkt Amboseli: Update zum Elefanten-Adoptivkind

Blickpunkt Amboseli: Update zum Elefanten-AdoptivkindIm August haben wir mit Spannung Elfridas Adoption eines weiblichen Elefantenkalbs verfolgt, das plötzlich in der Familie aufgetaucht war.

In den darauffolgenden Wochen waren die Augen des gesamten ATE-Teams auf die Entwicklung der Adoptivtochter gerichtet. Anfänglich sah es sehr gut aus, sie setzte sich erfolgreich gegen Elfridas richtige Tochter durch und kam beim Trinken zum Zug.

Und da es ein regenreiches Jahr in Amboseli war, dachten wir alle, dass sie durchkommen würde.

Elfridas richtige Tochter war durch den „Eindringling“ ziemlich verstört; mir fiel auf, dass sie aus den Schläfendrüsen oft Flüssigkeit absonderte – bei Elefanten ein Zeichen für Aufregung und Stress.

Obwohl sie das größere und kräftigere Kalb war, sah ich Elfridas Tochter in all den Wochen nie wie ihre Altersgenossen spielen oder ihre Umwelt erkunden. Stattdessen wurde sie immer anhänglicher.

Bis September wich sie nie mehr als einen Meter von der Seite ihrer Mutter und war fast ständig am Trinken.

Vom Stress befreit, genießt Elfridas Tochter (rechts) das Leben mit ihrer neuen Spielgefährtin, ihrer Nichte.

Es war ganz deutlich, dass sie mit der Situation, dass ihre Mutter noch ein weiteres Kalb säugte, überhaupt nicht klarkam. Als Reaktion darauf hing sie ständig an der Brust.

Da dem adoptierten Kalb nun der Zugang zur Milch verwehrt war, begann es, an Gewicht zu verlieren. Es war zu dem Zeitpunkt ca. acht Monate alt und ernährte sich von ein paar Pflanzen, was aber nicht genügte.

Als ich die Kleine das letzte Mal sah, waren ihre Wangenknochen schon deutlich hervorgetreten – bei Elefanten ein gefährliches Zeichen. Und dann verschwand sie leider. Sie war fast einen Monat lang bei den EAs gewesen.

Elefanten sind außerordentliche Geschöpfe und ich wünschte, dieses kleine Elefantenmädchen hätte überlebt, damit ich eine weitere Geschichte über die Flexibilität dieser Tiere und ihre tolle gegenseitige Fürsorge erzählen kann. Einzugestehen, dass sie wohl nicht durchgekommen war, war bitter.

Wir werden nie erfahren, warum sie von ihrer Familie getrennt wurde, doch es wäre wunderbar gewesen, sie bei den EAs aufwachsen zu sehen.

Die Tatsache, dass sie sich überhaupt gekümmert haben, ist schon bemerkenswert. Und ich musste mir einfach ins Bewusstsein rufen, dass eben nicht jedes Elefantenbaby überleben kann, selbst wenn die Chancen nicht ganz so ungünstig stehen wie im Fall unseres kleinen Mädchens.

Ich arbeitete dann zunächst mit anderen Studienfamilien und hatte die EAs eine Weile nicht gesehen, doch dann gebar Eltonin, eine von Elfridas älteren Töchtern ein Junges. Als ich bei ihnen nach dem Rechten sah, war ich völlig perplex angesichts der Verwandlung, die Elfridas Tochter durchgemacht hatte.

Eltonins neue Tochter war besonders aktiv und verspielt, obwohl sie zu dem Zeitpunkt erst ein paar Tage alt war, und Elfridas Tochter war ihre eifrigste Spielgefährtin.

Ich bin zwar traurig, dass das Adoptivkind es nicht geschafft hat, aber es ist gut zu sehen, dass sich Elfridas Tochter nun wieder geborgen fühlt – ein rührender Beleg dafür, wie wertvoll die Mutter-Kalb-Beziehung ist.

So sollten Elefanten aufwachsen; in Geborgenheit und sorgenfrei, mit Spielgefährten, die Freunde fürs Leben werden. Irgendwann werden diese beiden Elefantendamen ihre ersten Kälber gemeinsam großziehen. Doch zuerst erleben sie – unter den wachsamen Augen von Elfrida – noch viele aufregende Abenteuer zusammen.

--VF

Post a comment

Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien