Blickpunkt Amboseli: Massai wollen mit Tourismus neue Einkommensquelle erschließen

a.	In einer sich rasch wandelnden Welt steht die Massai-Volksgruppe am Scheideweg.In einer sich rasch wandelnden Welt steht die Massai-Volksgruppe in Amboseli nun am Scheideweg: Entweder sie passt sich dem Wandel an oder sie ignoriert ihn und wird langfristig untergehen.

Traditionell waren die Massai nomadische Viehhirten, die ausschließlich von ihren Schafen und Ziegen lebten und mit ihren Herden von einer Weidefläche zur nächsten zogen. Früher gab es genug Platz für alle: Die Massai, ihre Herden und die Wildtiere.

Die Massai jagten keine Wildtiere, sondern lebten mit ihnen in einem weitgehend friedlichen Miteinander, mit Ausnahme gelegentlicher Konflikte, entweder um ihr Eigentum zu verteidigen oder damit die berühmten Massai-Krieger sich bei der Löwenjagd mit zwei Meter langen Speeren vor anderen Kriegern brüsten konnten. 

In den 80er-, 90er- und frühen Nullerjahren wuchsen sowohl Bevölkerung als auch Viehherden und neue Landnutzungsformen wie die Landwirtschaft wurden eingeführt.

Lebensräume für Wildtiere verschwanden – insbesondere im Zuge der hastigen Landaufteilung im gesamten Amboseli-Ökosystem.

Dies hat zur Zerstörung von Land und Lebensraum geführt sowie zu gegenüber Dürre und Krankheiten wenig robustem Vieh, mit der Folge, dass die Massai zunehmend verarmten. Mittlerweile sind sie während Dürreperioden auf die Unterstützung von Regierung und Spendern angewiesen.

Soweit also die Entwicklung.

Keiner Massai-Siedlung in Amboseli ist dieses Schicksal erspart geblieben.

b.	Die Massai-Gemeinde hat die Wildtiere als ihr Erbe akzeptiert, ist bereit sie zu schützen und im Gegenzug Einkommen aus dem Tourismus zu erzielen.

Die im südlichen Kajiado District gelegene Olgulului-Ololarashi-Gruppenranch (OOGR) mit einer Landfläche von 147.779 Hektar und 11.475 gemeldeten Bewohnern ist der Ort, an dem sich der IFAW hauptsächlich engagiert.

Die OOGR ist das Herzstück des 5.700 km2 großen Amboseli-Ökosystems und grenzt an sechs weitere Gruppenranches an. Auf dem Land der OOGR wurde vor fast vierzig Jahren der Amboseli-Nationalpark geschaffen und sie umschließt heute 90% des Parks.

Folglich ist sie das wichtigste Verbreitungsgebiet der innerhalb des Parks lebenden Wildtiere und hat eine entscheidende Bedeutung für ein Funktionieren des gesamten Ökosystems. Für die Tiere bietet sie einen Rückzugsraum und das geschützte Nationalparkareal kann sich während der Regenzeiten erholen und neue Nahrungsvorräte aufbauen.

Die Gemeinde von Olgulului-Ololarashi hat dies schon vor geraumer Zeit erkannt und einen Naturschutz- und Entwicklungsplan konzipiert, der die Landnutzung regelt und der sowohl Wanderkorridore als auch Schutzmaßnahmen für Wildtiere vorsieht.

Langfristiges Ziel dieses Plans ist es, sich die wilde Tierwelt als neuen Wirtschaftszweig zu Nutze zu machen und eine alternative Einkommensquelle zu schaffen.

Neben dem Entwicklungsplan hat die OOGR auch eine Schutzeinheit für Wildtiere gegründet, dessen Aufgabe es ist, die Deeskalation von Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren zu unterstützen sowie für die Sicherheit von Tieren, Gemeindemitgliedern und Besuchern zu sorgen.

All das zeigt, dass die Massai-Gemeinde die Wildtiere als ihr Erbe akzeptiert hat, bereit ist sie zu schützen und im Gegenzug ein Einkommen aus dem Tourismus zu erzielen.

Im Zuge dieser Neuorientierung der Massai wird die Ausbildung und Ausrüstung von Wildhütern unverzichtbar sein, um die optimale Verwaltung  und Sicherheit der natürlichen Ressourcen innerhalb der Gemeinde zu gewährleisten.

Die Massai haben die Wildtiere als eine natürliche Ressource erkannt, die, wenn sie gut versorgt ist, einen echten Mehrwert für ihre Gemeinden darstellen kann.

In diesem Sinne äußerten sich die Massai-Ältesten, die im Juli an einem Treffen in der Zentrale des Kenya Wildlife Service im Amboseli-Nationalpark teilnahmen, folgendermaßen:

„In den Dürreperioden verhungern unsere Leute, wir müssen uns diese von Gott gegebene Ressource zu Nutze machen, aber es muss uns gezeigt werden, wie das geht. Die Massai sind nicht von Natur aus Händler. Sie sind Viehzüchter und wissen nichts von Touristen und Tourismus, aber wir sind bereit, uns das nötige Wissen anzueignen, damit wir mit dem Tourismus Geld verdienen können.“

Dieses Bekenntnis ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Landwirtschaft und Viehzucht viel menschliche Arbeitskraft erfordern, während Wildtiere eigentlich nur genug Platz und Sicherheit brauchen, um zu gedeihen.

Die OOGR-Gemeinde hat sich also dazu entschieden, sich den Herausforderungen des Wandels zu stellen und sich künftig nicht nur um ihr Vieh zu kümmern, sondern auch um die Elefanten. Sie bittet nun darum, dass man ihr bei der Ausbildung und Ausrüstung von Wildhütern unter die Arme greift und sie mit nötigem Know-how und Befugnissen ausstattet, so dass sie dieses Welterbe im Namen des Rests der Welt verantwortungsvoll pflegen können.

Der Internationale Tierschutz-Fonds möchte die Unterstützung allzu gerne gewährleisten, wir brauchen dafür aber auch Ihre Hilfe.

--BT

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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