Blickpunkt Amboseli: Das Ende des Babybooms

Mit vereinten Kräften für die Zukunft: Mehrere Elefantenkühe der PC-Familie hNun ist es also soweit; wir mussten unseren Babyboom für beendet erklären. Die Amboseli-Elefanten haben wirklich ein außerordentliches Jahr hinter sich.

Am 12. Oktober 2012 setzte der Babyboom ein.

Qumquat, die Leitkuh der QB-Familie, gebar ein weibliches Elefantenkalb. Seitdem gab es in jeder Familie mindestens eine Geburt, insgesamt konnten wir 116 weibliche und 113 männliche Kälber verzeichnen. Einige Kühe sind noch schwanger und es kommen noch ein paar Babys nach, da diese jedoch erst 2010 gezeugt wurden, zählen wir sie nicht mehr zu den Babyboomern.

Die neuen Familienmitglieder werden einen großen Beitrag zur Wiederherstellung des sozialen Gefüges in den Familien leisten, das im Zuge der zahlreichen Todesfälle während der Dürre 2009 so sehr zerrüttet worden war. Alle Elefantenkühe ziehen an einem Strang, gemeinsam beschützen sie hilflose Neugeborene und abenteuerlustige ältere Kälber vor Raubtieren oder Schlammgruben und passen auf, dass sie nicht verloren gehen.  Erstgebärende Tiere erhalten Unterstützung von älteren Weibchen; einige sind im Jahr 2009 zu Waisen geworden und anstatt Hilfe von ihrer Mutter zu bekommen, sind sie jetzt in der schwierigen und anstrengenden Zeit des Kalbens auf die Hilfe ihrer Schwestern und Freundinnen angewiesen.

Einer der faszinierendsten Aspekte der Studie über das soziale Gefüge in den Familien, die wir hier mit Unterstützung des IFAW derzeit durchführen, ist die Art und Weise, wie die Beziehungen in und zwischen den Familie sich neu entwickeln, jetzt wo kleine Kälber zu versorgen sind. Und die kleinen Elefanten dabei beobachten zu können, wie sie herumtollen und spielen, ist natürlich die reinste Freude!

Leider ist nicht jedem der kleinen Elefanten so viel Lebensfreude und Fürsorge vergönnt. Wilderer erschossen letzten Monat Qumquat, die wunderschöne Leitkuh der QB-Familie. Fast genau ein Jahr, nachdem wir ihre Geburt gefeiert hatten, retteten wir Qumquats Kalb mit Unterstützung des David Sheldrick Wildlife Trust. Traumatisiert und erschöpft wurde die Kleine bei den verstümmelten Kadavern ihrer Mutter und ihrer zwei älteren Schwestern gefunden. Ein weiteres Kalb, das von Qumquats älterer Tochter Qantina, wurde vermisst und muss irgendwo allein im Busch verschollen sein, unsere Suche nach ihm war vergeblich.

Qumquat und ihre neugeborene Tochter im Oktober 2011, ein Jahr bevor sie von Wilderern erschossen wurde.

Der Vorfall führte uns mal wieder sehr schmerzhaft die grausame Realität des Elfenbeinhandels vor Augen.

Die zahlreichen Reaktionen von Unterstützern, die ihre Empörung und ihr Mitgefühl auf der Facebook-Seite des Amboseli Trust of Elephants kundtaten, gaben uns Kraft, uns weiter auf unsere Aufgaben zu konzentrieren: auf unsere Forschung und unseren Einsatz für die Elefanten in Amboseli und überall sonst auf der Welt.

Wir alle waren von der Tragödie in der QB-Familie schwer getroffen, da waren ja aber immer noch viele andere Familien, die wir mit unseren Projekten gemeinsam mit dem IFAW, der Big Life Foundation, dem Kenya Wildlife Service und unseren Partnern auf internationaler Ebene dringend schützen müssen.

Jedes einzelne Elefantenkalb ist für die Amboseli-Elefanten ein Lichtblick.

Die IFAW-Familien haben alle ihre eigenen Lichtblicke, der AA-, EA-, GB- und JA-Familie wurden insgesamt 33 Babyboomer beschert. Die GB-Familie liegt bei ihnen mit 14 Geburten an der Spitze. Die AAs und EAs haben jeweils acht Kälber und die JAs jeweils nur eins: Das reicht jedoch, denn Jody, Jetta und Jean sind alle noch schwanger und bislang hat lediglich die Leitkuh Jolene gekalbt. Die Fürsorge und der Schutz, den diese Kälber brauchen, stärken die Beziehungen in und zwischen den Familien und fördern viele Verhaltensweisen zutage, anhand derer ich besser verstehen kann, wie die Elefanten ihre Beziehungen untereinander gestalten. Die Beziehungen zwischen den Tieren sind ein ganz zentraler Aspekt unserer Studie über das soziale Gefüge der Elefantenfamilien.

Und es ist natürlich eine große Freude, bei den Kleinen zu sein, die mir immer wieder zeigen, was für tolle Geschöpfe Elefanten doch sind. Wenn ich zwischendurch mal den Mut verliere und unseren Kampf für den Schutz der Wildtiere auf schier verlorenem Posten sehe, dann denke ich einfach daran, wie toll die Elefanten in Amboseli sich gerade erholen und an all die Unterstützung und den Zuspruch, den wir durch unseren Blog und auf Facebook bekommen.

--VF

Post a comment

Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien