Blickpunkt Afrika: Genau wie für Menschen ist der 50. Geburtstag auch für Elefanten-Matriarchinnen ein großer Tag

Erfahrene Mütter wie Alison wissen, wie man junge Kälber vor der brennenden Sonne schützt.Die Dürre im Jahr 2009 veranlasste uns vom Amboseli-Elefanten-Forschungsprojekt dazu, in Zusammenarbeit mit dem IFAW eine Studie über die Störungen im sozialen Gefüge der Elefanten durchzuführen. Die schreckliche Trockenperiode hatte die Hälfte aller Matriarchinnen im Amboseli-Nationalpark das Leben gekostet. Von den „älteren Damen“ über 50 waren sogar 85% ums Leben gekommen. Diese Elefantenkühe waren vom Amboseli-Elefanten-Forschungsprojekt nun bereits seit fast 40 Jahren begleitet worden.

Es war eine schreckliche Zeit für das Forschungsteam und natürlich auch für die Elefantenfamilien, die ihre Leitkühe verloren hatten. Einige von ihnen, wie z.B. die berühmte Echo von den EBs, hatten ihre Familien angeführt seit sie Cynthia Moss und dem Forschungsteam bekannt geworden waren.

Insgesamt verloren 31 von 62 Familien ihre Matriarchinnen und viele von ihnen verloren nicht nur eine erwachsene Kuh. Am schlimmsten erwischte es die BBs, die sieben erwachsene Kühe verloren, wodurch sich für die überlebenden Tiere wirklich alles änderte. Natürlich ist der Tod alter Kühe für Elefantenfamilien nicht abwendbar, doch die Anzahl der Todesfälle im Jahr 2009 war beispiellos. Auch Kühe, die eigentlich keine Matriarchinnen sind, übernehmen nun die Führungsrolle für ihre Töchter und jüngeren Schwestern, besonders in Zeiten, wo sie sich zur Futtersuche in kleinere Gruppen aufteilen, wenn das Futter knapp wird.

Zwei Jahre nach der Dürre erholen sich die überlebenden Elefanten und das Ökosystem und wir beginnen gerade damit, einige interessante Verschiebungen im Sozialverhalten der Tiere zu dokumentieren. Unser Babyboom hält uns ziemlich auf Trab, sogar so sehr, dass ich manchmal das Gefühl habe, nicht mehr mithalten zu können. Die letzten zwei Monate haben die Elefanten in sehr großen Gruppen von 200 oder 300 Tieren verbracht, was natürlich wunderschön anzuschauen ist, aber auch weniger Zeit zulässt, die Studienfamilien zu beobachten.

Vor ein paar Wochen ist es mir dann gelungen, ein wenig Zeit mit einer der Studienfamilien, den AAs, zu verbringen. Sie hatten offensichtlich genug davon, sich ständig unter so viele andere Familien zu mischen und sich an ihren üblichen Aufenthaltsort am Rand des Enkongu Narok-Sumpfs auf der Westseite des Parks zurückgezogen. Sie haben sechs neue Kälber dazu bekommen und ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, mit ihnen Zeit zu verbringen und zu sehen wie die Neuzugänge sich auf die Dynamik zwischen den drei übrig gebliebenen „Großen“ in der Familie, Alison, Agatha und Amelia ausgewirkt hatten.

Alison letztes Kalb, ein robuster kleiner Bulle, ist am 25. Januar geboren. Als ich gerade ein paar Notizen in meinem Familienbuch machte (das wertvolle Notizbuch, in dem ich Geburten, Todesfälle und interessante Familienereignisse aufzeichne), fiel mir Alisons Geburtstag auf. Elefanten, die vor dem Beginn der Studie im Jahr 1972 geboren wurden, wird als Geburtsmonat der Januar als „offizielles“ Geburtsdatum zugewiesen. Da Alison 1962 geboren worden war, hatte sie also gerade ihren offiziellen 50. Geburtstag gehabt.

Mal ganz abgesehen vom erhebenden Gefühl, sich in Gesellschaft eines Elefanten zu befinden, der schon ein halbes Jahrhundert auf der Welt ist, ist der 50. Geburtstag natürlich auch für mich als Biologin eine ganz besondere Angelegenheit. Obwohl wir das Alter der Tiere fortlaufend bestimmen und aufzeichnen (d.h. wir haben exakte Zahlen, vom Geburtsdatum aus errechnet, z.B. 12,4 Jahre alt), fassen wir Elefanten aus zwei Gründen bisweilen auch in Altersklassen zusammen, wenn wir bestimmte Faktoren untersuchen.

Zum einen tun wir das, wenn wir Erkenntnisse über altersspezifische Veränderungen für biologisch relevante Kategorien gewinnen wollen. Eine Elefantenkuh zwischen 10 und 20 Jahren unterscheidet sich natürlich sowohl in biologischer Hinsicht als auch in Bezug auf ihr Sozialverhalten von einer Elefantenkuh im Alter von 30 bis 40 Jahren, was u.a. mit ihren Erfahrungen, Geburten, ihren Beziehungen mit anderen Elefanten innerhalb ihrer Familie oder ihres Clans zusammenhängt.

Für einige unserer Analysen ist es daher durchaus sinnvoll, die Tiere in Altersklassen zusammenzufassen, um etwas über die Veränderungen zwischen den verschiedenen Lebensabschnitten zu erfahren.

Die schläfrige Alison legt den Rüssel auf ihrer schlafenden Enkelin ab, und ihr jüngstes Kalb döst im Stehen.Der zweite Grund für das Zusammenfassen in Altersklassen ist unser Anspruch, mit den Forschungsergebnissen aus dem Amboseli-Projekt ganz allgemeine Aussagen über das Leben von Elefanten treffen zu können. Die Amboseli-Studie ist die am längsten laufende Elefantenstudie aller Zeiten. Bei den meisten Studienpopulationen liegen keine genauen Geburtsdaten für die erwachsenen Tiere vor, und unsere Daten aus der Amboseli-Studie werden oft dazu herangezogen, das Alter der Tiere in anderen Populationen zu schätzen. Es ist wichtig, dass wir Altersschätzungen für alle Populationen abgeben können, um Unterschiede zu sehen und die große Bandbreite an Verhaltensweisen und Interaktionen mit der Umwelt zu verstehen, die Elefanten an den Tag legen.

Die verlässlichste Methode, das Alter eines Elefanten zu bestimmen, ist über seine Zähne. Anders als bei Menschen kommen die Zähne bei Elefanten nicht alle gleichzeitig. Menschen verlieren ihre Milchzähne und ungefähr ab dem 6. Lebensjahr bilden sich die Erwachsenenzähne alle auf einmal heran (und wir erinnern uns doch alle daran, wie aufregend diese Phase für Kinder ist!). Menschen haben zwei vordere Backenzähne und zwei oder drei hintere Backenzähne (je nachdem, ob man Weisheitszähne bekommt oder nicht).

Die Zähne der Elefanten sind anders. Die auffälligsten sind natürlich die beiden vorderen Schneidezähne, die sich zu Stoßzähnen ausgebildet haben und die sowohl zum Fressen als auch zur Verteidigung dienen. Leider haben diese abgewandelten Schneidezähne auch zu der tragischen Entwicklung geführt, dass Elefantenpopulationen in ganz Afrika und Asien durch Elfenbein-Wilderei nach wie vor stark dezimiert werden.

Elefanten haben sechs Backenzähne in jedem Kieferviertel (zweimal sechs oben und zweimal sechs unten), die nach und nach herauswachsen. Während die ersten Zähne im Einsatz sind, bilden sich bereits neue Zähne heran, schieben sich, wenn sie größer werden, am Kiefer entlang und drücken den alten (durch das Kauen harter Pflanzenfasern abgenutzten) Zahn weg, der daraufhin in kleinen Stücken hinausfällt, wenn er vorne am Kiefer angekommen ist. Indem man feststellt, welche Zähne gerade im Einsatz sind, ist es möglich, das Alter eines Elefanten zu bestimmen. In Amboseli bestimmen und untersuchen wir seit über dreißig Jahren Elefantenzähne und benutzen dabei die Daten von Tieren, deren Alter bekannt ist, um die veröffentlichten Altersskalen noch präziser zu machen. Andere Elefantenforscher ziehen die Daten aus Amboseli heran, um das Alter von Tieren in weniger erforschten Populationen zu bestimmen.

Es ist selbstverständlich nicht leicht, an die Zähne eines Elefanten heranzukommen. Der Elefant muss dazu entweder bewegungsunfähig sein (z.B. während des Anpassens von Senderhalsbändern oder einer tierärztlichen Behandlung) oder tot. Deshalb werden die meisten Altersschätzungen aufgrund von Körpergröße oder -Proportionen vorgenommen. Bei jungen Elefanten ist diese Methode noch recht leicht anwendbar, bei älteren gestaltet sie sich jedoch schwierig. Forscher können so beispielsweise eine mittelalte Elefantenkuh der Altersklasse„zwischen 35 und 40 Jahre“ zuordnen. Aber eben aufgrund genau dieser Unsicherheit bei den Altersbestimmungen in vielen Elefantenpopulationen ist es für bestimmte Untersuchungen sehr nützlich, Tiere mit ähnlichem Alter in Altersklassen zusammenzufassen.

Die Erforschung der Amboseli-Elefanten hat gezeigt, dass ältere Kühe für ihre Familien sehr wichtige soziale Bezugspunkte sind. Diese Erkenntnis und andere können wir nur gewinnen, indem wir Elefanten wie Alison ein Leben lang beobachten. Alisons jahrzehntelange Erfahrung kam ihrer Familie immer zugute und wird das auch weiterhin tun.

Und im Rahmen unserer Arbeit wollen wir wiederum unsere jahrzehntelange Erfahrung und Erkenntnis jenen zugute kommen zu lassen, die sich weltweit für den Schutz der Elefanten einsetzen.

--VF

Helfen Sie dem Internationalen Tierschutzfonds bei seiner Arbeit zum Schutz von Elefanten vor dem grausamen Elfenbeinhandel. Sagen Sie jetzt „Nein zum Elfenbein“ und unterschreiben Sie unsere Online-Petition.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien