Blickpunkt Äthiopien: Workshop wappnet Behörden gegen Wildtierschmuggler

Ewnetu Bilata, Leiter der äthiopischen Naturschutzbehörde EWCA hört an einem der Workshoptage den Gruppengesprächen zu.Mehr als 30 Mitarbeiter äthiopischer Strafverfolgungsbehörden nahmen vor kurzem an einem fünftägigen Workshop teil, bei dem sie im Umgang mit Wildtierschmuggel geschult wurden.

An dem in Zusammenarbeit der äthiopischen Naturschutzbehörde EWCA (Ethiopian Wildlife Conservation Authority) und des IFAW konzipierten Workshop, der laut EWCA der erste dieser Art in Äthiopien überhaupt war, nahmen Vertreter der Zollbehörde, der Polizei, der Streitkräfte, des nationalen Interpol-Büros, des nationalen Gerichtshofs sowie der EWCA teil.

Als Ewnetu Bilata, Leiter der Naturschutzbehörde EWCA von 30 Elefanten berichtete, die in den letzten 12 Monaten im Babile Elephant Sanctuary ihr Leben verloren hatten, war das für die Workshopteilnehmer, -Leiter, und -Organisatoren eine traurige Erinnerung daran, dass kriminelle Banden rund um die Uhr damit zugange sind, Afrika und den Rest der Welt ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt zu berauben.    

Als erstes gemeinsames Projekt, das aus der seit drei Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen EWCA und IFAW hervorgegangen war, stellte sich der Workshop sowohl für die Teilnehmer als auch für die Leiter als großer Erfolg heraus. An der Bedarfsanalyse, die sowohl im Vorfeld des Workshops als auch nach fünf Tagen im Anschluss daran durchgeführt wurde, zeigte sich ganz deutlich wie sehr alle Beteiligten tatsächlich profitiert hatten.

Es wurden u.a. Seminare über den Schutzstatus von Wildtieren, über die Identifizierung von Tierarten, Straftaten und Strafverfolgung im Zusammenhang mit Wildtieren, internationale Handelsabkommen und -Organisationen und nationale Gesetze sowie ihre Durchsetzung durchgeführt. Neben Handbüchern, in denen alle unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES geschützten Arten aufgeführt sind, bekamen die Teilnehmer auch Handbücher mit speziell in Äthiopien vorkommenden Arten.

Versteckspiel mit „Zollbeamten“

In einer der Praxisübungen des Workshops übernahmen die Teilnehmer entweder die Rolle eines Zollbeamten oder die eines Passagiers, der die Zoll-Kontrolle passiert. Da über 90% der Teilnehmer bisher weder mit Wildtierprodukten, die CITES-Regulationen unterliegen, geschweige denn mit Schmugglertaktiken zum Durchschleusen solcher Produkte in Berührung gekommen waren, war es interessant zu sehen, dass lediglich ca. 30% der „Passagiere“ als Schmuggler enttarnt wurden.

Demzufolge waren ziemlich viele „Passagiere“ also völlig unbehelligt durch die Zoll-Kontrolle gelangt – einer hatte sein Produkt einfach angezogen (Schuhe); einige schnallten sich ihre Gürtel um; aber die absolute Krönung war ein 10 Kilo schweres Stück glänzenden Rohelfenbeins, das den „Zollbeamten“ zu ihrem großen Ärger, aber natürlich zur großen Freude der „Passagiere“ und Trainer durch die Lappen ging. 

„Zollbeamte“ überprüfen Gepäck und Papiere eines „Passagiers“.

Dieses Rollenspiel hatte zwei Ziele – zum einen sollte es Aufschluss darüber geben, ob die Teilnehmer die Theorieseminare der vergangenen drei Tage über die Identifizierung von Arten, die Schmuggeltechniken und die internationalen Bestimmungen und Abkommen verstanden und verinnerlicht hatten. Zum anderen sollten die Teilnehmer lernen, stets wachsam zu sein und ein Auge dafür zu entwickeln, wie erfinderisch und kreativ Menschen beim Schmuggel sein können.

Auf den Märkten von Addis Abeba

Indem sie vorgaben, sich für Wildtierprodukte und besonders für Schmuck aus Elfenbein zu interessieren, bummelten die Teilnehmer und Seminarleiter über die drei größten Märkte Addis Abebas und führten eine kleine Teststudie durch.

Die meisten hatten keinen Erfolg, entweder weil die Händler misstrauisch wurden, weil sie laut eigener Aussage aufgrund des hohen Risikos den Handel aufgegeben hatten oder weil die „Einkäufer“ nicht beharrlich genug waren. Bloß eine Handvoll Händler gab Hinweise darauf, dass der illegale Handel noch betrieben wird und dass ein Kunde, der aufmerksam und beharrlich genug ist, sein Wunschobjekt auch bekommen kann – aber das hat dann auch seinen Preis.

Als ich vor ungefähr acht Jahren zum letzten Mal in Addis Abeba war, wurden auf allen Märkten Wildtier- und Elfenbeinprodukte offen zum Verkauf angeboten. Es war also eine positive Überraschung, dass dieses Mal viele Händler kein Elfenbein verkauften, sondern sich im Gegenteil des großen Risikos bewusst waren – das zeigt, dass die Bemühungen der EWCA im Bereich Strafverfolgung und Aufklärung der vergangenen zwei Jahre Früchte tragen. 

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir dank unserer Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Behörden wie der Zollfahndung, der Polizei und den Gerichten sichtbare Ergebnisse erzielt. Die EWCA hat in diesen Behörden Aufklärungsprogramme durchgeführt und die Polizei ist nun in der Lage Plastik von Elfenbein zu unterscheiden“, so Yeneneh Teka, Leiter der Abteilung Wildtierschutz der EWCA. 

Teka fügte noch hinzu, dass auch für weitere Aufklärungsprogramme Bedarf bestehe, dass jedoch die größte Hürde dafür mangelnde finanzielle Ressourcen seien. Auf diesem Gebiet wollen EWCA und IFAW durch ihre Zusammenarbeit definitiv in den kommenden Jahren Abhilfe schaffen.

Nach dem Workshop

Im Anschluss an den Workshop formulierten die Teilnehmer einige Richtlinien und Vorsätze, u.a., dass sie ihr neu erworbenes Wissen an ihre Kollegen am jeweiligen Arbeitsplatz weitergeben; dass sie sich für den Aufbau eines offiziellen Netzwerks von nationalen Strafverfolgungsbehörden engagieren; und dass sie in ihren jeweiligen Behörden und nichtstaatlichen Organisationen darauf hinarbeiten, dass die Prävention von Wildtierschmuggel von der Regierung künftig als Priorität behandelt wird.

- EW

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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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