Blick nach Südafrika: Tierschutz zwischen Streiks, Razzien und Korruption

Folge I

Es gibt vieles worauf ich mich freue, wenn ich das IFAW-Tierschutzprojekt für Hunde und Katzen in Johannesburg besuche, aber ganz besonders darauf, dass man einfach nie weiß, was als Nächstes passiert, wenn man die Projektleiterin Cora Bailey bei ihrer täglichen Arbeit in den Townships im Südwesten von Johannesburg begleitet.

Der extreme kurz angebundene kleine Hund, der angeblich Hühner reißt.Wir kamen am Montagmorgen sehr früh dort an und ehe wir noch die für den Tag anstehenden Punkte durchgehen konnten, saßen wir schon in einer Sitzung des Stadtrats von Johannesburg, einer „Sitzung zur Beratung über ein sicheres Johannesburg“ im Rahmen einer Initiative zur Erarbeitung einer Strategie zur Wachstumsentwicklung anlässlich der Community Safety Week.

Die junge Rottweiler-Hündin, die aus der Taverne gerettet wurde, neben IFAW-Helfer Toby.Cora war zu der Sitzung eingeladen worden, um auf die verschiedenen Probleme aufmerksam zu machen, mit der sie bei ihrer Arbeit des Projekts für Hunde und Katzen in Johannesburg, die in der veterinär-medizinischen Versorgung von Gemeinden in Soweto besteht, konfrontiert wird. Zu diesen Problemen zählt auch die mangelnde Hilfsbereitschaft der Polizei und anderer staatlicher Behörden. Ein weiteres Problem ist der illegale Verkauf von Aldicarb. Er führt dazu, dass täglich Tiere beingeliefert und behandelt werden müssen, weil sie das Gift entweder versehentlich zu sich genommen haben oder absichtlich vergiftet wurden. Während der Sitzung erfahren wir, dass sich vor dem Sitzungsgebäude ein Streik statt findet.

Ironischerweise begleiten wir Cora ein paar Stunden später zur Rettung eines Journalisten und einer jungen Rottweiler-Hündin aus einer nigerianischen Taverne, in der eine Drogenrazzia stattgefunden hatte. Wir erfahren von dem Journalisten, dass die Polizei ihn nach der Razzia vor der Taverne mit einer Gruppe wütender Nigerianer stehen hatte lassen und ein verängstigter Rottweiler immer noch im Gebäude eingeschlossen war.

Der Journalist wollte die Taverne nicht verlassen, bevor der Hund befreit war und es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass sich weder die Jungs von der Polizei noch von der Krankenrettung für den Hund interessierten. Und hier die pure Ironie: Cora musste die Stadtratssitzung zum Thema Sicherheit verlassen, um dem Journalisten und dem Hund zu helfen. Das war alles ziemlich unwirklich und so erlebten mein Kollege und ich also an einem Morgen zuerst einen Streik und dann eine Razzia.

Folge II

Nach einem ereignisreichen Start in die Woche entscheiden wir, dass wir den nächsten Tag in einer neuen informellen Siedlung in einer Gegend namens Magaliesberg, ca. 45 Minuten von der Hunde- und Katzenklinik entfernt, verbringen werden. Cora ist erst das zweite Mal in dieser Siedlung und sie ist immer noch dabei, Kontakte in der Gemeinde aufzubauen und das Vertrauen der Leute zu gewinnen.

Es ist eine von Landwirtschaft geprägte Gegend und die Gemeinde bringt Leuten von außen nicht sehr viel Vertrauen entgegen. Der Projektmitarbeiter De Villiers Katywa begleitet uns mit dem Wagen der mobilen Tierklinik, wir liefern zwei Hunde wieder in ihrem Zuhause ab, die in der Klinik behandelt worden waren und wir behandeln eine Reihe von Hunden und Katzen und nehmen einige Hunde zur Kastration mit.

Die meisten Tiere scheinen in einem guten Zustand zu sein, was ein gutes Zeichen ist. Es verstört uns jedoch ein wenig, dass ziemlich viele Hunde an sehr kurzen Ketten angebunden waren, angeblich um sie davon abzuhalten, ihren Besitzern und deren Nachbarn die Hühner zu stehlen.

Wir entscheiden, einen sehr traumatisierten und verschreckten Hund seinem Besitzer wegzunehmen, da er in einer Ecke angebunden war und weder Bewegungsfreiheit noch Futter oder Wasser hatte.

Laut seinem Besitzer tötet er Hühner und er kann angeblich nicht anders.

Cora und De Villiers unterhalten sich mit den Besitzern und geben ihnen Ratschläge, wie sie ihre Hunde auch in Zukunft anbinden, ihnen aber mithilfe von Auslaufleinen mehr Freiheit lassen können. Wir hatten Draht mitgebracht und übergeben sie den Besitzern, damit sie sich Auslaufleinen basteln können.

Ein wenig später besuchen wir ein ganz besonderes kleines Mädchen, das ganz allein mit drei Hunden, einem Welpen und vier Kätzchen ist, weil ihr Großvater ins Krankenhaus musste.

Der Brunnen auf dem Gelände des Ortsvorstehers, im Vordergrund der Junge, der Wasser kaufen will, im Hintergrund der Sohn des Vorstehers.Sie hat kein Geld für Futter oder Wasser und sie erzählt uns, dass die Hunde kein Wasser haben, da der Ortsvorsteher einen Rand für einen 25-Liter-Kanister Wasser verlangt.

Als Cora mit der Frau des Ortsvorstehers spricht, wird ihr gesagt, dass die Leute lügen würden und sie nichts für Wasser verlangen. Weniger als fünf Minuten später kommt ein kleiner Junge, um Wasser aus dem Brunnen des Ortsvorstehers zu holen und wir sehen alle ganz genau wie er zwei Rand für zwei 25-Liter-Kanister Wasser übergibt.

Wir erfahren, dass der Ortsvorsteher die öffentliche Wasserleitung gekappt hat und die Verwaltung mit Absicht nicht darüber informiert, dass die Gemeinde Wasser benötigt, so dass die Leute gezwungen sind, bei ihm das Wasser zu kaufen.

Das verursacht einen kleinen Aufruhr und die Frau des Ortsvorstehers zeigt sich äußerst pikiert und aufbrausend über unsere Unterstellung, die Anwohner müssten bezahlen.

Wir bringen dem kleinen Mädchen Wasser und die Hunde schlabbern es gierig weg. Wir nehmen den Welpen mit, um neue Besitzer für ihn zu finden, da das Mädchen sagt, dass es sich ihn nicht leisten kann. Cora wird hinsichtlich der Wassergeschichte noch einmal nachhaken, da einige Dorfbewohner wohl mittlerweile bedroht worden sind, nachdem sie mit uns gesprochen haben.

Alles in allem waren das nur ein paar kleine Ausschnitte aus zwei aufregenden Tagen beim Tierschutzprojekt für Hunde und Katzen in Johannesburg.

- LCH

 

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe