Bericht zur Rechtfertigung von Robbentötungen erweist sich als Unsinn

 

Massentötungen von Kegelrobben wurden in Kanada bereits allzu oft ausgerufen und so kommt es wenig überraschend, dass der Fisheries Resource Conservation Council (FRCC), ein hauptsächlich aus Vertretern der Fischfangindustrie bestehendes Beratergremium des Meeres- und Fischereiministeriums, dies nun in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht erneut tut.

Eine wichtige Neuheit ist allerdings, dass diesmal eine Reihe von Meeresforschern „genug ist genug“ sagt, sich lauthals gegen den Aufruf ausspricht und den FRCC-Bericht, der in einem Arbeitskreis des Fischereiministeriums erarbeitet wurde, als voreingenommen verurteilt. Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass sich die Forderung nach Tötungen von Kegelrobben wissenschaftlich in keiner Weise rechfertigen lässt. IFAW-Experten vertreten diese Ansicht seit Jahren.

Der wissenschaftliche Berater des IFAW Dr. David Lavigne hat gemeinsam mit fünf weiteren prominenten Meeresforschern einen offenen Brief an den kanadischen Fischerei-Minister gerichtet, der den FRCC-Bericht, der die Tötung erheblicher Robbenbestände im St.-Lorenz-Golf empfiehlt, um „die Hypothese zu überprüfen, dass Robben hauptsächlich dafür verantwortlich sind, dass die Grundfischbestände sich nicht erholen“, klar verurteilt.

In dem offenen Brief wird die Forderung, die Tötung der Robben als Experiment durchzuführen, als unsinnig bezeichnet. Es sei schlicht und einfach nicht möglich, Variablen in der Natur zu kontrollieren und es bestehe außerdem keine Möglichkeit zur Wiederherstellung des Ausgangszustands. Führt man die Tötung durch, kann man nie sagen, was passiert wäre, wenn die Tötung nicht stattgefunden hätte.

Ein erheblicher Mangel im FRCC-Bericht besteht darin, dass er die Wechselbeziehung zwischen Robben und anderen Arten nicht untersucht und, genau wie der Science Advisory Report des Fischereiministeriums, gänzlich die positiven Auswirkungen der Kegelrobben und anderer für das Ökosystem wichtige Raubtiere ignoriert.

Die Anzahl der Wissenschaftsvertreter wächst, die die Annahme in Frage stellen, dass die Robben der Grund für die ausbleibende Erholung der Grundfischbestände sind. Eine vor kurzem erschienene Studie des Bedford Institute of Oceanography und der Queens University (veröffentlicht in Nature) zeigt auf, dass Kabeljaubestände und andere Grundfischbestände im Eastern Scotian Shelf sich durchaus erholen und das trotz der Tatsache, dass diese Gegend die größten Kegelrobbenbestände in den Atlantischen Provinzen Kanadas beheimatet.

Der jüngste Aufruf zur Tötung von Kegelrobben ist Unsinn. Die Robben verantwortlich zu machen und gleichzeitig die Probleme, die aus Überfischung, Klimawandel und Beifang entstehen, zu ignorieren, ist vielleicht für Politiker eine sehr nahe liegende Herangehensweise. Leider wird sie nicht zur Erholung von Kabeljaubeständen beitragen, sondern vielleicht im Gegenteil eher das Meeresökosystem weiter zerstören und ganz bestimmt viele Grausamkeiten anrichten.

- SF

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Experten

Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union