Bedrohte Gibbons in Indien umgesiedelt

Dienstag, November 29, 2011
Arunachal Pradesh, Indien

Diese Woche starteten Tierärzte und Biologen des IFAW-WTI (Internationaler Tierschutz-Fonds-Wildlife Trust of India), einen Rettungseinsatz im Nordosten Indiens, um eine isolierte Gruppe bedrohter Hulock-Gibbons in ein sicheres Schutzgebiet zu bringen. Die in kleinen Baumgruppen gestrandeten Gibbons gehören zu den letzten ihrer Art in Indien. Die ersten beiden Tiere wurden erfolgreich umgesiedelt und gestern im Mehao Wildlife Sanctuary ausgewildert.

Das IFAW-WTI-Team unterstützt die Rettungsmaßnahme der staatlichen Forstverwaltung, die 18 gestrandeten Gibbonfamilien bessere Überlebenschancen bieten soll.

Hulock-Gibbons sind die einzigen Affen der Gruppe der Menschenartigen in Indien, sie kommen nur noch im Nordosten des Landes vor. Es gibt zwei Arten: den östlichen Hulock-Gibbon (Hoolock leuconedys) und den westlichen Hulock-Gibbon (Hoolock hoolock). Letzteren stuft die Rote Liste gefährdeter Arten der IUCN als vom Aussterben bedroht ein, sie sind geschützt durch Anhang 1 des Indian Wild Life (Protection) Act. Laut IUCN lebten 2006 in Indien noch ca. 170 östliche und 2430 westliche Hulock-Gibbons.

Die Zerstückelung ihres Lebensraums, Wilderei und illegaler Wildtierhandel sind die Hauptbedrohungen für die Hulock-Gibbons. Populationen beider Arten kämpfen in auseinandergerissenen Waldstücken ums Überleben.

„Gibbons sind hochspezialisierte Bewohner der Baumwipfel. Sie benutzen ihre langen Arme, um sich an den Ästen entlang zu hangeln. Ihre Physis ist nicht fürs Laufen gemacht, so dass sie am Boden zu leichter Beute werden“, so Dr. Ian Robinson, Leiter der IFAW-Tierrettung. „Deshalb würden sie unter natürlichen Bedingungen nur sehr selten die Baumkronen verlassen.“

In dem entlegenen Dorf Dello jedoch sahen die Einwohner die Gibbons von den Bäumen herunterkommen auf der verzweifelten Suche nach Futter. Früher gab es dichten Baumbestand in der Gegend und eine gesunde Gibbon-Population, doch das extensive Fällen privater Wälder in jüngster Zeit ließ den 18 verbliebenen Gibbon-Familien nur kleine, von Ackerland umzingelte Bauminseln übrig. Die gegenwärtige Situation lässt den Affen kaum Möglichkeiten, Nahrung zu finden.

Das Expertenteam entschied, dass eine Umsiedelung in einen geeigneteren Lebensraum die einzige Möglichkeit ist, die Gibbons zu retten.

„Das IFAW-WTI-Team wird die ausgewilderten Gibbons die nächsten sechs Monate beobachten“, so Dr. NVK Ashraf, Chef-Tierarzt des WTI. „Dies ist unser erster Versuch, Gibbons in Indien umzusiedeln.“

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