Bali könnte in Sachen Tierschutz weltweites Vorbild sein

Balinesische Kindergartengruppe nach einer Aufklärungsstunde in Sachen Tierschutz. c. 2012 IFAWAm 16. Februar erschien in der Jakarta Post der Artikel „Bali senkt Alarmstufe für Tollwut: Gute oder schlechte Nachricht?“. Es wurde berichtet, dass infolge inselweiter Impfaktionen die balinesische Gesundheitsbehörde die Alarmstufe für Tollwut auf der Insel gesenkt hat. Janice Girardi, Gründerin und Leiterin der vom IFAW geförderten Bali Animal Welfare Association (BAWA), sieht diese Nachricht durchaus mit kritischen Augen und ruft uns in Erinnerung, dass die Ausrottung von Tollwut ein langwieriger Prozess ist, zu dem weit mehr gehört als nur Impfungen. – HL

Von Janice:

Es war immer klar, dass an einem Ort wie Bali drei Tollwut-Impfkampagnen notwendig sein würden. Obwohl nach unserer ersten Kampagne die Anzahl der Tollwutfälle um 70% zurückging und es nach der zweiten Kampagne weitere Fortschritte gab, ist die Tollwut immer noch da und jeder sollte nach wie vor vorsichtig sein.

Wenn man Tollwut so leicht ausrotten könnte, dann wären alle asiatischen Länder, die immer noch mit dem Virus zu kämpfen haben, längst von ihm befreit. Es ist keine leichte Aufgabe, aber es ist machbar. Mit einem soliden, kontinuierlichen Impfprogramm, einem sofortigen Verbot für Massentötungen von Hunden, strengen Grenzkontrollen, Lizenzerteilung für Hundezüchter und Tierhändler sowie kontinuierlichen Aufklärungsprogrammen können wir erfolgreich sein. Im Rahmen der Impfkampagne, die von BAWA und WSPA gemeinsam durchgeführt und vom IFAW gefördert wird, wurden innerhalb von einem Jahr fast 300 000 Hunde geimpft. Eine gelungene Aktion.

Nach wie vor fließen Geld und viel Arbeit in das Programm. Es ist allerdings bedauerlich, dass immer noch Hunde, und darunter auch geimpfte Hunde, auf inhumane Weise getötet werden. Organisationen wie die WHO, FAO, WSPA, der IFAW und andere Tollwutexperten warnen alle davor. Wenn auf Bali Hunde weiterhin getötet werden, wird man nie die Herdenimmunität erhalten, die zur Ausrottung der Epidemie nötig ist. Außerdem ist es eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Massentötungen von Hunden verstoßen gegen die hinduistische, muslimische genauso wie gegen die christliche Religion. Wenn wir Tollwut bekämpfen wollen, müssen wir die Hunde impfen, dann die neugeborenen Welpen impfen, die Leute über das Verhalten von Hunden und die Vorbeugung vor Hundebissen aufklären und alle größeren Krankenhäuser und Kliniken mit den Mitteln zur postexpositionellen Behandlung ausstatten. Tierschutz und verantwortungsvolle Tierhaltung sollten außerdem in den schulischen Lehrplan integriert werden.

Wir sollten nicht erwarten, dass eine Kultur, die bislang nie Haustiere hatte oder ein Verständnis des Verhaltens von Hunden entwickeln konnte, innerhalb so kurzer Zeit einen verantwortungsvollen Umgang lernt. Doch wir sollten gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten. Bali sollte der Welt mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass ein Tollwutprogramm auch mit einer humanen Behandlung der Tiere erfolgreich sein kann.

Vielen Dank.

Janice Girardi

The Bali Animal Welfare Association

*Dieser Kommentar erschien am ersten März in der Druckausgabe der Jakarta Post und kann hier nachgelesen werden.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe