Aufklärung zum Wildtierhandel im Europaparlament

Als ich beim IFAW ankam, war ich auf vieles gefasst. Immerhin ist der IFAW eine Organisation, die Artenschutzprojekte in jeder Ecke der Welt betreibt und weltweite Kampagnen auf die Beine stellt. Damit im Hinterkopf machte ich mich natürlich schon darauf gefasst, dass meine tägliche Arbeit einiges an Aufregendem für mich bereithalten würde.

Nicht in meinen wildesten Träumen hätte ich mir allerdings ausgemalt, dass ich irgendwann einen ausgestopften Leoparden durch die Gänge des Europaparlaments schieben würde -und doch genau so kam es.

Sie fragen sich vielleicht, was ich wohl mit dieser Kreatur anstellen will, denn immerhin kämpft der IFAW ja genau gegen solche Wildtier-Souvenirs. Doch da sind wir schon genau beim Knackpunkt. Die Feriensaison rückt näher, Millionen Leute sind auf dem Sprung in den Urlaub ins Ausland und bei dieser Gelegenheit möchte der IFAW Reisende daran erinnern, doch besser zweimal darüber nachzudenken, welches Souvenir sie da jetzt genau mit nach Hause bringen. Und bei den Europäischen Abgeordneten fangen wir eben damit an.

Wir entschieden, die Veranstaltung im Europaparlament stattfinden zu lassen, da dieser Ort dem IFAW eine ideale Plattform bietet, die Botschaft von „Think Twice“ an die erlesenen und einflussreichen Europaabgeordneten, Beamten, Besucher und Medien auszusenden.

In einer Zeit, in der so viele Arten aussterben wie nie zuvor, müssen wir alle besonders darauf achten, dass wir alles tun, um das Artensterben einzudämmen. Jeden Tag sterben bis zu 150 Arten aus. Ein Hauptgrund dafür ist der Handel mit Tieren und der Konsum von Tierprodukten. Angekurbelt wird dieser Handel hauptsächlich durch Urlauber, die solche Souvenirs kaufen.

MEP Bas Eickhout hält ein „Think Twice“-IFAW-Shirt.Deshalb waren wir auch MEP Bas Eickhout und der belgischen Zollbehörde dankbar, dass sie uns bei der Ausrichtung des “Think Twice”-Events im Europaparlament geholfen haben. Der Zoll stellte uns freundlicherweise den ausgestopften Leoparden sowie eine schockierende Auswahl von Gegenständen zur Verfügung wie Shahtoosh-Schals, Leopardenhäute, Elfenbein und Schildkrötenpanzer, ganz zu schweigen von einem Hocker aus Elefantenfuß. Jeder dieser Gegenstände war vom belgischen Zoll konfisziert worden und in der Vielfalt der Artikel spiegelt sich sehr anschaulich das unglaubliche Ausmaß des Problems wider.

Wertmäßig ist die Europäische Union die Nr. 1 der Importeure von Wildtier- und Wildpflanzenprodukten, darunter Tropenholz, Kaviar, Reptilienhäute und lebende Reptilien. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben eine ganz klare Verpflichtung, den legalen Wildtierhandel streng zu regulieren und den illegalen vehement zu unterbinden. In den Ländern, wo die Tiere bedroht sind, muss die EU ebenfalls über ihre Außen-, Entwicklungs- und Umweltpolitik Maßnahmen und Programme fördern, die darauf abzielen, diese Arten zu schützen.

Eins der EU zur Verfügung stehenden Instrumente ist die Investition in Maßnahmen gegen Wilderei, z.B. in Form von Anti-Wilderer-Ausbildungen. Die EU stellt schon einige Unterstützung in diesem Bereich bereit. Auch der IFAW finanziert die Ausbildung von Anti-Wilderer-Teams.

Die EU muss jedoch noch aktiver werden.

Ebenfalls ist wichtig, dass die EU hier eine einheitliche und klare Linie verfolgt. Deshalb muss die EU bei internationalen Treffen wie der CITES, auf denen die Zukunft der Arten debattiert wird, stets ihre Vorsorgeabsicht vertreten und kundtun.

Schauen wir auf die Beispiele Elefanten und Elfenbein, die zu den begehrtesten Souvenirs gehören, dann können wir sehr gut den Einfluss sehen, den die EU hat. Kürzlich stattgefundene legale Verkäufe von Lagerbeständen, die teilweise von der EU unterstützt wurden, heizten den illegalen Handel und folglich das Wildern von Elefanten an. Wir dürfen nie vergessen, dass für jedes Stück Elfenbein ein Elefant sein Leben verloren hat.

Die EU muss auch innerhalb ihrer eigenen Grenzen ihre Bürger über den Schaden aufklären, den jeder Einzelne mit dem Kauf eines Wildtiersouvenirs anrichtet.

Deshalb hat der IFAW eine neue Ausstellung im Flughafen Schiphol in Amsterdam eingerichtet. Der illegale Handel mit Wildtierprodukten ist ein millionenschweres organisiertes Verbrechen, das direkt hinter Waffen- und Drogenhandel rangiert. Doch während zur Bekämpfung der letzteren hohe Mittel freigesetzt und harte Strafen angewandt werden, lässt sich im Bereich des illegalen Wildtierhandels recht unbehelligt agieren. Wenig Regulierung und ineffektive Sanktionen sorgen dafür, dass das Geschäft immer lukrativer wird und eine verhältnismäßig sichere Variante des organisierten Verbrechens ist. Auch für Warlords im zerrütteten Somalia und die Dschandschawid-Miliz in Darfur ist der Wildtierhandel mittlerweile eine Einkommensquelle geworden.

Den meisten Touristen ist nicht bewusst, dass sie dieses illegale Geschäft mitfinanzieren, denn die Wildtiergegenstände werden ganz offen auf den Märkten, in schicken Läden und sogar auf dem Flughafen angeboten. Jeglicher internationale Handel mit diesen Arten oder aus diesen Arten gewonnenen Produkten ist illegal. Wenn Sie mit einem solchen Gegenstand im Koffer in Ihr Heimatland einreisen, machen Sie sich strafbar. Wir hoffen, dass wir mit unserer Ausstellung im Europaparlament und am Flughafen Schiphol sowie an einigen deutschen Flughäfen einen Beitrag zur Unterbindung dieses Handels leisten.

Also sage ich allen, die diesen Beitrag lesen, wenn Sie in Ihre wohlverdienten Ferien fahren, denken Sie bitte immer daran: „Wenn keiner kauft, bleiben die Tiere wohlauf.“

- SS

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe