Auf der Biodiversitätskonferenz meldet sich die Jugend zu Wort

Peter Pueschel, Programmleiter des Internationalen Tierschutz-Fonds, beschreibt die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Tierwelt und erklärt, was wir zu tun haben, um gefährdete Arten besser zu schützen.

Nach eineinhalb anstrengenden Wochen im indischen Hyderabad stehen immer noch viele ungelöste Probleme im Raum. 

Das ist angesichts der zahlreichen Interessengruppen und ihren noch zahlreicheren Interessen keine Überraschung.

14.000 Delegierte vertreten in der Biodiversitäts-Konvention (Convention on Biological Diversity – CBD) die Interessen fast aller Länder der Welt, die der Reichen und der Armen, der Industrie und der Unternehmen, der Großen und der Kleinen, die Interessen der indigenen Völker, der kleinen Dörfer, der riesigen Städte und vieler anderer.

Und mittendrin sind Umweltschutzorganisationen wie wir, von denen die wenigsten sich für den Tierschutz einsetzen.

Einige wichtige Punkte, die Thema bei der Biodiversitätskonferenz sind:

  • Die Jugend bringt frischen Wind – Die Jugend formiert sich und das ist begrüßenswert! Junge Leute aus verschiedenen Ländern haben sich in einer Delegation organisiert und bilden nun ebenfalls eine Interessengruppe: Sie vertritt die jüngeren Generationen, die am meisten zu verlieren haben, wenn wir nicht bald handeln und fordert die Berücksichtigung ihrer Interessen bei nationalen and internationalen Bestimmungen und Strategien zum Schutz der Biodiversität. Ich kann das wirklich nur gutheißen; gerade befinde ich mich übrigens in Verhandlungen, um den IFAW zum offiziellen Bildungspartner der CBD zu machen.
  • Klimaschutz muss auch die Tierwelt schützen – Das Programm zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern REDD (Reducing emissions from Deforestation and Forest Degradation), das zur Erfüllung der Klimaschutzziele geschaffen wurde. Das Programm ist auch ein wichtiges Schutzinstrument für Schlüsselarten wie z.B. Waldelefanten und ihre Lebensräume, während einige Akteure immer noch die industrielle Fortwirtschaft, Monokulturen oder Kahlschlag propagieren.
  • Viel zu viele Wildtiere sterben für „Buschfleisch“ – Über 750 Mio. Säugetiere werden jährlich allein in Zentralafrika für Buschfleisch getötet. Ursprünglich diente die Buschfleischjagd der lebenswichtigen Proteinversorgung der Waldbewohner, heute ist sie ein großes Geschäft geworden. In vielen Regionen zieht die Buschfleischjagd völlig unkontrolliert und unter Einsatz modernster Jagdmethoden, mit Feuerwaffen und Drahtschlingen, eine Art nach der anderen in Mitleidenschaft – und damit die Biodiversität insgesamt. Es werden zwar Richtlinien verabschiedet, aber die Schaffung einer Kooperation zur Beendigung der Buschfleischjagd lässt auf sich warten. Wenn in solch einem Abkommen jedoch keine Tierschutzstandards verankert werden, um die Grausamkeit in der Buschfleischjagd in den Griff zu bekommen und damit dem Leben jedes einzelnen Tieres Respekt zu zollen, können die weltweiten Probleme nicht gelöst werden. Deshalb mischt der IFAW hier mit.
  • Das Problem der „invasiven gebietsfremden Arten“ (Invasive Alien Species – IAS) – Die IAS stellen eins der größten Probleme für die Biodiversität dar, insbesondere an solchen Orten, wo die Bedrohung vieler Arten akut ist – z.B. im Nordosten Indiens oder im Great Barrier Reef. Wie der Umgang mit invasiven Arten geregelt werden soll, ist eine wichtige Frage – wir müssen klären wo, wann und am allerwichtigsten: Wie? Das Wohl der Tiere muss auch dann, wenn sie als gebietsfremde Arten in ein neues Land eingeführt wurden, berücksichtigt werden und in Maßnahmenpläne einfließen. 
  • Falsche Anreize – im Jahr 2010 haben sich die Parteien der CBD darauf geeinigt, dass schädliche Subventionen und falsche finanzielle Anreize abgebaut werden sollen. Es fließen beispielsweise immer noch Milliarden von Euro an Subventionen in Überfischung und umweltschädliche Fischereimethoden, insbesondere in den industriellen Fischfang. Entwaldung und Monokulturen für die Produktion von Biotreibstoff oder Palmöl gehören ebenfalls dazu, untergraben die Ziele der CBD und verhindern das Erreichen der Biodiversitätsziele für das Jahr 2020. Würde man solche falschen Anreize endlich ausmerzen, könnten Umweltschäden begrenzt werden und es würden neue finanzielle Ressourcen für eine sinnvolle Verwendung freigesetzt. Und würde man davon dann nur ein Drittel in den Naturschutz stecken, ein weiteres Drittel in die Armutsbekämpfung und die Erhöhung der Sozialstandards und den Rest in die Konsolidierung von Staatsbudgets, wäre diese Welt schon ein viel lebenswerterer Ort für Tiere und Menschen.

Diese Punkte und viele andere stehen auf der Konferenztagesordnung. Im Video oben spreche ich mit dem Team der NGO „Responding to Climate Change“ über ein paar davon.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um das Video anzusehen.

--PP

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Erica Martin, Vizepräsidentin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Vizepräsidentin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robbie Marsland, Regionaldirektor Großbritannien
Regionaldirektor Großbritannien
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union