Am Tag vor Panama ein weiteres trauriges Kapitel im japanischen Walfang

Japanische Fabrikarbeiter bei den Überresten eines „wissenschaftlichen“ Forschungsobjekts. Trotz dreizehn öffentlicher Auktionen blieben 75% des Fleischs aus dem japanischen Walfang 2011 im Nordpazifik unverkauft. Diese Nachricht gibt es in dieser Woche aus dem Land der aufgehenden Sonne zu vermelden; und sie unterstreicht nur einmal mehr, wie wenig Appetit die Japaner auf Walfleisch haben.

Das von der japanischen Regierung zur Durchführung des „wissenschaftlichen“ Walfangprogramms gegründete Institut für Walforschung kam mit einer recht kryptischen Erklärung für dieses Ergebnis um die Ecke und sprach von „komplizierten Abläufen“. Ein Verweis auf das simple Gesetz von Angebot und Nachfrage wäre hier sicher aufschlussreicher gewesen. So würde wenigstens einmal deutlich, wie wenig ökonomisch tragfähig der japanische Walfang wirklich ist.

Unverkauftes Walfleisch ist kein neues Phänomen.

Es existieren unzählige Berichte über riesige Lagerbestände an Walfleisch in Japan. Einer aktuellen Schätzung zufolge handelt es sich bei der derzeitig unverkauften Fleischmenge um 4700 Tonnen.

Und das, obwohl die japanische Walfangflotte in den letzten Jahren bei ihren Ausflügen in die Antarktis auch noch haushoch die sich selbst auferlegte Fangquote verfehlt hat. Und die Zahl wäre sogar noch höher, wenn nicht letztes Jahr mehrere Hundert Tonnen in Tiefkühltruhen gelagertes Fleisch beim Tsunami zerstört worden wären.

Sogar das Institut für Walforschung gibt mittlerweile zu, dass es Probleme hat, Abnehmer für das Fleisch zu finden.

 

Was ist nun also mit all dem unverkauften Walfleisch passiert?

Unglaublich aber wahr: Mindestens 236 Tonnen davon gingen an Landgemeinden oder wurden als Mittagessen in Schulen aufgetischt.

So schreibt also der Walfang sein nächstes trauriges Kapitel.

Wale sterben einen grausamen und völlig sinnlosen Tod für ein Produkt, dass keiner will, nicht einmal in Japan. Wahrscheinlich werden am Ende die Berichte über die mangelnde ökonomische Rentabilität des ganzen Unterfangens die japanischen Gesetzgeber überzeugen.

Für die geopferten, in Tiefkühltruhen gelagerten Wale ist das wenig Trost, doch für uns ist so eine Negativberichterstattung eine wertvolle Waffe bei unserer Arbeit in Japan, mit der wir einmal mehr die Absurdität des Walfangs demonstrieren können.

So bekommen wir als IFAW-Delegation vor unserer Abreise zum diesjährigen Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama noch etwas Aufwind und Motivation, alles in unserer Macht stehende zu tun, um dem kommerziellen Walfang ein Ende zu bereiten und aus der IWC endlich eine zeitgemäße Institution für den Schutz der Wale zu machen.

--MC

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale