Alarmierende Entwicklung: In China werden Wildtierteile als „Kapitalanlage” angepriesen

Die internationale Polizeiorganisation (INTERPOL) veranstaltete letzte Woche in Bangkok eine Konferenz für Mitarbeiter von Strafverfolgungsbehörden aus aller Welt. Ziel der Konferenz war die Erarbeitung einer Strategie zur Bekämpfung der immer weiter zunehmenden, länderübergreifenden Umweltkriminalität. Es geht dabei um Straftaten wie z.B. illegale Fällungen, Mülldeponien und natürlich um den Handel mit geschützten Wildpflanzen und -Tieren.

Ich habe dort darüber berichtet, dass in China und anderen Ländern, wo Handelskanäle sich immer weiter auf das unregulierte Terrain der Auktionsbranche und des Internets verlagern, Wildtierprodukte nicht mehr wie früher in erster Linie als medizinische Produkte, sondern zunehmend als Statusobjekte vertrieben werden.

Bei unseren Untersuchungen des chinesischen Markts für Wildtierprodukte konnten wir feststellen, dass die meisten illegalen Produkte mittlerweile von Sammlern, Auktionshäusern, Kunsthandwerksvertrieben und anderen spezialisierten Lieferanten angeboten werden, die Produkte wie Tigerknochenwein und Hörner von Nashörnern als ideale Kapitalanlage anpreisen. Sogar Produkte, die traditionell immer nur aufgrund ihres medizinischen Nutzens vertrieben wurden, wie z.B. „Tigerknochenwein“, werden jetzt auf Auktionen für ihren Seltenheits- und Sammlerwert beworben.

Wie für jede andere Ware gilt: Je seltener desto begehrter und desto wertvoller. Da Arten wie Tiger und Nashorn sich bereits an der Schwelle zum Aussterben befinden, werden ihre Teile immer begehrter, was natürlich wiederum auch den Anreiz für Handel und Wilderei stark erhöht.

Websites und Auktionshäuser, die in vielen Ländern weitgehend unreguliert sind, bieten eine ganz besonders günstige Plattform für den Handel mit Wildtierprodukten. Aus unseren Stichproben in Chinas größtem Online-Auktionsportal im Jahr 2011 geht hervor, dass von den über 1200 Angeboten für Wildtierprodukte 99% als Sammlerstücke, Antiquitäten und Artefakte ausgeschrieben waren. Nur 11 Angebote waren als Produkte aus der traditionellen chinesischen Medizin ausgeschrieben, wie z.B. Tigerknochengelatine oder Pulver von Schuppentieren.

Das Problem beschränkt sich keineswegs auf nur ein Land. Und solange keine nationalen Gesetze geschaffen werden, die die Auktionsbranche regulieren, können Käufer leider überall auf der Welt nach wie vor unbeirrt an Produkte von gefährdeten Arten gelangen.

--GGG

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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