Weiteres gerettetes Kalb im Elefantenwaisenhaus in Sambia aufgenommen

Muchichili

Mitarbeiter des Elefantenwaisen-Projekts in Sambia haben im Lower Zambezi Nationalpark ein verlassenes Elefantenkalb gerettet. Mit ihm hat die Elefantenherde im Lilayi Elefantenwaisenhaus am Rand von Lusaka jetzt ein neues Mitglied bekommen.

Das verlassene Kalb war von Mitarbeitern des Muchichili Safari House allein auf der kleinen Insel Hulungwe im Zambezi-Fluss entdeckt worden. Ivan, ein erfahrener Wildhüter des Elefantenwaisen-Projekts, führte in der Gegend gerade eine Aufklärungskampagne über Elefantenwaisen durch, um gute Beziehungen zu den Gemeinden aufzubauen und sie dazu zu ermuntern, verlassene Elefantenkälber sofort zu melden. Als er von dem verlassenen Elefantenwaisen hörte, reagierte er sofort.

Ivan schaffte es zu der Insel. Er fand den Elefanten und erkannte, dass es sich um ein noch auf Muttermilch angewiesenes Kalb handelte. Berichte örtlicher Fischer ließen vermuten, dass das Tier bereits seit circa zwei Wochen allein auf der Insel weilte, da seitdem keine Herden mehr auf der Insel gesehen worden waren.

Da der Zustand des kleinen Elefanten relativ stabil war und die Insel eine sichere Umgebung darstellte, entschieden die Mitarbeiter des Elefantenwaisen-Projekts, das Kalb noch einige Tage zu beobachten, um jede Möglichkeit einer natürlichen Rückkehr des Elefantenjungen in seine Herde zu nutzen. Ivan wurde bei der Beobachtung des Kalbs tatkräftig unterstützt von Francis Muchinyu, einem Polizeibeamten des Department for National Parks and Wildlife, der zuvor beim Elefantenwaisen-Projekt ausgebildet worden war.

Da nach einigen Tagen noch immer keine Herde gesichtet werden konnte, versammelte sich das Rettungsteam des Elefantenwaisen-Projekts in der Kanyemba Lodge, wo man ihm großzügig Boote, Helfer und Ausrüstung zur Verfügung stellte. Als das Team mit dem Boot nach 30 Minuten auf der Insel ankam, war der verwaiste Elefant nicht zu sehen. Doch nach gründlicher Suche fanden sie ihn und der Tierarzt konnte das Tier betäuben.

Zehn Leute waren nötig, um das Kalb zu den Booten zu tragen. Dort angekommen war es leicht überhitzt, konnte aber schnell mit Wasser auf seine normale Körpertemperatur heruntergekühlt werden.

Nach der Rückkehr auf die Kanyemba Lodge waren sogar noch mehr Helfer nötig, um das noch immer betäubte Kalb vom Boot zum Wagen zu tragen, den die Naturschutzorganisation Conservation Lower Zambezi freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte und der nun samt einer mit Heu und Futter ausgestatteten Transportbox bereitstand. Während der Fahrt zum Lilayi Elefantenwaisenhaus war das Kalb ruhig und stand die ganze Zeit aufrecht. Als der kleine Elefant schließlich im Waisenhaus ankam, war er nach diesem traumatischen Tag verständlicherweise erschöpft.

Er ist etwa eineinhalb Jahre alt und schien trotz Dehydrierung und Unterernährung noch immer gut bei Kräften zu sein. Bei genauerer Untersuchung zeichneten sich jedoch deutlich die Rippen ab. Die Haut war dünn und fleckig und am Rumpf waren Warzen zu erkennen - typische Symptome bei leidenden und kranken Elefanten.

Der kleine Elefant wurde Muchichili getauft. So nennt der Stamm der Goba den Baum, der auf der Insel auf der Muchichili gefunden wurde, zuhauf wächst.

Als Muchichii die anderen drei Elefanten des Lilayi Elefantenwaisenhauses sah, freute er sich sehr und suchte intensiv Kontakt zu ihnen. Die zwei älteren Elefanten zeigten großes Interesse an dem Neuankömmling. Bereits während seiner ersten Nacht im Waisenhaus war er den Pflegern gegenüber zutraulich. Er schien die Gesellschaft nach der einsamen Zeit auf der Insel zu genießen.

Die anderen Elefanten waren sehr lieb zu ihm, nur Nkala hatte Angst und rannte immer wieder weg, was Muchichili animierte, Nkala ein bisschen zu jagen.

Um ihn in einen Stall zu lotsen, benutzten wir Zambezi als Führer. Es schien, als verstünde Muchichili: Wenn sich die anderen Elefanten von den Pflegern anleiten lassen, scheint das wohl in Ordnung zu sein.

Nie zuvor haben wir bei keinem Kalb seiner Größe erlebt, dass es derart schnell zutraulich wurde. Der arme kleine Kerl war erschöpft und döste, während er bei uns stand und wir ihn am Kopf und an den Seiten kraulten.

Am Tag darauf dann kam der traurige Wendepunkt. Muchichilis scheinbare Kraft am Vortag war nur dem durch die Rettung ausgelösten Adrenalinstoß geschuldet. Nachdem dessen Wirkung nachließ, wurde er schnell immer schwächer. Um 17 Uhr waren wir sehr besorgt, da er die Flüssigkeitsaufnahme den ganzen Tag über verweigert hatte und auch am Abend zuvor kaum getrunken hatte.

Gegen 18 Uhr bekam er eine Infusion, und bis 1 Uhr nachts brauchte er Intensivversorgung. Sein Zustand besserte sich gegen 23 Uhr, als dank der Infusionen und der fürsorglichen Pflege und Aufmunterungen seine Lebensgeister langsam wieder erwachten. Er begann, sich wieder für Wasser, Futter und Milch zu interessieren. Wir ließen ihn unter Beobachtung der Pfleger ausruhen. Um 5 Uhr gaben wir ihm erneut Medikamente, um ihn zu kräftigen. Wir waren sehr glücklich, dass er am darauffolgenden Tag Milch und Elektrolyte zu sich nahm und bereits zufrieden graste.

Doch noch immer beunruhigt uns sein seltsames Kauverhalten, das auf Beschwerden im Maul hindeuten könnte. Das Wichtigste ist jedoch, dass er Flüssigkeiten aufnimmt und dass er frisst.

Muchichili bekommt rund um die Uhr Intensivpflege, damit er sich vollkommen erholt und das notwendige Selbstvertrauen entwickelt, um eines Tages wieder in die Wildnis - seinen eigentlichen Lebensraum - zurückkehren zu können.

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit zum Schutz wilder Elefanten.

Rachael Murton

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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Jason Bell, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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