Robbenpenisse statt Viagra?

Robbenpenis statt Viagra? Wenig erfolgversprechend.
Donnerstag, 11 Juni, 2015
Hamburg

 Kanadische Regierung sucht immer neue Märkte für Robbenprodukte

Eine neue Studie im Auftrag der kanadischen Regierung empfiehlt die internationale Vermarktung von Robbenpenissen als Aphrodisiakum. Die Geschlechtsorgane sollen durch die Tötung von 140.000 Kegelrobben im Golf von Sankt Lorenz gewonnen werden – das sind 70 Prozent der gegenwärtigen Population. So sieht es ein Fünfjahresplan des Kanadischen Pelzinstituts (Fur Institute of Canada) vor, der damit dem Rückgang kommerziell genutzter Fischarten wie z. B. Kabeljau entgegenwirken will. Laut Medienberichten prüft das kanadische Fischereiministerium derzeit den Bericht.

„Die Versuche der kanadischen Regierung, die Robbenjagd am Leben zu erhalten, kann man nur noch als verzweifelt bezeichnen“, so Dörte von der Reith, Pressesprecherin des IFAW-Deutschland. „Auch bei diesem Vorschlag sollen Millionen von Steuergeldern verschwendet werden, um eine Industrie zu subventionieren, die längst erledigt ist. Das Geld könnte man besser in wirtschaftliche Aufbaumaßnahmen der betroffenen Regionen in Kanada investieren.“

Seit Jahrzehnten wird immer dann der Ruf nach Massentötungen von Robben laut, wenn die Kabeljaubestände zurückgehen. Es gibt aber keine wissenschaftlich fundierten Beweise, dass die Robben dafür die Ursache sind. Spitzenprädatoren wie Robben aus dem Ökosystem zu entfernen, könnte katastrophale Folgen für andere Arten haben, darunter auch die kommerziell genutzten.

Um die Kosten für die Jagd auf die Kegelrobben möglichst gering zu halten, schlägt nun also das Kanadische Pelzinstitut vor, die erbeuteten Robbenpenisse und -hoden an ethnische Minderheiten in kanadischen Großstädten und nach Asien zu verkaufen – zur Potenzsteigerung und als Energiedrinks für Sportler. Da es dafür aber keine Nachfrage gibt, sollen 5 Millionen kanadische Dollar erstmal für eine PR-Kampagne investiert werden – und die soll aus Steuergeldern finanziert werden.

Die Studie selbst stellt fest, dass es keine Abnehmer für die Felle der erwachsenen Kegelrobben gibt. 2014 wurden von erlaubten 60.000 Tieren nur 82 getötet.

Seit 30 Jahren versucht die kanadische Regierung erfolglos, Märkte für Robbenfleisch zu erschließen. Handelsverbote für Robbenprodukte in 35 Ländern, inklusive der EU, haben das Geschäft mit Fellen in den letzten Jahren weitgehend zum Erliegen gebracht.

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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
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