Mehr Haie für die Meere

Der Weißspitzen-Hochseehai gehört zu den am stärksten bedrohten Haiarten. © R. SonntagEs gibt den Internationalen Tag des Hundes, einen Tag des Meeres oder auch des Schweinswals. Vielleicht sollte man den 14. September zum Internationalen Tag des Hais machen. Es ist der Tag an dem Handelsbeschränkungen für fünf der am stärksten gefährdeten Haiarten und für zwei Mantaarten in Kraft treten. Damit dürfen künftig nur noch Produkte dieser Arten in den Handel, die nachweislich aus ökologisch nachhaltigen Fängen stammen.

Diese Beschränkung führt zu deutlich mehr Kontrolle des Haihandels und damit auch zu besseren Daten über die globale Situation der Haie. Und letztendlich sollen diese Haiarten durch die Handelsbeschränkungen auch endlich den dringend benötigten besseren Schutz bekommen.

Beschlossen wurden die Handelsbeschränkungen bereits im März vergangenen Jahres auf der internationalen Artenschutzkonferenz (CITES) in Bangkok. Der Beschluss war ein großer Sieg für den Artenschutz. Insbesondere Deutschland, Brasilien, Honduras, Ägypten und die USA haben hier besonderen Einsatz für die Haie gezeigt. Trotzdem hätte kaum jemand geglaubt, dass diese kommerziell hoch lukrativen Arten die für diese Schutzmaßnahmen notwendige Zweidrittelmehrheit der Vertragsstaaten bekommen würden. Denn Japan und auch China hatten große Anstrengungen unternommen, dies zu verhindern.

Doch inzwischen lässt sich die traurige Wahrheit nicht mehr wegdiskutieren: 74 Haiarten sind stark gefährdet. Zahlreiche Haipopulationen sind um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang wird noch nicht absehbare Auswirkungen auf das marine Ökosystem haben. Einen Hinweis bieten die Ökosysteme an Land. Dort konnte in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass das Verschwinden wichtiger Raubtiere die gesamte Artenzusammensetzung verändert. Denn durch das Verschwinden von Großraubtieren nehmen die mittelgroßen Räuber und auch große Pflanzenfresser stark zu. Das hat wiederum zur Folge, dass auch deren Beutetiere beziehungsweise bestimmte Pflanzenarten vom Aussterben bedroht werden.

Der IFAW hat in zahlreichen Schulungen und Workshops geholfen, die Beamten von Zoll- und Fischereibehörden auf die die neuen Regelungen vorzubereiten – insbesondere in der arabischen Welt. Andere Umweltverbände haben Ähnliches in Lateinamerika, Afrika und Ozeanien gemacht. Es kann somit losgehen mit der Umsetzung der neuen Schutzmaßnahmen. Einige Länder wie beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate haben sogar neue Gesetze erlassen, um nicht nur die neuen Artenschutzregeln für Haie umzusetzen, sondern auch um Haie generell besser zu schützen. Wir hoffen, dass zahlreiche Nationen dem guten Beispiel der Vereinigen Arabischen Emirate folgen und strengere Gesetze zum Schutz der Haie erlassen werden.

Auch der nächste Schritt im Haischutz deutet sich bereits an: Bei der kommenden Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten (Bonner Konvention), die im November in Quito, Peru, stattfindet, liegen den 120 Mitgliedsländern 21 Anträge zum Schutz von Rochen und Haien vor. Bis dahin wollen wir die teilnehmenden Länder überzeugen, dass deren Schutz dringend notwendig ist.

Es erleichtert mich und macht mir Hoffnung, dass jetzt Bewegung in den Haischutz gekommen ist. Doch darüber dürfen wir dennoch die erschütternde Realität nicht vergessen: Erst seitdem viele Haiarten immens bedroht sind, begreifen sogar einige der behäbigeren Politiker den Ernst der Lage.

Dr. Ralf Sonntag

Erfahren Sie mehr über die politische Arbeit des IFAW zum Schutz bedrohter Arten.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften