Hunde im Schafspelz

Der Pickup holpert über die Wiese auf die eingezäunte Schafherde zu. Drei große Herdenschutzhunde, die den Schafen erstaunlich ähnlich sehen, haben uns längst bemerkt und stehen aufmerksam am Zaun vor den Schafen. Sie erkennen das Fahrzeug und den Schäfer – also kein Grund für die Hunde, Alarm zu schlagen. Entspannt wedeln sie mit dem Schwanz, als wir aussteigen und auf die Herde zugehen.

Wir sind zu Besuch bei dem Schäfermeister Kucznik in Brandenburg, westlich von Berlin. Kucznik ist nicht nur Besitzer mehrerer Herdenschutzhunde, sondern auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V. Schon seit längerem unterstützt der IFAW die Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde. Doch heute haben wir etwas Besonderes im Gepäck: hochwertiges Trockenfutter für die Herdenschutzhunde.

Dieses Futter hat ALMORE FUND EUROPE, der Solidaritätsfonds des italienischen Heimtierfuttermittel­herstellers Almo Nature dem IFAW gespendet, der es an die Schäfer der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde weiterverteilt. In einer zweiten Auslieferung wurden jetzt gut 8.500 Kilo an Schäfer und Herdenschutzhund-Besitzer verteilt. Bis Ende Juni 2015 werden es insgesamt 20.000 Kilo sein.

Die Herdenschutzhunde leben zusammen mit der Schafherde und beschützen diese vor möglichen Wolfsübergriffen. Die großen Hunde, wie zum Beispiel der Pyrenäen-Berghund, sind beeindruckende und Respekt einflößende Tiere. Genau richtig, um Wölfe von einem Angriff auf die Schafe abzuhalten. Würde sich ein Wolf (oder ein anderer Räuber wie Fuchs oder Marderhund) oder auch ein wildernder Hund der Herde nähern, würden sich die Herdenschutzhunde laut bellend dem Eindringling entgegenstellen und diesen vertreiben. Und die Praxis zeigt: Es funktioniert.

Zurück auf die Weide: Aufgeregt drängeln sich die drei Hunde um die Futternäpfe, während das Futter ausgegeben wird. Die Schafe im Hintergrund schauen neugierig zu. Ein ausgewachsener Herdenschutzhund frisst knapp ein Kilo pro Tag. Das sind erhebliche zusätzliche Kosten für den Schäfer. Doch die Hunde bieten einen sicheren Schutz für seine Schafe im Wolfsgebiet. Und so ist die Futterspende eine willkommene Unterstützung, die den Schäfer entlastet.

Ganz klar: Kucznik ist als Schäfer kein Freund der Wölfe, aber er respektiert sie als natürliches Mitglied unseres Ökosystems. Er und „seine“ Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde suchen nach Lösungen für die Herausforderungen, die durch die Anwesenheit des Wolfes für die Schäfer entstehen. Und genau dieses Engagement ist für den IFAW Anlass, die Schäfer der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde zu unterstützen.

Die Schäfer mit ihren Schafherden sind ein wichtiges Kulturgut und leisten einen wertvollen Beitrag für die Landschaftspflege, den Naturschutz und die Artenvielfalt. Und auch die Wölfe gehören jetzt wieder zu unserem heimischen Ökosystem. Beides muss erhalten und geschützt werden.

Andreas Dinkelmeyer

 

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Wölfe.

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Experten

Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland