Geretteter Hund Caspar schenkt nach seiner Rettung aus Bosnien alten Menschen viel Freude

Caspar

Das Lustigste an Caspar sind seine niedlichen Grunzgeräusche, wenn er den Boden abschnüffelt. Caspar gehört zu einer Gruppe von 65 Hunden, die der IFAW letztes Jahr in Bosnien rettete. Mit der Hilfe unserer Partnerorganisation Streunerglück haben wir alle Hunde in ein neues Zuhause in Deutschland vermittelt.

Der IFAW arbeitet in Bosnien mit mehreren Gemeinden zusammen, um Probleme mit Straßenhunden zu lösen und die Situation der Hunde als auch der Menschen vor Ort zu verbessern.

Im Rahmen unseres Projekts bat uns eine der Gemeinden um Hilfe bei der Schließung eines verwahrlosten Tierheims. Die Hunde dort lebten angekettet an verfallene Hundehütten. Sie bekamen nur das alte Brot, das die Bäckereien entsorgten, und hin und wieder einen Knochen vom lokalen Metzger. Ihr Lebensraum war begrenzt auf die Länge ihrer Kette.

Einer von ihnen war Caspar, ein kräftiger kleiner Hund mit Schlappohren, hellbraunen Augenbrauen und einem hübschen, klugen Gesicht. Sein Schwanz wedelt anmutig, wenn er sich freut und spannt sich an, wenn er auf der Hut ist. Eine lange, breite Narbe, die quer über Schultern und Rücken verläuft, verrät seine schwere Vergangenheit.

Trotz seiner traumatischen Erlebnisse gab uns Caspar wie die meisten seiner bosnischen Gefährten die Chance, zu beweisen, dass es auch Menschen gibt, die es gut mit ihm meinen.

In den drei Wochen in der Quarantänestation, in denen ich mich um Caspar kümmerte, lernte ich ihn kennen und lieben. In Anwesenheit anderer Rüden wirkte er ziemlich furchteinflößend. Zu allen anderen aber war er lieb und zutraulich. Er teilte sich seinen Zwinger mit einer älteren Hundedame namens Ina, mit der er sich im Korb einkuschelte und der er nie das Futter wegfraß.

Wenn ich mit ihm ausging, nahm ich immer mehrere Welpen mit, denn sie sollten von ihm lernen. Er war sehr geduldig mit den kleinen Welpen und ein großartiger Lehrer, auch wenn sie seine Ohren anknabberten und seine Nase ableckten.

Markieren war draußen selbstverständlich seine Lieblingsbeschäftigung. Diese wichtige Aufgabe erfüllte er mit größter Hingabe und Präzision. Er markierte Hecken, Bäume, Zaunpfähle und einmal sogar ein Huhn. Und er schnüffelte grunzend den Boden nach fremden Botschaften ab, nur um seine eigene gleich hinterherzuschicken. Auch die Welpen wurden natürlich markiert, wenn sie ihre Köpfchen unter ihn steckten.

In manchen Momenten überraschte er mich allerdings, wenn seine schwere Vergangenheit plötzlich sein ansonsten so sanftes Gemüt erfasste. Einmal musste ich ihn von einem anderen Rüden trennen, der sich von der Leine losgerissen hatte. Caspar ging in seiner blinden Wut darüber, dass er von seinem Gegner ablassen musste, auch auf mich los. Davon habe ich noch heute eine tiefe Narbe.

Meine Kollegen von Streunerglück versicherten, dass die Familie, die Caspar aufnehmen würde, Erfahrung mit Hunden hat und dass im Haushalt keine Kinder leben - sicher ist sicher.

Und Streunerglück fand tatsächlich eine sehr liebe Pflegefamilie für Caspar: Barbro, Mathias und ihre Hündin Tara.

Barbro sagte, sie sei ein wenig erschrocken gewesen, als sie Caspar zum ersten Mal sah. Sein etwas klotziger Kopf erinnerte sie an einen Pitbull und seine bestimmte Art störte sie etwas. besser gesagt, machte sein Verhalten sie "fast wahninnig". Doch nach kurzer Zeit liebten Mathias und Barbro Caspar genauso innig wie ich es tat. Und sie entschieden, ihm ein dauerhaftes Zuhause bei sich und Tara zu schenken.

Barbro und Mathias nahmen die Dienste eines Hundetrainers in Anspruch, um Caspars Ängste und Beweggründe besser zu verstehen und zu erfahren, wie sie daran arbeiten können.

Obwohl Barbro und Mathias fleißig und gekonnt mit ihm arbeiteten, war Hündin Tara seine beste Lehrerin. In ihr fand Caspar die Liebe seines Lebens.

Tara war ebenfalls von Streunerglück gerettet worden. Sie hatte ähnliche Torturen durchgemacht und sich irgendwann auch vor der Herausforderung gesehen, sich an ein Leben ohne Angst zu gewöhnen. Tara brachte Caspar bei, wie man spielt, wie man teilt und wie man vertraut.

Caspar gewann Vertrauen und wurde ausgeglichener. Er lernte, sich zu entspannen. Bei Caspars Ankunft, hatte Barbro ihm einen gemütlichen Korb hergerichtet, in den er sich immer zurückziehen konnte, wenn er Zeit für sich brauchte. In den ersten Wochen nutzte er ihn oft. Doch schon zur Weihnachtszeit konnte Barbro ihn für immer wegräumen.

Vor ein paar Tagen erfuhr ich von Barbro eine Geschichte, die zeigt, wie sehr Caspars harte Schale, über sein wahres Inneres hinwegtäuscht: "Meine Mutter ist vor ein paar Monaten in ein Pflegeheim gezogen." schrieb mir Barbro. "Ich besuche sie dort oft mir Caspar. Und erstaunlicherweise verwandelt sich Caspar, der Rabauke, der immer auf der Hut ist und gern seine raue Seite zeigt, in Anwesenheit alter Menschen in ein sanftes Lamm.

Er zaubert Lächeln in die Gesichter der alten Menschen. Und es kümmert ihn nicht, wenn er von ihnen unbeholfen angefasst wird. Barbro schrieb weiter, dass er Caspar allen Pflegeheimbewohnern vorgestellt hatte. Die meisten hatten selbst früher Hunde. Vor zwei Tagen ging er zu einem sehr alten Mann in einem Rollstuhl, der etwas verloren im Flur stand, so Barbro. Seine Hände waren von Gicht ganz verformt. Caspar ging zielstrebig auf ihn zu, legte ihm den Kopf auf den Schoß und wedelte leicht mit dem Schwanz. Der Mann war zuerst skeptisch und ignorierte Caspar. Er sagte, dass er nie einen Hund hatte, doch ihn gern füttern würde. Barbro gab dem Mann ein paar Leckerlis in die Hand. Caspar schaute zu ihm rüber und stellte sich auf die Hinterbeine. Und sanft wie ein Lamm naschte er dem Mann die Leckerlis aus der Hand. Der Mann strahlte. Barbro hatte ihm nie irgendetwas davon beigebracht. Das kam nur von Caspar selbst.

Caspars Geschichte begann, lange bevor wir ihn kannten. Und er war in einer Welt voller Gewalt und ohne Liebe abgehärtet. Barbro, Mathias und Tara haben mit unserer Hilfe und der Unterstützung von Streunerglück seine Welt verändert. Und jetzt verändert Caspar mit seinem Wesen die Welt dieser alten Menschen.  

Kati Loeffler

Lesen Sie die ganze Geschichte über unsere Hunderettungsaktion aus einem Tierheim in Bosnien.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
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