Fischereiministerin offen für Kursänderung in der Walfangpolitik

Freiwillige übergeben der isländischen Fischereiministerin Unterschriften für die Einrichtung eines Walschutzgebietes in der Flaxafói-Bucht

Als die isländische Fischereiministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir neulich von einer Kabinettssitzung kam, warteten Freiwillige von Meet Us, Don’t Eat Us und ich auf sie.

Die Freiwilligen übergaben der Ministerin die Unterschriften, die sie in den letzten Wochen gesammelt hatten. Währenddessen erläuterte ich ihr, warum das Ziels unserer Petition so wichtig ist, einen größeren Teil der Bucht von Faxaflói nahe der Hauptstadt Reykjavík zum Walschutzgebiet zu erklären.

Ich hob hervor, dass in den letzten 14 Jahren bzw. seit Wiederaufnahme des Walfangs nach einer Unterbrechung von 13 Jahren in der Bucht von Faxaflói rund 650 Wale getötet wurden. Mittlerweile ist deutlich mehr Menschen klar, dass in der Bucht kein Walfang erlaubt sein sollte, in der die Hälfte der Whalewatching-Touren in Island stattfindet. Alle Parteien in Reykjavik stimmen uns darin zu, ebenso wie die nationale Organisation der Tourismus-Unternehmen und Icewhale, der isländische Whalewatching-Verband.

Unser Ziel ist es, diesen Sommer 50.000 Unterschriften zu sammeln. Mit 7.000 gesammelten Unterschriften in den ersten zwei Wochen der Kampagne sind wir gut gestartet.

Die Ministerin bedankte sich bei uns und den Vertretern der drei Icewhale-Whalewatching-Anbieter aus Reykjavík, die uns begleitet hatten.

Später sagte sie bei einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender RUV, die Angelegenheit werde vom Ministerium eingehend geprüft. "Die Walfangsaison hat angefangen, und diesen Sommer werde ich nicht mehr eingreifen", so Gunnarsdottir. "Wir werden das Thema aber eingehender erörtern und uns ein genaueres Bild machen müssen. Reykjavíks Standpunkt hierzu ist klar, ebenso wie die Interessen der Tourismusbranche."

Nie zuvor in der Geschichte der Republik Island hat ein Fischereiminister die Möglichkeit auch nur angesprochen, in der nationalen Walfangpolitik des Inselstaates könne ein anderer Kurs eingeschlagen werden.

Ministerin Gunnarsdottir kann im Alleingang entscheiden, ob der Walfang weitergeht oder nicht. Sie braucht dafür weder die Zustimmung des Kabinetts noch die des Althing (des Parlaments).

Laut Fischereibehörde wurden in dieser Saison vier Zwergwale getötet. Die jährliche Quote beträgt 230 Tiere, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Walfänger über 10 Prozent der Quote erlegen werden, da sie in diesem Jahr deutlich später mit der Jagd begonnen haben (Finnwale sind seit zwei Jahren nicht mehr gejagt worden).

Dies ist zum großen Teil der Arbeit im Rahmen unserer Kampagne Meet Us, Don’t Eat Us zu verdanken, die auf die Verringerung der Nachfrage abzielt. Über 70 Restaurants, die meisten im Zentrum Reykjavíks, haben sich zu walfreundlichen Lokalen erklärt und zugesagt, kein Walfleisch anzubieten. Viele weitere Restaurants werden diesen Sommer dazukommen.

Unser strategischer Ansatz und Kampagnenarbeit in Island zeigen Wirkung. Wir haben in den letzten Jahren echte Fortschritte gemacht.

In dem Interview mit RUV äußerte die Ministerin auch, dass sie täglich aufgefordert werde, die isländische Walfangpolitik zu überdenken, und dass es möglich sei, eine Position zum Walfang insgesamt sowie eine Position zum Schutzgebiet in der Bucht von Faxaflói zu haben. Sie erklärte, sie würde sich aktiv mit diesen Themen befassen, Informationen einschließlich wissenschaftlicher Daten zusammentragen und sich mit Fragen zu Handel und Ausland befassen.

"Wir müssen diese Diskussion führen, und wir müssen sorgfältig vorgehen", so Ministerin Gunnarsdottir. "Aber natürlich kann die [Walfang-]Politik nicht ewig so weitergehen."

Sigursteinn Masson

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Wale.

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Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien