Der ausgewilderte Amurtiger Kuzya überquert die Grenze nach China

BU: Zwischen Russland und China gibt es grenzüberschreitende Korridore, die extra für Tiger geschaffen wurden. Wir hoffen sehr, dass die chinesischen Behörden Maßnahmen ergreifen werden, um Kuzya zu schützen.Kuzya, einer der fünf Amurtiger, die im Mai diesen Jahres in Ostrussland ausgewildert wurden, befindet sich nach seiner Überquerung des Flusses Amur jetzt auf chinesischem Staatsgebiet.

Die fünf Tigerwaisen waren in unserer Rettungsstation in der Primorje-Region eineinhalb Jahre aufgezogen worden, nachdem ihre Mütter vermutlich von Wilderern getötet worden waren. Alle fünf waren vor ihrer Auswilderung mit Senderhalsbändern versehen worden. Siehe auch VIDEO: Historische Freilassung von Amurtigern in Russland.

Durch die Satellitenüberwachung erhalten die Experten und Wissenschaftler des IFAW täglich Informationen über die Bewegungen der Tiere. Diese wichtigen Daten werden streng vertraulich behandelt, um möglichen Wilderern keinerlei Erkenntnisse über die Aufenthaltsorte der vom Aussterben bedrohten Großkatzen zu geben.

Amurtiger werden immer noch Opfer von Wilderei. Ursache ist eine steigende Nachfrage nach Tigerfellen und anderen Körperteilen der Wildkatzen in Russland und dem angrenzenden China. Dort sind die Felle und Knochen von Tigern als traditionelle Medizin unds als Luxus-Dekorationsartikel sehr begehrt.

Tiger leben in eigenen Territorien: Jedes Tier bewohnt ein bestimmtes Gebiet, in dem es lebt und jagt. Jungtiere verlassen mit eineinhalb bis zwei Jahren ihre Mütter, um sich ein eigenes Territorium zu suchen.     

In der Zeit seiner Aufzucht und Rehabilitation in der ostrussischen Region Primorje verhielt Kuzya sich wesentlich passiver als sein dominanter Bruder Borya. Während sein Bruder im Gehege umher lief und alles genau untersuchte, verbrachte Kuzya viel Zeit damit, seine Umgebung in Ruhe zu beobachten.

Vielleicht ist seine Dominanz der Grund dafür, dass Borya sich dichter beim Weibchen Illona in der Nähe des Auswilderungsortes dieser drei Tiger aufgehalten hat. Offenbar hat Kuzya sich nun auf den Weg gemacht, um sich ein eigenes Territorium zu suchen.  

Die Experten, die mit dem Monitoring nach der Auswilderung befasst sind, glauben nicht, dass Kuzya aufgrund mangelnder Beute abgewandert ist. Das Gebiet, in dem die jungen Tiger ausgewildert wurden, bietet den Tieren reichlich Nahrung.  

Alle Beteiligten machen sich jedoch Sorgen, da die Grenzregion auf der chinesischen Seite weitaus dichter besiedelt ist als auf der russischen. Kuzyas Überleben wird davon abhängen, ob er in der Lage ist, in diesem neuen Territorium Futter zu finden und das Zusammentreffen mit Menschen zu vermeiden.

Wie uns sein Satellitenhalsband verrät, meidet Kuzya zurzeit menschliche Siedlungen und hält sich dicht am Waldrand auf. Offensichtlich musste er jedoch schon mehrfach Felder von Bauern überqueren. Zwischen Russland und China gibt es grenzüberschreitende Korridore, die extra für Tiger geschaffen wurden. Wir hoffen sehr, dass die chinesischen Behörden Maßnahmen ergreifen werden, um Kuzya zu schützen.

Die aktuellen Geschehnisse führen uns deutlich vor Augen, dass eine grenzübergreifende Kooperation der russischen und chinesischen Forstaufsicht für den Schutz der Amurtiger unabdingbar ist. Das chinesische IFAW Büro tut alles, um die offiziellen Wildtier-Schutzbehörden Chinas stets über Kuzyas Wanderrouten auf dem Laufenden zu halten. So hoffen wir, möglichen Mensch-Tiger-Konflikten vorzubeugen.

Im kommenden Winter wird der IFAW erneut bei der Beseitigung tödlicher Schlingen helfen, die von Wilderern ausgelegt wurden. Denn diese könnten auch Kuzya verletzen. Wir alle drücken ganz fest die Daumen, dass Kuzya nichts geschieht und er nicht in Konflikt mit Menschen gerät.

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz von Wildtieren.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jason Bell, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
Vizepräsident für internationale Koordination
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien