Bei den wilden Bären

Eigentlich sollten die kleinen Bären noch in der kuschligen Höhle bei ihrer Mutter sein. Denn die Bärin bringt ihre Jungen während des Winterschlafs zur Welt. Sie säugt sie sozusagen im Halbschlaf und langsam verlieren sie ihre Hilflosigkeit.

Leider werden immer wieder winterschlafende Bären aufgeschreckt und von skrupellosen Jägern geschossen. Dass dies inzwischen in Russland verboten ist – auch dank unserer politischen Arbeit in Moskau – ist ihnen egal.

Die hilflosen kleinen Säuglinge bleiben in diesen Fällen allein in der Höhle zurück und verhungern. Wenn sie Glück haben, werden sie gefunden, mitgenommen und in die IFAW Aufzuchtstation gebracht.

Professor Paszetnov zieht die Kleinen dort unter streng wissenschaftlichen und bärischen Gesichtspunkten auf. Sie werden sozusagen zu wilden Bären erzogen. Das bedeutet, sie wachsen mit minimalem Kontakt zu Menschen auf: Nur zur Fütterung sehen sie ihre Betreuer. Deswegen musste ich bei meinem Besuch spezielle Kleidung tragen, die nach Bär und nicht nach Mensch riecht. Damit sie sich auch nicht an menschliche Stimmen gewöhnen, durften wir nicht sprechen. Wir mussten absolut still sein. All diese Maßnahmen sollen verhindern, dass die jungen Bären Menschen mit Nahrung in Verbindung bringen und später womöglich in menschlichen Siedlungen nach Nahrung suchen.

Aber selbst die kurzen Momente der Fütterung erzeugten bei mir regelrechte Hochgefühle. Diese kleinen Racker sind mehr als kuschlig, wenn sie an der Flasche hängen. Aber schon als Babys sind es wahnsinnige Kraftpakete und durch ihr Rumgezappel endet fast jede Fütterung mit Kratzern auf dem Unterarm.

Über 200 Tiere wurden inzwischen in der Station groß gezogen und in die Wildnis entlassen. Sie wurden markiert und einige von ihnen waren zeitweise mit Sendern versehen. Daher wissen wir, dass das Projekt eine wirkliche Erfolgsgeschichte ist. Kürzlich konnte eine vor mehreren Jahren in der Station aufgezogene Bärin mit ihren Jungen nicht allzu weit von der Station beobachtet werden. Sie hat dort ihren Sommer verbracht.

Es waren beeindruckende und sehr emotionale Tage in der Station, insbesondere da ich in meinem Studium gelernt hatte, dass es praktisch unmöglich sei, von Hand aufgezogene Raubtiere wieder in die Wildnis zu entlassen. Damals ging man davon aus, dass sie von ihren Eltern das Überleben in der Natur erlernen müssten. Aber Professor Paszetnov hat eine Methode entwickelt, die eine Auswilderung möglich macht. Die Erfahrungen aus der Bärenstation haben unseren russischen Kollegen auch geholfen, einige sibirische Tiger auszuwildern.

Ralf Sonntag

Erfahren Sie mehr über unsere russische Bärenstation.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
Tierärztin, DVM, PhD
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften