Überschwemmungen in Chile: Geschichten von Überleben und Trauer

Die Überschwemmungen hinterließen schwere Verwüstungen.Diesen Beitrag verfasste Elena Garde, Programmdirektorin unserer Partnerorganisation in Chile, der Global Alliance for Animals and People (GAAP).

Wir fahren heute nach San Pedro, einer kleine Gemeinde östlich von Copiapó. In dieser Gegend erwartet uns schier unfassbare Verwüstung. Autos liegen auf dem Kopf, Häuser sind eingestürzt oder bis zu den Dächern mit Schlamm bedeckt.

Ein anderes Tierarztteam hat das Dorfzentrum bereits erreicht und versorgt die Bevölkerung mit dem Nötigsten. Wir beschließen daher weiter aufs Land hinauszufahren, um zu sehen, wie es den Bauern dort ergangen ist. Wir erreichen schließlich das Haus von Don Luis und seiner Familie.

Sie betreiben einen Schulbauernhof. Dort kommen Kinder hin, um etwas über Tiere zu lernen. Vor der Katastrophe hatten sie 150 Tiere – darunter Pferde, Schweine, Ziegen, Schafe, Hasen, Hühner, Gänse und Truthähne. Jetzt haben sie noch etwa 75 Tiere. Die meisten Todesopfer sind Jungtiere, die nicht gegen die starke Strömung ankommen konnten.

Doch Don Luis erzählt mir, er habe Glück gehabt, denn schließlich habe einer seiner Nachbarn alle Tiere verloren. Die Menschen hier im Dorf sind ein hartes Leben gewöhnt. Sie nehmen einfach hin, dass es schwierige Phasen im Leben gibt, und bitten nicht um Hilfe.

Als wir ankommen, sind Kinder und Nachbarn gerade dabei, gemeinsam die glitschige Masse aus Wasser und Erde aus ihren Scheunen und Häusern zu schippen. Es gibt allerdings keinen Ort, wo der Schlamm entsorgt werden kann. Also sickert er, direkt nachdem er beseitigt wurde, geradewegs wieder dahin zurück, wo er herkam. Es ist ein scheinbar vergebliches und frustrierendes Unterfangen. Aber die Menschen lachen und es läuft laut Musik. Das Leben geht einfach weiter.

Doch den Tieren geht es sehr schlecht. Sie stehen zusammengedrängt auf einer kleinen Fläche und warten darauf, dass ihre Ställe trocknen. Im Moment gibt es noch Futter und Wasser, aber es sind nur noch 6 Heuballen für 75 Tiere übrig.Den Tieren geht es sehr schlecht.Dort, wo vor ein paar Tagen noch eine saftige grüne Wiese war, ist jetzt kein Grashalm mehr zu sehen. Fest entschlossen dieser und anderen Familien in Copiapó zu helfen, machen wir uns auf den Weg.

In der Ausfahrt kommt uns eine Nachbarin entgegen. Sie heißt Sra und gehört der indigenen Volksgruppe der Kolla an. Maria erzählt uns ihre Geschichte. Sie wohnt am Fluss. Als das Wasser um vier Uhr morgens über die Ufer trat, wurde ihr Haus in kürzester Zeit von Wasser und Schlamm überflutet. Sie verlor all ihre Tiere.

Sra ist eine starke Frau, die schon viel durchgemacht hat. Mit erregter Stimme erzählte sie uns von Menschen, die noch viel mehr verloren haben und die mehr gelitten haben als sie. Und sie redet über die Menschen aus der Gemeinde, die sich gegenseitig helfen, diese schwere Situation durchzustehen.

Trotz allem behauptet sie, sie habe Glück gehabt. Ihre Augen werden plötzlich wieder fröhlich und sie beginnt zu lächeln. Sie sagt, der beste Teil der Geschichte sei, dass sie ihr Lieblingsschweinchen und ihre Gans wiedergefunden hat. Beide waren noch am Leben. Das Einzige, worüber sie klagt, ist, dass es ihren Tieren jetzt an Futter und sauberem Wasser fehlt.

Wir fahren nach Sras Erzählungen schweigend nach Copiapó zurück – voller Demut. Nachdem wir Marias und Don Luis Geschichten gehört haben, ihre Stärke und ihre Solidarität erlebt haben, ist jeder von uns ist fest entschlossen, weiter zu helfen.

Dank der Unterstützung unserer Spender können wir jetzt alles in die Wege leiten, um Heuballen ins Dorf zu bringen, die an alle Bewohner für ihre Tiere verteilt werden. Und wir werden auch danach weitermachen, denn diese Katastrophe ist für die Familien und ihre Tiere noch lange nicht zu Ende.

Whannon Walajtys

Nur dank der Unterstützung unserer Spender können wir die Tiere in Chile retten und versorgen. Helfen Sie uns dabei.

Post a comment

Experten

Kampagnenberater
Kampagnenberater
Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie