Wie Luftblasen und Vibration Wale vor Unterwasserlärm schützen können

Ein Blasenschleier kann den durch Rammarbeiten erzeugten Lärm dämpfen. Bildquelle: HYDROTECHNIK LÜBECK Neben Schiffslärm gibt es noch zwei weitere Formen des Unterwasserlärms, die für Wale und Delfine eine große Gefahr darstellen. Die Öl- und Gasindustrie führt bei der Suche nach Ölvorkommen seismische Untersuchungen mithilfe von unter Wasser detonierenden Luftgewehren, so genannten Luftpulsern, durch. Außerdem sind Rammarbeiten, bei denen - etwa beim Bau von Offshore-Windparks - riesige Hämmer in die Erde gerammt werden, ebenfalls ein sehr lärmintensives Unterfangen.

Gemeinsam mit Sharon Livermore nahm ich kürzlich an einem Workshop in der Nähe von Washington DC teil, bei dem es um Möglichkeiten zur Lärmminderung bei diesen beiden Verfahren ging. Wir verließen den Workshop mit der Erkenntnis, dass es zwar zahlreiche Maßnahmen gibt, die die Industrie ergreifen könnte, jedoch nur dann - und wirklich nur dann - wenn Vorschriften sie dazu zwingen.

Durch Unterwasserlärm können sich Meeressäuger verletzen oder sogar sterben. Er kann vorübergehende oder dauerhafte Taubheit verursachen. Sogar bei niedrigeren Pegeln kann Lärm Wale und Delfine aus wichtigen Nahrungsgründen oder Fortpflanzungsgebieten vertreiben.

Die Schäden, die der Lärm anrichten kann, sind hinreichend bekannt und es gibt grundsätzlich zwei Optionen, sie zu verhindern.

Die erste Option wäre der Einsatz von Meeressäugerbeobachtern oder passiver akustischer Überwachung der Geräusche, die Meeressäuger von sich geben. Dort wo Meeressäuger geortet werden, würde dann der Lärmpegel reduziert.

Mit dieser Option fühlen sich die Behörden gut.

Leider hat bislang noch niemand berechnet, inwieweit diese Option das Schadensrisiko überhaupt mindert. Nachts oder bei Unwetter sieht man Wale und Delfine nicht. Auch Tiere, die sich unter der Wasseroberfläche aufhalten, sind nicht so einfach zu orten. Und unscheinbare Tiere wie Schweinswale sind sogar unter idealen Bedingungen sehr schwer auszumachen.

Der Internationale Tierschutz-Fonds fordert Untersuchungen, die eine Risikominderung - falls es überhaupt eine gibt - belegen. Ohne gründliche wissenschaftliche Prüfung kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei diesen Maßnahmen lediglich um Greenwashing handelt.

Die zweite Option wäre die grundsätzliche Minderung der Schallemission, kurzum: Die Verfahren müssten leiser werden.

Zweifelsohne ist das die zukunftsträchtigere Lösung und somit traf der von der US-Behörde Bureau of Ocean Energy Management veranstaltete Workshop thematisch den Nagel genau auf den Kopf. Die volle Bezeichnung des hervorragend organisierten Workshops, zu dem Experten aus aller Welt zusammenkamen, war "Schallmindernde Technologien zur Verringerung der Lärmbelastung bei seismischen Untersuchungen und Rammarbeiten".

Die Öl- und Gasexploration vor der Küste Australiens boomt. Natürlich ist die Bedrohung durch seismische Tests nur ein Teil des Problems, der aber äußerst relevant wird, wenn die Tests in wichtigen Walgebieten wie Bonney Upwelling und Kangaroo Island durchgeführt werden.

Im Zuge des Offshore-Windpark-Booms werden in der Nordsee östlich von England demnächst umfassende Rammarbeiten durchgeführt, wo auf der Doggerbank der größte Windpark der Welt entstehen wird.

Im Workshop erfuhren wir auch, dass die Ölindustrie vehement darauf beharrt, noch nicht für den Einsatz von weniger lärmintensiven Verfahren wie etwa Vibroseis bereit zu sein (die Erzeugung der gewünschten Signale durch Vibration statt Explosionen). Und das obwohl diese Technologie schon seit etwa 50 Jahren auf dem Markt ist.

Im Gegensatz dazu hat es im Bereich der Rammtechnik einen Trend dahingehend gegeben, die Schallemissionen deutlich zu reduzieren. Es gibt diverse Alternativen, wie etwa Blasenschleier oder Kofferdämme, um den an der Rammstelle erzeugten Schall zu dämpfen.

Doch was hat diesen Trend zur Innovation im Bereich der Rammtechnik ausgelöst?

Vorschriften.

In Deutschland gibt es einen Grenzwert von 160 dB ab 750 Meter Entfernung von der Baustelle. Wir brauchen auf der ganzen Welt solche Grenzwerte für seismische Untersuchungen. Erst dann wird die Ölindustrie ihre Augen für neue Lösungen öffnen.

--VP

Mehr Informationen über unseren Einsatz für den Schutz der Wale finden Sie hier.

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Experts

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Patrick Ramage, Program Director, Whales
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