Mehr zu diesem Thema zeigt die ZDF-Sendung „planet e“ mit dem Titel „Nebenwirkung Ausrottung“.

In Ländern wie China und Thailand gibt es viele sogenannte Tigerzoos. Auf diesen Zuchtfarmen werden Tiger gezielt gezüchtet, um sie dann kommerziell zu vermarkten. Die Einrichtungen sind meist eine Mischung aus Zoo und Zirkus.

Offiziell werden die Tiger als Attraktion für Touristen gehalten und zum Zwecke der Arterhaltung gezüchtet. Doch es gibt Zweifel, ob die massenhaft produzierten Tiere nicht auch verkauft und getötet werden, um aus ihnen Präparate für die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) herzustellen. Die Nachzuchten solcher Zoos können außerdem nicht in internationale Zuchtprogramme aufgenommen werden, da die Zuchtgenehmigungen meist fehlen und die Standards nicht eingehalten werden.

Thailands Tigerzoos – ein fragwürdiges Urlaubsvergnügen

Im Sriracha Tiger Park in der Nähe von Bangkok dürfen Touristen junge Tiger gegen Bezahlung mit der Flasche füttern. Der Park bietet außerdem Shows an, in denen Tiger durch brennende Reifen springen, über Drahtseile gehen und auf Pferderücken reiten müssen. Die Shows entsprechen in keinster Weise den Anforderungen an artgerechte Tigerhaltung. Der enge Kontakt zwischen Tieren und Touristen ist gefährlich. Neben dem offensichtlichen Sicherheitsrisiko für den Menschen besteht auch die Gefahr, dass Krankheiten der Menschen auf die Tiere übertragen werden. Auch die Zucht ist weder artgerecht, noch erfüllt sie internationale Tierschutzstandards. Die Tigerbabys werden oft schon nach weniger als 25 Tagen von der Mutter getrennt und zu Schweinen gebracht, die die Babys säugen sollen. Die Schweine werden zusammen mit den Tigerbabys in winzigen Käfigen (ca. ein Quadratmeter) gehalten. In anderen Käfigen werden weibliche Tiger mit Ferkeln ausgestellt, sodass der Eindruck entsteht, die beiden Tierarten hätten ihre Jungen "getauscht“. Durch die Enge kommt es immer wieder zu Beißereien zwischen den jungen Tigern und den Schweinen. Viele Tigerbabys sind abgemagert und weisen Verhaltensstörungen auf.

Wenn die Tiger ausgewachsen sind, werden sie in Gruppen von bis zu 20 Tieren in Gehegen unterschiedlicher Größe untergebracht. Es ist anzunehmen, dass diese Form der Haltung für einen Einzelgänger wie den Tiger permanenten Stress bedeutet.

Der Tigertempel – liebevoller Artenschutz oder Abzocke auf Kosten der Tiere?

In einem Kloster westlich von Bangkok, dem Tigertempel, befinden sich etliche Tiger in der Obhut der dort lebenden Mönche. Die Tiger werden mehrmals am Tag von den Mönchen ausgeführt. Touristen können ein Foto von sich mit den Tieren machen, müssen aber dafür einen stolzen Preis bezahlen. Nach ca. 30 Sekunden ist alles schon wieder vorbei und der nächste Tourist ist an der Reihe. Bis zu 300 Menschen besuchen täglich das Gelände. Der Profit ist enorm. Um die Tiere schnell in die richtige Position für ein Foto zu bewegen, werden die Tiere oft am Schwanz gezogen und mit Stöcken geschlagen. Die Trägheit der Tiere lässt vermuten, dass sie in irgendeiner Form ruhig gestellt werden.

Der direkte Kontakt der Touristen mit den Tieren wird von Experten als sehr riskant eingeschätzt, da auch aggressivere Tiere nicht abgeschirmt werden. Vermutlich wären die Mitarbeiter im Falle eines Angriffes nicht vorbereitet und für Notfälle auch nicht ausreichend ausgestattet.

Was haben die Zoos mit der TCM zu tun?

Immer wieder verschwinden Tiger aus diesen Einrichtungen oder es werden einzelne Tiere durch andere ersetzt. Trotz eines gesetzlichen Handelsverbotes für Tiger in Thailand, lieferte der Sriracha Tiger Park im Jahre 2002 nachweislich 100 Tiger nach China. Deren Verbleib ist unklar, aber der Verdacht liegt nahe, dass diese Tiere dort getötet wurden, um aus den Körperteilen Präparate für den TCM-Markt herzustellen.

Selbst die thailändischen Behörden haben vor kurzem angekündigt, die Nachzuchten in den Tigerzoos einzuschränken, weil sie einen Zusammenhang zwischen diesen Einrichtungen und dem illegalen Handel mit Tiger und Tigerteilen sehen. Leider sind thailändische Experten und Artenschützer sehr skeptisch, ob dieser Ankündigung tatsächlich Taten folgen werden.

Diese Einrichtungen schaden mehr als dass sie nutzen

Die Tigerparks tun viel dafür, ein positives Image aufzubauen und zu wahren. Ein Image von engagierten und tierlieben Artenschützern, die um das Schicksal der Tiger besorgt sind, und die Tiger den Menschen näher bringen wollen.

Experten sind sich einig, dass diese Zuchtfarmen weder der Arterhaltung dienen, noch zur Aufklärung über die Bedrohung der Art beitragen. Stattdessen werden die Tiger als Fotoobjekte, Zuchtmaschinen und Zirkusattraktionen missbraucht und gewinnbringend vermarktet – tot und lebendig.

Zusätzlich erhöhen diese Zuchtfabriken auch die Nachfrage nach Produkten von wildlebenden Tigern, was die Wilderei wiederum anheizt.

Noch haben die Zoos damit Erfolg. Seit der Gründung des Sriracha Parks 1997 hatte der Park 10 Mio. Besucher. Doch langsam begreifen die Menschen, was wirklich dahinter steckt. Immer mehr schockierende Berichte verbreiten sich im Internet und zeigen Wirkung. Einige Reiseunternehmen haben die Attraktion bereits aus ihrem Programm gestrichen.

Was können Sie tun?

Unterstützen Sie den IFAW bei seiner Arbeit, das Leben der Tiger in Freiheit zu schützen. Besuchen sie keine Einrichtungen, in denen Tiger vorgeführt oder von Touristen angefasst werden dürfen. Sprechen Sie auch in Ihrem Bekanntenkreis über die wahren Hintergründe solcher Zuchtfarmen. Denken Sie immer daran, die Begegnung mit einem echten Tiger bedeuten für Sie vielleicht einige faszinierende Minuten im Urlaub, für den Tiger bedeuten Sie aber lebenslanges Leiden und einen vermutlich nicht natürlichen Tod.

TCM und Artenschutz

Tigerzoos und Tigertempel

Jetzt spenden

Unsere Arbeit braucht Ihre Unterstützung. Helfen Sie den Tieren mit einer Spende.