Trotz Verbots - Norweger gehen erneut auf Walfang

Dienstag, April 4, 2006
Oslo
Mit 31 Schiffen werden die Norweger in diesem Jahr auf Walfang gehen. Bis zum Ende der Walfang-Saison am 31. August dürfen 1052 Wale getötet werden. Dies ist die höchste Quote seit der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs durch Norwegen im Jahr 1993.
Die Quote des vergangenen Jahres betrug 796. Sie wurde aber nicht erreicht. Gefangen wurden 639. Wie der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) erfuhr, ist die Erklärung: In dem Gebiet um die Insel Jan Mayen sind statt der erlaubten 145 Wale nur 5 gefangen worden. Grund: Das Gebiet ist entlegen und erfordert höheren Aufwand an Zeit und Treibstoff. 
 
Norwegen jagt ausschließlich Zwergwale – anders als die Japaner, die es auch auf große Arten wie Finnwal, Seiwal, Brydewal und Pottwal abgesehen haben. Trotz ihres Namens erreichen aber auch Zwergwale eine Länge von bis zu zehn Metern und ein Gewicht von bis zu 8 Tonnen.  
 
Pro Wal werden 1,3 bis 1,5 Tonnen Fleisch „gewonnen“. Das heißt, nur ein Bruchteil des Tieres wird genutzt.
 
„Es gibt keinen humanen Walfang. Deshalb ist der IFAW dagegen. Außerdem ist Norwegen ein reiches Land und braucht den Walfang in keiner Weise. Norwegen sollte ihn beenden und stattdessen mehr auf den Tourismus setzen. Das friedliche Beobachten der Wale vor der Küste zieht schon jetzt 20.000 Touristen jährlich an und ist durchaus ausbaufähig,“ erklärt der Leiter von IFAW Deutschland, Dr. Ralf Sonntag.
 
Die von der Regierung eingesetzten Kommissare, die auf jedem Schiff mitfahren und den Fang überwachen, werden von diesem Jahr an durch so genannte Blue Boxes ersetzt. Sie registrieren die Fangaktivitäten elektronisch.  
 
Eigentlich ist der Walfang seit 1986 weltweit verboten. Norwegen legte damals Widerspruch gegen das Verbot ein und sieht sich deshalb nicht zu seiner Einhaltung verpflichtet.

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