Wildtierhandel: Robert Kless beantwortet Fragen von Facebook-Usern

Egal ob Schnitzereien oder Schmuck  - für diese Accessoires sterben Elefanten.Vor einigen Wochen posteten wir auf unserer Facebook Seite einen Beitrag zum Thema Wildtierhandel. Die User bekamen die Möglichkeit, unserem Wildtierexperten Robert Kless ihre Fragen dazu zu stellen. Hier sind seine Antworten:

Michael Brending:  Welche Rolle spielen eigentlich die Weltreligionen in Bezug auf den illegalen, internationalen Handel geschützter Arten?

Robert Kless:  Meines Erachtens ist der Umgang mit Tieren beziehungsweise die Art und Weise der Nutzung von Tieren weniger eine Frage der Religion, als eine kulturelle Frage. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Rolle des Wildtierhandels und die Nutzung von Tierprodukten in der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Renate John: Woher nehmen die Chinesen diese Mythen über Heilkräfte aus Tieren ??

Robert Kless:  Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat sehr alte kulturelle Wurzeln und ihr Verständnis ist, anders als in der westlichen Welt, z.T. noch stark spirituell geprägt. Viele Meinungen und Überzeugungen über die Wirkungsweise von TCM-Produkten lassen sich somit nicht mit wissenschaftlichen Methoden und mit westlicher Denkweise belegen bzw. erklären.

Übrigens: auch die Wirkungsweise von homöopathischen Mitteln, die von immer mehr Menschen in der westlichen Welt genutzt werden, ist nach den gängigen wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar.

Demgegenüber gibt es Studien, die bei manchen tierischen Substanzen durchaus bestimmte Wirkungen belegen; bspw. konnten in Tigerknochen  entzündungshemmende Stoffe nachgewiesen werden.

Auf meiner Reise nach SO-Asien hatte ich zahlreiche Gelegenheiten, mich mit TCM-Praktikern zu unterhalten. So erfuhr ich, dass die Mehrheit der eingesetzten Wirkstoffe von Pflanzen stammt oder aus Mineralien gewonnen wird, aber auch tierische Bestandteile spielen eine wichtige Rolle. Allerdings: Viele TCM-Mediziner sind überzeugt, dass es pflanzliche Alternativen zu den tierischen Wirkstoffen gibt und lehnen insbesondere die Nutzung von bedrohten Tierarten ab.

Aber, es gibt eben auch inoffizielle Märkte und Angebote, die die gezielte Nachfrage von Patienten nach tierischen Produkten bedienen und versuchen, diese Nachfrage noch zu erhöhen – allzu oft alleine  deswegen, weil damit enorm viel Geld verdient werden kann. Durch mangelhafte Gesetzgebung und  Kontrollen, fehlendes Wissen und manchmal auch aufgrund von Korruption ist es in vielen Regionen sehr schwer, diesen illegalen Geschäften Einhalt zu bieten.

Edda Affeldt :  Wie weit sind die Forscher (z.B. Prof. Wasser) mit den DNA-Landkarten der Elefantenpopulationen?

Robert Kless:  Neben dem Forscher Samuel Wasser beschäftigt sich auch ein Forschungsprojekt der deutschen Bundesregierung seit Juni 2010 damit,  anhand von DNA-Analysen das Alter und die geografische Herkunft von Elfenbein des Afrikanischen Elefanten zu ermitteln. Ziel ist, eine öffentlich zugängliche Datenbank aufzubauen, um die ursprüngliche Herkunft von beschlagnahmtem Elfenbein schnell ermitteln zu können. Damit soll die Wilderei gezielt bekämpft und gefährdete Elefanten-Populationen in Afrika besser geschützt werden können.

Der aktuelle Stand hier ist, dass noch weitere Elfenbein-Proben benötigt werden, um alle noch existierenden afrikanischen Elefanten-Populationen abdecken zu können. Auch muss die Datenbank noch aufgebaut werden. Ebenso wird angestrebt die Methodik weiterzuentwickeln und an neuste internationale Standards anzupassen.

Gibt es so etwas wie „legales“ Elfenbein?

Robert Kless:  Der internationale Handel mit Elfenbein ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen seit 1989 grundsätzlich verboten. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Ausnahmen, was einen legalen Handel mit Elfenbein ermöglicht. So genehmigte die Artenschutzkonferenz CITES 1997 den Handel mit Elfenbein aus den Beständen südafrikanischer Länder.  Auch 2008 wurde ein solcher Verkauf genehmigt, mit der Folge, dass nun insbesondere in China der Handel mit Elfenbein drastisch zugenommen hat – sowohl der legale als auch der illegale. Auch innerhalb der EU ist ein Handel mit Elfenbein unter Auflagen möglich, z.B. wenn es sich um antikes Elfenbein handelt.

Solche Ausnahmen machen die Arbeit  für die Kontroll- und Vollzugsbehörden sehr schwer, weil allzu oft nicht zwischen legalem und illegalem Elfenbein unterschieden werden kann. Zudem eröffnet jeder legale Markt Schmugglern die Möglichkeit illegale Ware einzuschleusen und „reinzuwaschen“.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien