Warum einige Maßnahmen zur Bekämpfung der Wilderei versagen

Das Färben der Stoßzähne von Elefanten wie dem hier abgebildeten wäre ein nutzloses Unterfangen.

Wilderei ist eine Epidemie. Der Anblick von Kadavern solch majestätischer Tiere wie Elefanten und Nashörner, die wegen ihres Elfenbeins und Horns abgeschlachtet werden, löst Wut und Frustration aus.

Immer wieder erhalten unsere Experten Zuschriften mit Vorschlägen zum Schutz der Tiere, wie z. B. sie zu betäuben und ihre Stoßzähne oder Hörner zu entfernen oder einzufärben, um deren Marktwert zu verringern oder zu ruinieren. Wir danken für diese Anregungen und teilen den Wunsch nach einer einfachen Lösung. Allerdings ist die Wilderei eine komplexe Angelegenheit, und die meisten anscheinend neuen und kreativen Ideen funktionieren aus mehreren Gründen einfach nicht.

Hier finden Sie einige Erklärungen zu Fragen, die uns häufig gestellt werden. Haben Sie einen anderen Vorschlag? Teilen Sie uns diesen unten mit, und wir tun unser Bestes, um auf diesen einzugehen.

Warum vergiften sie die Nashorn-Hörner nicht?

Auf dem Schwarzmarkt erworbenes Nashorn-Horn wird oftmals gemahlen und aufgrund seiner angeblichen medizinischen Eigenschaften als Heilmittel eingenommen.  Vergiftetes Nashorn-Horn wäre theoretisch wertlos für den Endverbraucher. 

Abgesehen von moralischen und rechtlichen Aspekten des vorsätzlichen Vergiftens von Menschen würde wahrscheinlich die Nachfrage nach „reinem“ Nashorn-Horn steigen. Selbst wenn die Schutzgebiete darauf hinwiesen, dass sie die Hörner ihrer Nashörner vergifteten, denkt der Wilderer vermutlich erstmal nicht an den Endverbraucher. Für den Wilderer ist nur der Mittelsmann wichtig, der ihn für sein unrechtmäßig erworbenes Produkt bezahlt und der wiederum seine Beute an einen anderen Mittelsmann verkauft, dem der Endverbraucher ebenso wenig bedeutet.

Abgesehen von der moralischen Seite sind hierbei zahlreiche logistische Aspekte zu beachten. Da das Horn nicht mit dem Blutkreislauf verbunden ist, müsste das Gift direkt in das Horn des Tieres injiziert werden, wofür man das Nashorn betäuben müsste. Jede Betäubung eines derart großen Tieres verursacht erhebliche Kosten und bringt Gesundheitsrisiken mit sich, das Tier kann auch sterben. Genau festzuhalten, von welchen Tieren das Horn vergiftet wurde und wo, wäre unmöglich. Außerdem ist es aufgrund der Dichte des Horns fast unmöglich, das Gift zu injizieren. In Südafrika wurde dies bereits erfolglos versucht.

Kann man Hörner und Stoßzähne nicht einfach rosa färben?

Rosa gefärbte Hörner und Stoßzähne wären auf dem Schwarzmarkt wertlos.

Abgesehen vom Risiko einer Betäubung solch riesiger Tiere wie Elefanten oder Nashörner wachsen Hörner und Stoßzähne nach. In drei Jahren kann das gesamte Horn eines Nashorns nachwachsen. Die Stoßzähne von Elefanten können jährlich 2,5 cm wachsen. Die Färbung würde herauswachsen. Dabei ist es unrealistisch, die Hörner aller Tiere nach einigen Jahren erneut einzufärben.

Das Einfangen, Betäuben und Färben der Stoßzähne von 400.000 Elefanten ist logistisch nicht möglich; derartige Störungen und der dadurch verursachte Stress könnten sich nachteilig auf die Gesundheit von Einzeltieren und ganzen Herden auswirken; wahrscheinlich würde eine beträchtliche Anzahl von Tieren während der Prozedur getötet, und diese müsste im Abstand weniger Jahre wiederholt werden.

Manche schlugen anstatt des Vergiftens und Färbens vor, Wasserstellen mit Pulver zu färben, wodurch sich die Stoßzähne und Hörner durch die Flüssigkeitsaufnahme verfärben würden. Dieser Vorschlag ist aufgrund der hohen Kosten und des immensen Aufwands nicht umsetzbar. Und selbst, wenn es möglich wäre, gäbe es keine Garantie, dass rosafarbenes Elfenbein nicht demnächst sehr gefragt wäre.  Und nicht zur Zielgruppe dieser Maßnahme zählende wild lebende Arten würden das gefärbte Wasser ebenfalls trinken. Außerdem würde der fotografische Wert der Tiere aus Sicht der Touristen sinken.

Warum entfernt man die Hörner und Stoßzähne nicht einfach gefahrlos von Nashörnern und Elefanten?  

Keine Hörner oder Stoßzähne? Uninteressant für Wilderer.

Leider ist dies nicht so einfach. Abgesehen von der beschriebenen Gefahr der Betäubung und dem Nachwachsen des Horns bedeutet eine Entfernung des Elfenbeins von diesen lebenden Tieren nicht, dass sie vor Wilderern geschützt wären.

Feldstudien zeigen, dass selbst enthornte Nashörner vor Wilderern nicht sicher sind, da der Schnitt nicht zu nah an der Keimschicht ausgeführt werden darf, um ein deformiertes Nachwachsen, Infektionen und den Tod der Tiere zu verhindern. Wilderer töten die Tiere jedoch selbst für diesen kleinen Stumpf von übrigem Horn.

Der Stoßzahn eines Elefanten kann nicht entfernt werden, da er ein Teil des knochigen Schädels ist. Deshalb müssen Wilderer Elefanten töten, um deren Stoßzähne zu entfernen. Ein kürzeres Absägen der Stoßzähne wäre eine logistische Herausforderung. Wenngleich der Stumpf nur 7 bis 10 Prozent des gesamten Stoßzahns ausmacht, bringt dieses „kleine“ Stück auf dem Schwarzmarkt viel Geld.

Außerdem haben Elefanten und Nashörner ihre Stoßzähne und Hörner aus gutem Grund entwickelt. Sie benötigen sie für bestimmte Aktionen, die zu einem normalen Leben dazu gehören.

Nashörner verteidigen mit Hilfe ihrer Hörner ihr Territorium, schützen ihre Kälber vor anderen Nashörnern und Raubtieren, nutzen es für die mütterliche Fürsorge und die Futtersuche: sie graben nach Wasser und brechen Äste ab.

Elefanten nutzen ihre Stoßzähne, um sich gegen Raubtiere und andere Elefanten zu verteidigen, um Gegenstände anzuheben, Futter zu sammeln und Rinde von Bäumen zu schälen. In der Trockenzeit sind Stoßzähne sehr nützlich, um Wasserlöcher in trockene Flussbetten zu graben.

Wilderei heißt nicht: ein Mensch verletzt ein Tier, um eine Quote zu erfüllen. Wilderei ist Teamarbeit.  Um sie zu bekämpfen, müssen wir die Netzwerke zerstören.  Das tenBoma-Projekt des IFAW tut genau das.

Rikkert Reijnen

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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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