Walfang in Island – das teure Hobby des Herrn Loftsson

Loftsson kehrt mit einem am Schiffsrumpf befestigten toten Finnwal von seiner Fahrt zurück.Der längste Tag neigt sich in Island seinem Ende zu. Und obwohl es sehr traurig ist, dass wieder zwei der in ihrem Bestand gefährdeten Finnwale ihr Leben lassen mussten, könnte für Wale in diesem wunderschönen Land bald eine neue Zeit anbrechen.

Wie angedroht, ließ Kristjan Loftsson vor kurzem seine Walfangboote auslaufen. Vor ein paar Tagen kehrte eines von ihnen mit einem 21 Meter langen toten Finnwal im Schlepptau zurück. Finnwale sind nach Blauwalen die größten Wale und damit zu groß, um an Bord der Boote gehievt zu werden, die Loftsson schon 1940 zu gebaut hatte, um Wale zu fangen. Kristjan Loftsson gilt als Islands einsamer, eigenbrötlerischer Finnwaljäger. Jetzt sind seine Boote zum ersten Mal seit drei Jahren wieder in See gestochen.

Früher feierte Loftsson die Anlandung des ersten Wals im großen Stil.

Presse und Fernsehen waren dabei, um zu berichten, wie Loftsson und seine Freunde einen Wal unter freiem Himmel stolz in Stücke schnitten. Da Loftsson zu glauben scheint, dass ein solcher Moment gefeiert werden muss, wird er diesmal überrascht gewesen sein: Denn während er seine grausame Tat verrichtete, erschien in diesem Jahr auf dem Hügel über der Walfangstation eine Gruppe von Isländern mit Transparenten, um gegen sein blutiges Handwerk zu demonstrieren. Auf einem der Plakate stand: "Wale sind kein Hundefutter". Erst vor kurzem hatten isländische Medien darüber berichtet, dass ein Teil des Fleisches der von Loftssons Firma getöteten Wale in Japan als Hundefutter verarbeitet wird.

Am Tag nach der Demonstration zeigten die Zeitungen dann auch nicht etwa einen stolzen Kristjan Loftsson mit den blutigen Überresten eines ausgeschlachteten Wals, sondern Fotos der Demonstranten und ihrer Transparente. Auch die Berichterstattung zu den Fotos bezog eindeutig  Stellung gegen Loftssons anachronistische Walschlachtungen. Die isländischen Zeitungen berichteten außerdem, dass der Isländische Tourismusverband (SAF) Loftssons Walfangaktion scharf kritisiert habe. Der SAF scheint mit dem Isländischen Walbeobachterverband (Icewhale) darin übereinzustimmen, dass das Töten von Walen nicht nur der Walbeobachtung schade, sondern der Tourismusbranche insgesamt.

Die Isländer sehen Loftssons Aktivitäten zunehmend kritisch.

Immer mehr Isländer beurteilen Loftssons Walfangaktionen als schädlich für Island und seine ökonomischen Interessen - ganz abgesehen davon, dass sie grausam und unnötig sind. Loftsson ist daher auf dem besten Weg, sich den Ruf des Ewiggestrigen zu erwerben, der sein Geld für die mutwillige Tötung von Walen ausgibt, obwohl deren Fleisch immer schwerer zu verkaufen ist. Auch die Mitinhaber seiner Firma rufen inzwischen öffentlich dazu auf, diesem Verlust bringenden Geschäft ein Ende zu setzen. Wir vom IFAW haben nie verstanden, warum Loftsson Wale tötet - wirtschaftlich einträglich ist es nie gewesen. Und jetzt, wo die EU-Beitrittsgespräche ins Stocken geraten sind, ist es auch aus politischer Sicht unvorteilhaft.

Vielleicht ist es nur das mit Wehmut betriebene Hobby eines reichen Mannes, der vergangenen Zeiten nachtrauert. Sollte dies der Fall sein, so bemerken zumindest immer mehr Isländer, dass ihnen dieses Hobby eines Einzelnen teuer zu stehen kommt.

Robbie Marsland

Erfahren Sie mehr darüber, wie der IFAW sich dafür einsetzt, dem kommerziellen Walfang ein Ende zu setzen.

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