Vernachlässigte Wildtiere aus US-Privatzoo finden ein neues Zuhause

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Die Nachmittagssonne brannte unbarmherzig auf meiner Haut. In der warmen Luft hing immer noch der abgestandene Geruch von Verfall. Und doch fühlte es sich an diesem Ort schon so viel anders an als zuvor. Es ist ziemlich schauerlich, vor Dutzenden von leeren Käfigen zu stehen, die nur einige Stunden zuvor noch voll mit Raubtieren waren. Jetzt, wo die Tiere weg waren, machte sich eine unheimliche Stille breit. Nur hin und wieder war das Picken der frei umherlaufenden Hühner zu hören. Doch auch sie würden bald weggebracht werden. Kein einziges Tier, weder Haus- noch Wildtier, würde hier bleiben.

Die Stille, die die Tiere hinterlassen, ist bedrückend. Wir haben sie zwar gerettet, doch gleichzeitig weiß ich, dass immer noch so viele in Not sind. Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm. Weniger als 24 Stunden nachdem die Tiere aus dem Privatzoo in ihre neue Bleibe gebracht worden waren, erhielt ich schon sechs neue Hilferufe.

Wir leben in einer Welt voller Widersprüche. Einerseits gibt es immer weniger Tiere in freier Wildbahn und andererseits gibt es viel zu viele, die hinter Gitterstäben ein trauriges Dasein fristen. Aus dem Drang zu erobern, zu besitzen und zu zähmen, ist bei manchen der Irrglaube entstanden, dass man Tiere einsperren muss, um sie zu retten. Es ist aberwitzig zu glauben, dass ein Kind, das in einen kleinen, heruntergekommenen Privatzoo im Norden des Bundesstaates New York hinter verrostetem Draht einen kränkelnden Tiger sieht, in irgendeiner Form zur Erhaltung einer Art beiträgt.

Dies hat nichts mit Artenschutz zu tun. Das Züchten von Großkatzen und anderen Wildtierarten, Tausende Meilen von ihrem natürlichen Lebensraum entfernt, wird die Anzahl der wild lebenden Tiere nicht erhöhen. Geschweige denn die Menschen darüber aufklären, was einen Tiger oder jedes andere Wildtier wirklich ausmacht.

Es ist schlicht und einfach menschliche Gier. Im besten Fall wird damit das Bedürfnis befriedigt, etwas so Schönem und Majestätischem nah zu sein. Im schlimmsten Fall ist es eine Befriedigung unserer Gier nach Aufmerksamkeit und Geld. Diese maßlose Ausschlachtung der Natur kostet die wilde Tierwelt, die wir angeblich so sehr lieben und schützen wollen, einen hohen Preis. Für Tiere wie Jericho, den Wolf, Sebastian, den Tiger, und Christian, den Löwen, waren der Preis Krankheit, Hunger und Verhaltensstörungen.

Ich glaube nicht, dass ihre Besitzer sie mutwillig im eigentlichen Sinne misshandelt haben. Und doch wurden sie schwer vernachlässigt – nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Unwissenheit und Blindheit. Liebe, sei sie nun richtig oder falsch, kann uns unseren Blick auf die Realität trüben.

Das IFAW Tierrettungsteam rettet exotische Tiere aus einem geschlossenen Privatzoo im Norden des Bundesstaates New York.

Zum Glück können wir Tieren wie denen aus diesem Privatzoo, die plötzlich obdachlos werden, kurzfristig helfen. Es gibt gut ausgestattete Einrichtungen, die ihnen das bestmögliche Leben in Gefangenschaft bieten. Dies ist jedoch keine langfristige Lösung.

Wenn Zucht und Besitz von Wildtieren in den USA weiterhin unreguliert bleiben, werden sich traurige Tierschicksale weiter häufen.

In den gesamten USA müssen Gesetze verabschiedet werden, damit der privaten Zucht und dem Besitz von Wildtieren endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Wir müssen mehr finanzielle Mittel für den Schutz und die Vermehrung wildlebender gefährdeter Arten fordern. Und die Menschen müssen begreifen, dass mehr Tiger in den Hinterhöfen oder auf den Jahrmärkten nicht helfen, eine Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Ich habe bereits beschrieben, wie aufwändig und komplex unsere Rettungsaktion war. Ich bin jeder Organisation und jedem Unterstützer unendlich dankbar, der uns bei der Unterbringung der Wild- und Haustiere unterstützt hat und dafür gesorgt hat, dass Jericho, Sebastian, Christian und all die anderen von nun an in guten Händen weiterleben können. Dennoch ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wir werden weiterhin Tiere retten, wann immer sie unsere Hilfe brauchen. Doch unser Ziel ist es, die Welt zu einem Ort machen, an dem dies nicht mehr nötig ist.

Kelly Donithan

Erfahren Sie mehr über die weltweite Arbeit unserer Tierrettungsexperten.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
Tierärztin, DVM, PhD
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften