US-Senat darf grausame Tötungsmethoden von Wildtieren auf Bundesgebiet nicht zulassen

Der gemeinsame Parlamentsbeschluss Nr. 69 würde es zulassen, in ihrem Bau schlafende Bärenjunge und deren Mütter zu töten. FOTO: © Brigitte Mueller

 

Von Jo Miller, ausführender Produzent von Full Frontal with Samantha Bee, und Jeff Flocken, IFAW Regionalleiter Nordamerika

Update: Trotz erbitterter Gegenwehr von Öffentlichkeit und vielen Kongressmitgliedern haben US-Repräsentantenhaus und Senat den gemeinsamen Parlamentsbeschluss H.J Res. 69/S.J. Res. 18, verabschiedet. Nach dieser schmerzlichen Niederlage werden wir uns im Kongress mit Ihrer Hilfe weiterhin unermüdlich einsetzen, um Wildtiere und deren Lebensräumen zu schützen.   

Großkaliberwaffen, GPS-Ortung, und allwetterfähige Hightech-Geräte lassen den Begriff "Sportsgeist" bei der Jagd von Wildtieren lächerlich erscheinen. Einige Kongressmitglieder schlagen nun Maßnahmen vor, die veraltete und sadistische Methoden bei der Jagd von vermeintlich geschützten Bären, Kojoten, Wölfen und anderen typischen Arten in Alaska erlauben würden. Allein bei der Vorstellung davon wird einem übel.

Der gemeinsame Beschluss 69 würde die Tötung von Wolfswelpen und Bärenjungen und deren Müttern erlauben, wenn diese in ihrem Bau schlafen. So würde die Jagd mit grausamen Tellereisen erneut erlaubt, die die Gliedmaßen der Tiere einquetschen, womit diese tagelang unter qualvollen Schmerzen leiden und oftmals ihre Beine abbeißen, um den Qualen zu entkommen. Diese Fallen sind beispielsweise schon lange in der EU verboten, auch dank einer Kampagne des IFAW damals. Außerdem sollen Drahtschlingen, die sich den Tieren um den Hals legen und festziehen, womit diese langsam und qualvoll ersticken erlaubt werden.

Diese Folterwerkzeuge gehören an den Drehort eines Horrorfilms und nicht auf Bundesflächen in Alaska. Dabei ist der Zusatz Bundes- entscheidend. Die Befürworter mit besonderem Interesse am gemeinsamen Beschluss 69 behaupten, diese Angelegenheit betreffe grundsätzlich das Recht der einzelnen Bundesstaaten. Das ist nicht der Fall. Die Zuständigkeit der Bundesbehörden zur Verwaltung von Bundesflächen in allen fünfzig Bundesstaaten wurde unzählige Male bestätigt.  Noch wesentlicher ist jedoch, dass sich ihr Argument gegen amerikanische Grundwerte richtet - das Recht der Öffentlichkeit, den Kontakt zur Natur und zu Wildtieren zu suchen, die auf öffentlichem Grund und Boden geschützt und betreut werden; wir brauchen Gewissheit, dass auch unsere Kinder und Enkel die in unseren Gebieten heimischen typischen Arten noch werden sehen können.

In der TBS-Sendung Full Frontal verwies Samantha Bee darauf, wie weit sich diese Gesetzgebung vom Gefühl der meisten Einwohner entfernt hat: “Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner unterstützt den Wildtierschutz [84 Prozent]. ´Tiere sind einfach toll´... ist das einzige unverfängliche Gesprächsthema in den meisten amerikanischen Familien. Ganz gleich ob links, rechts, alt, jung, schwarz oder weiß - Amerikaner sind sich einig: ´Vierbeiner sind gut.´"

Aber selbst wenn Sie zur Minderheit gehören, wird klar, dass diese Praktiken die Rechte und Sicherheit von Wanderern, Wildtierbeobachtern, Fotografen und anderen Besuchern dieser Gebiete beeinträchtigen werden. Deren Beitrag zur lokalen Wirtschaft überwiegt den der Jäger bei Weitem. Laut einem Bericht der US-amerikanischen Behörde für die Erhaltung von Natur und Artenschutz USFWS werden über 70 Prozent der Gesamtausgaben in Verbindung mit Schutzgebieten durch nicht-kommerzielle Freizeitaktivitäten generiert (keine Jagd). Zusammen mit verantwortungsvollen Sportlern, die nach fairen Methoden jagen und fischen, laufen auch diese Menschen und ihre Hunde Gefahr, in Fallen und Schlingen zu geraten. Jagen und Fischen sind in der einen oder anderen Form bereits in allen Wildtierschutzgebieten Alaskas erlaubt - 30 Millionen Hektar bieten Lebensraum für eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Die derzeitige Regelung der USFWS untersagt die grausamsten Praktiken. Warum also wollen die Befürworter von Beschluss 69 solch einen übertriebenen Vorschlag durchsetzen? Durch die Tötung von Bären, Wölfen und Kojoten wird der Bestand von Beutetieren künstlich erhöht. Das rücksichtslose Beseitigung natürlicher Feinde führt dazu, dass es für Jäger noch leichter wird, andere Tiere zu töten. Zu allem Überfluss kommt dadurch auch das Ökosystem aus dem Gleichgewicht.

Während in den USA der 114. Jahrestag der Einrichtung der Nationalparks begangen wird, macht sich das Repräsentantenhaus bereit, um grundlegende Schutzmaßnahmen für Wildtiere in den Gebieten abzuschaffen, die als sicherer Zufluchtsort für Wildtiere bestimmt waren. Also müssen wir als Land entscheiden, wie wir uns für unsere gefährdeten Wildtiere einsetzen wollen. Bringen wir genug Mitgefühl auf, um sie vor unvorstellbar grausamem Schicksal wie tagelangem Leiden in Tellereisen, langsamem Ersticken in Halsschlingen und dem Abschlachten von Bärenmüttern und Wolfsmüttern und ihren Jungtieren zu bewahren? Dabei sollte es keine ideologische Spaltung geben - der Senat muss seine moralische Verantwortung erkennen, die Rechte von Amerikanern und Wildtieren anerkennen und den gemeinsamen Beschluss 69 ablehnen.

Jeffrey Flocken und Jo Miller

Erfahren Sie mehr  über die politische Arbeit des IFAW zum Schutz bedrohter Tiere.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität